Euregionaler Präventionstag: Staatssekretärin „maßlos beeindruckt”

Von: wo
Letzte Aktualisierung:
sucht-stand
Information ist Trumpf: Auch die Arbeitsgruppe Jugendschutz präsentierte sich bei der Ausstellung. Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. Seit zehn Jahren schon engagieren sich der Kreis Heinsberg und der Arbeitskreis Suchtprophylaxe in diversen euregionalen Projekten zur Suchtprävention.

Unter dem Motto „Sucht kennt keine Grenzen” lud der Arbeitskreis jetzt erstmals zu einem Euregionalen Präventionstag in die Begegnungsstätte von Heinsberg ein. Zu Gast in der Stadthalle war der aus Erkelenz-Gerderath stammende Autor, Journalist und Ex-Junkie Jörg Böckem, der vormittags vor rund 200 Schülern und abends noch einmal vor etwa 100 Besuchern aus seinem Buch „Lass mich die Nacht überleben” vorlas. Als Medienpartner begleitete der Zeitungsverlag Aachen den Euregionalen Präventionstag. Moderiert wurde die Abendveranstaltung mit Infobörse, Autorenlesung und Podiumsdiskussion von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers.

Alkohol, Nikotin und härtere Drogen würden nicht vor Landesgrenzen halt machen, begrüßte Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder das Engagement des Arbeitskreises zum Auftakt der Abendveranstaltung. Es biete sich geradezu an, die guten euregionalen Strukturen für die Präventionsarbeit zu nutzen. Auf die doppelte Bedeutung des Mottos ging Landrat Stephan Pusch ein, indem er die „Grenzen” als nationale sah, aber auch als diejenigen, die von Süchtigen immer wieder überschritten würden. Die im Kreis Heinsberg aktive Netzwerkarbeit auf diesem Gebiet sei sehr erfolgreich, betonte er und versprach die weitere Unterstützung des Kreises. „Denn ich halte sie für sehr sinnvoll.”

Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, hatte die Schirmherrschaft für den Euregionalen Präventionstag übernommen. In ihrer Vertretung war Staatssekretärin Marlis Bredehorst nach Heinsberg gekommen. Sie zeigte sich „maßlos beeindruckt” von dem, was im Kreis Heinsberg in der Suchtprävention vonstattengehe, erklärte sie gleich zu Beginn ihrer Rede. „Ich glaube, das gibt es kaum anderswo im Land!” Sucht- und Drogenpolitik zählten zu den vordringlichsten Aufgaben aktueller Gesundheitspolitik.

In Nordrhein-Westfalen seien derzeit rund vier Millionen Menschen von Drogen abhängig und bereits die Hälfte der Bevölkerung mittelbar betroffen oder gefährdet. Im Handlungsprogramm der neuen Landesregierung gegen Sucht werde die Prävention eine bedeutende Rolle spielen. Wichtig sei dabei, sich noch stärker an den unterschiedlichen Zielgruppen zu orientieren, betonte sie, zum Beispiel an verschiedenen Migranten- oder Altersgruppen.

Mit einer sehr bildhaften, sehr detaillierten und sehr eindringlichen Beschreibung ließ Autor Jörg Böckem die Gäste dann ganz nah an sich heran, nahm sie quasi mit in seine abgeschlossene „Drogenkarriere”. Er las dabei nicht chronologisch, streifte unterschiedliche Orte und verschiedene Zeitpunkte. Damals habe sich niemand die Mühe gemacht, mit ihm „auf Augenhöhe zu kommunizieren”, beschrieb er in der anschließenden Podiumsdiskussion einen Grund für sein Abdriften als Jugendlicher in die Sucht.

An der Diskussion waren auch Wolfgang Sommer, Leiter der Suchtberatung im Kreisgesundheitsamtes, und Hans Dupont, Experte für Suchtprävention aus den Niederlanden, beteiligt. Sommer berichtete, dass die Bereitschaft von Menschen, sich Hilfe zu holen, steige.

Marion Wissing, als betroffene Mutter von ihren Erfahrungen berichtend, war ein Beispiel dafür. Sie hat sogar eine Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern gegründet. Aus den Erläuterungen von Dupont erfuhren die Zuhörer, dass die Behörden in den Niederlanden offener und pragmatischer mit dem Thema Sucht umgehen als diesseits der Landesgrenze. Eine zentrale Botschaft wurde am Ende der Diskussion deutlich: Sucht - vielfältig in ihren Ursachen und Erscheinungsformen - werde immer noch allzu häufig stigmatisiert und zu wenig als Krankheit wahrgenommen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert