Erwartet und befürchtet: Mehr Kinder als Plätze

Von: anna
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Kreis Heinsberg. „Wir sehen eine Entwicklung, die wir erwartet und zum Teil befürchtet haben.“ Mit diesen Worten blickte Willi Paffen, Vorsitzender vom Jugendhilfeausschuss des Kreises Heinsberg, voraus auf das kommende Kindergartenjahr 2015/16. Die Anmeldequote für Kinder im Alter von einem bis unter drei Jahren liegt im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamts bei 43,6 Prozent (Vorjahr 44 Prozent).

Auffällig sei die Quote bei den Kindern im Alter von zwei bis unter drei Jahren, so Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger. Sie liegt auf Kreisebene bei 60,8 Prozent, in Wegberg sogar bei 69,9 Prozent. „Das wird zum Regelalter“, so die Einschätzung von Friedhelm Sieben, ebenfalls Vertreter des Jugendamtes im Ausschuss.

Übergangslösungen

Da bisher die Bedarfsplanung auf eine Quote von „40 plus x“ ausgerichtet war, soll nun geprüft werden, in welchen Kommunen weitere Plätze geschaffen werden müssen, auch im Hinblick darauf, dass Übergangslösungen – etwa in Form von Gruppenüberschreitungen und Containerlösungen in Wegberg und Übach-Palenberg – entfallen sollen.

Dafür stelle der Bund bis zum Jahr 2018 weitere Mittel zur Verfügung, so Oehlschläger. Das Kreisjugendamt erhält davon rund 614 000 Euro. Damit könnten zum einen die bereits genehmigten Projekte gefördert werden. Rund 214 000 Euro gehen an die Einrichtungen der AWO in Boscheln und Übach sowie die Johanniter in Orsbeck. Es gebe bereits Gespräche mit Trägern, um die verbleibenden Mittel, rund 400 000 Euro „zielgenau“ einzusetzen, so Oehlschläger. Alle Anträge für entsprechende Fördermittel müssten bis 15. März vorliegen.

Überbelegungen

Wegen der hohen Nachfrage nach Kindergartenplätzen haben die 48 Kindergärten im Kreisjugendamtsbezirk für das laufende Kindergartenjahr 185 Kinder mehr aufgenommen, als normalerweise Plätze zur Verfügung stehen würden. Einstimmig beschloss der Ausschuss, im Rahmen der Betriebskostenförderung auf Antrag die Trägeranteile für diese Überbelegungen zu übernehmen. Dies entspricht möglichen Kosten von rund 168 000 Euro. Drei katholische Träger hätten die Kostenübernahme bereits beantragt, weil der Trägeranteil für Überbelegungen vom Bistum Aachen nicht refinanziert werde, so Oehlschläger.

Öffnungszeiten

Weiterhin legte das Jugendamt das Ergebnis seiner Prüfung in Bezug auf die sogenannte Tagesrandzeitenbetreuung, die Öffnungszeiten an Brückentagen und in den Schulferien vor. „Hier sind keine großen Problemlagen erkennbar“, fasste Paffen das Ergebnis des Verwaltungsberichts zusammen. Einzelne Probleme in Bezug auf Tagesrandzeiten hätten im Rahmen der Tagespflege gelöst werden können. Auch an Brückentagen bestehe ein Bedarf nur in Einzelfällen, da viele Eltern an diesen Tage auch arbeitsfrei hätten.

Was die Ferien betreffe, bestehe die Absprache, dass die Einrichtungen in der jeweiligen Kommune ihre Ferientermine absprechen würden, so Oehlschläger. Aus der Anmerkung von Ulla Sevenich-Mattar, Vertreterin der AWO im Ausschuss, dass die ständige Öffnung der Einrichtungen verstärkt nachgefragt werde, formulierte Paffen die Bitte an die Verwaltung, sie möge prüfen, inwieweit ein Rechtsanspruch bestehe für den durchgehenden Besuch eines Kindergartens über das ganze Jahr.

Betreuungsgeld

Über eine steigende Nachfrage nach Betreuungsgeld berichtete das Jugendamt ebenfalls in der Sitzung. Demnach wurden im Kindergartenjahr 2013/14 kreisweit durchschnittlich 93 Anträge pro Monat gestellt. Seit der Erhöhung des Betreuungsgeldes von 100 auf 150 Euro im August dieses Jahres sei die Zahl der Anträge auf 156 pro Monat gestiegen. Gründe dafür seien nicht erkennbar, so Oehlschläger.

Sevenich-Mattar äußerte die Vermutung, dass die aktuellen Überbelegungen der Einrichtungen ein Grund dafür sein könnten. Wenn Eltern nicht die Plätze bekommen könnten, die sie sich wünschen würden, nähmen sie vielleicht lieber das Betreuungsgeld und blieben noch ein Jahr mit ihren Kindern zu Hause.

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