Es öffnet sich eine Tür in die Zeitlosigkeit

Von: Anna Petra Thomas
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Gottfried Maria Graaff mit seinen handgeschriebenen Gedichten und seinem ersten Gedichtband, den er jetzt veröffentlicht hat. Am Sonntag wird er als Regionaldekan in Breberen verabschiedet. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Weihnachten 1983 war es, da erinnert sich Regionaldekan Gottfried Maria Graaff noch genau. Kurz vor seinem Abitur schrieb er zu Hause bei seinen Eltern in Vettweiß seinen ersten Text. Es ging um das Schleudern einer Waschmaschine, ein dröhnendes Radio und den Heiligen Abend.

Unzählige Gedichte folgten in den vergangenen fast 32 Jahren. Was „einfach so passierte“, damals in der Weihnachtszeit, ist für Graaff zu einem starken Lebensbegleiter geworden. Gottfried Maria Graaff ist neben seiner Tätigkeit als Regionaldekan zugleich Pfarrer in der Weggemeinschaft Gangelt. Am kommenden Sonntag steht allerdings seine Verabschiedung –

In den Monaten nach seiner schweren Erkrankung im vergangenen Jahr hat er 16 Texte in einem kleinen, schwarz-weiß bebilderten Gedichtband zusammengefügt und veröffentlicht. „Begegnung mit dem Seelenfreund – Gedichte 1“ lautet der Titel des Büchleins. „Der Mensch in Beziehung“ stehe dabei im Mittelpunkt, so Graaff, „untereinander und mit Gott“.

Gerade in der Begegnung mit „und im In-Sein in der Natur“ werde ihm diese transzendente Wirklichkeit immer wieder bewusst. Und so finden sich auch in den Gedichten Graaffs immer wieder Bilder aus der Natur, von Flüssen, Bergen oder Blumen. Alle folgen einer Dreigliederung mit einem gedankenvollen Zwischenschritt.

Von Gott her gibt es nur das Jetzt

„Die Natur verweist immer auf eine metaphysische Ebene – mitten im Alltag“, sagt Graaff, „zu all dem, was für uns normalerweise nicht unmittelbar wahrnehmbar ist.“ So öffne sich eine Tür in die Zeitlosigkeit, werde es möglich, in den ewigen Augenblick Gottes einzutauchen. „Von Gott her gibt es kein Vorher und Nachher, sondern nur das Jetzt. Raum und Zeit sind Bedingungen unserer Realität, aber nicht die ganze Wirklichkeit.“

Einen ganzen Ordner voller ­eigener Gedichte, die von diesen Augenblicken berichten, hat Graaff mittlerweile gesammelt. Entstanden sind sie auf Reisen oder in der Natur, aber immer in der Stille. „Denn die Gegenwart des Himmels ist sehr, sehr fein im Gegenwart zum Lärm unseres Alltags“, weiß der Priester. Und genau dieses seelische „Angerührt-Sein“ unterscheide sich von den großen Emotionen, die der Körper eines Menschen produziere.

So beschreibt es das Gedicht „Ein-Ruf“: „Komm, komm meine Seele in die Dunkelheit! Komm, folge mir in die Dunkelheit der Nacht! Komm zu mir, ich warte auf Dich!“ Es ist die Stimme Jesu, der ihn in die Innerlichkeit ruft, in die Mitte des eigenen Seins. „In dem Maße, in dem ich mich nicht im Hamsterrad des Alltäglichen verheddere, spüre ich, dass Jesus und andere himmlische Begleiter an meiner Seite sind, mich rufen und führen.“ Er begegne ihm oft, sagt der Theologe.

„Allerdings: Erst wenn ich mich hier auf Erden als unendlich geliebt erfahre, kann ich mich fallen lassen, mich anvertrauen, mich öffnen, die göttliche Dimension erfahren, in mir und in der Begegnung mit dem Nächsten – geführt von Jesus.“

Das beschreibt er in dem Gedicht, das dem ersten Gedichtband seinen Namen gegeben hat. „In mir öffnet sich ein Raum, das Innerste meines Herzens. Du trittst ein und bist geborgen: verstanden, getröstet, ermutigt…“ So beschreibt Graaff die Begegnung mit dem Seelenfreund, mit „dem Menschen“, in dem sich ebenfalls das Göttliche zeigt und in dem ­Christus lebt, als das Finden des „Freundes“ im Geführt-Werden durch Jesus nach innen.

„Jenseits von Angst und Geworden-Sein offenbart sich uns so die Einheit und Verbundenheit der ganzen Wirklichkeit. Und die Kraft, die alles eint, ist die Liebe, die uns sein und werden lässt, was wir immer schon sind…“ so Graaff, der lächelt im Wissen, dass sich das sehr „abgehoben“ anhört…

Erhältlich ist der Gedichtband „Begegnung mit dem Seelenfreund“ für 12,90 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-7375-4041-4). Eine Hörprobe, gelesen von Graaff selbst, gibt es im Internet unter www.gottfried-graaff.com. Ein zweiter Gedichtband ist schon in Vorbereitung. Er soll die „Wege des Menschen nach innen“ thematisieren.

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