Erste deutsche Sätze: „Mir geht es gut, danke“

Von: Renate Kolodzey
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Vertieft in schriftliche Übungen: Auch Saki (8) aus Afghanistan möchte Deutsch lernen. Foto: Renate Kolodzey

Selfkant-Höngen. „Hallo, wie geht es dir?“ „Mir geht es gut, danke.“ Diese Sätze gehören zu den ersten, die Asylbewerber aus dem Selfkant in einem Deutschkurs in der Gesamtschule Höngen lernen. Immer je zwei von ihnen sitzen sich in der Klasse gegenüber und stellen sich konzentriert diese und ähnliche Fragen.

„Es ist mir wichtig, dass die Schüler zuerst vor allem lernen, sich mündlich auszudrücken“, meint Amelie Krings, ihre 22-jährige Dozentin. Die Lehramtsstudentin aus Heinsberg, die in Köln im siebten Semester Deutsch und Sozialwissenschaften studiert, ist mit ganzem Herzen bei der Sache.

Den Auftrag, die Flüchtlinge zu unterrichten, bekam sie von der Volkshochschule (VHS) des Kreises Heinsberg, welche mit den Organisatoren der Deutschkurse schon seit dem vergangenen Jahr eng zusammenarbeitet.

Eine der bisherigen Dozentinnen für diese Klassen, Tanja Rzeppa, die sich ebenfalls engagiert einbrachte, unterrichtet nicht mehr vor Ort, da sie von der VHS jetzt verstärkt für Intensivkurse in Geilenkirchen eingesetzt wird. Seit dem 26. Januar gibt es nach dem Vorbild des Vorjahres in Höngen nun wieder zwei Deutsch-Kurse speziell für Menschen, die erst vor kurzem in Deutschland angekommen sind und noch keinen Asylstatus haben. Erst später, wenn sie als Asylberechtigte anerkannt sind, haben sie Anspruch auf einen Integrationskurs. Die Organisatoren freuen sich, dass der Unterricht wieder in der Gesamtschule stattfinden kann, da diese nicht weit von den verschiedenen Unterbringungsorten der Flüchtlinge in der Gemeinde Selfkant entfernt ist und von ihnen gut erreicht werden kann.

44 Lernwillige haben sich angemeldet, was den hohen Stellenwert der Integration durch Sprache beweist, den die Neuankömmlinge diesem Angebot beimessen. Aufgeteilt in zwei Klassen, eine für Anfänger und eine für Fortgeschrittene, kommen sie rasch voran. Diejenigen, die bereits den dritten Kurs besuchen, zeigen zum Teil erstaunliche Kenntnisse der deutschen Sprache, was sicher auch ein Zeichen für das didaktische Geschick der Dozentinnen ist. „Ein Schüler meiner Klasse, der im vergangenen Jahr angefangen hat, war Analphabet und kann jetzt schon lesen und schreiben“, berichtet Krings.

Die meisten Flüchtlinge – viele von ihnen sind auf Booten geflohen und stammen aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder Pakistan – sind erst seit einigen Monaten in Deutschland. Sie sprechen meist Arabisch oder Farsi, einige auch Englisch. Manche sind gut ausgebildet, einige haben sogar einen Universitätsabschluss, andere wiederum konnten keine Schule besuchen. Auch zehn Kinder sind im Kurs, sagt die Dozentin.

Krings weiß, dass ihre Schüler oft mit der neuen Sprache zu kämpfen haben, denn auch schriftliche Übungen müssen bewältigt werden. Sie gibt zu bedenken: „Sie müssen sich ja dazu noch von der arabischen Schrift auf die lateinischen Buchstaben umstellen.“

Bemüht, möglichst auf jeden Einzelnen einzugehen, sieht man ihr die Freude am Unterrichten an, und es geht es weiter mit: „Wie heißt du?“ „Ich heiße Zahaib.“ „Woher kommst du?“ „Ich komme aus Syrien.“ Wo wohnst du?“ „Ich wohne in Süsterseel.“

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