Erste Bilanz: RB 33 leidet noch an „Kinderkrankheiten“

Von: Anna Petra Thomas
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Gerechnet hat der Nahverkehr Rheinland (NVR) einer Studie zufolge vor der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs mit rund 2000 Fahrgästen pro Tag zwischen Heinsberg und Lindern. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2014 liegen vor. Danach nutzten 1400 Menschen pro Tag die Bahn auf diesem Streckenabschnitt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Seit gut einem Jahr rollen die vier roten Bahnwaggons der Wurmtalbahn, der RB 33, jetzt stündlich von Heinsberg nach Aachen und wieder zurück. Auch Michael Bienick, damals noch Sprecher der Fahrgastorganisation „Pro Bahn“ für den Kreis Heinsberg, hat sich seinerzeit intensiv in die Planungen eingebracht.

Mittlerweile hat er dieses Ehrenamt aufgegeben, seinem Masterstudium in Wirtschaftsgeographie zuliebe. Aber auch weiterhin engagiert er sich für die Optimierung der Bahnverbindungen. So hat er gerade erst einen Beitrag für ein regionales Mitteilungsblatt des Fahrgastverbandes geschrieben, in dem er sich mit dem fehlenden, sogenannten Übereckanschluss in Lindern auseinandersetzt. Diesen benötigen alle Fahrgäste, die von Heinsberg nicht nach Aachen, sondern nach Düsseldorf fahren wollen und dafür in Lindern umsteigen müssen.

Die neue Strecke leide seit ihrer Eröffnung noch „an einigen Kinderkrankheiten“. Nach wie vor gebe es Fälle, „in denen die RB 33 nicht, wie der Fahrplan es vorsieht, als Flügelzug von Aachen durchgehend nach Heinsberg verkehrt, sondern einteilig als RB 33 von Aachen nach Duisburg fährt und der Fahrgast in Lindern in einen Pendelzug nach Heinsberg umsteigen muss“, erklärt der passionierte Bahnfahrer auf dieser Strecke. „In solchen Fällen gibt es nach wie vor große Defizite bei der Information der Fahrgäste.“

Koppeln verbessert

Eine „deutliche Qualitätssteigerung“ sei bei der An- und Abkopplung der Züge in Lindern durch eine geänderte Reihenfolge erreicht worden, erklärt Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland (NVR). Bisher sei in Lindern zuerst der Zug aus Mönchengladbach eingefahren. Jetzt fahre zuerst der Zug aus Heinsberg ein. So habe dessen Fahrzeugführer mehr Zeit für den Richtungswechsel, bis der Zug aus Mönchengladbach eintreffe.

Einen weiteren großen „Pferdefuß“ gebe es jedoch, sagt Bienick und meint damit die fehlende, direkte Umsteigemöglichkeit Richtung Düsseldorf in Lindern. „Der Regionalexpress 4 nach/aus Düsseldorf und die Regionalbahn 33 aus/nach Heinsberg verpassen sich hier in beiden Richtungen um nur wenige Minuten.“

Früher sei der Regionalexpress zwischen Düsseldorf und Aachen ganze 17 Minuten schneller unterwegs gewesen, auch wenn man berücksichtige, dass er heute zwei zusätzliche Haltestellen habe, weiß Bienick. Mit spurtstärkeren Triebfahrzeugen oder einer Verbesserung des Fahrplans könne der Übereckanschluss attraktiver gestaltet werden, aber auch mit einer späteren Abfahrt der RB 33 in Aachen und einer Kreuzung der Züge in Oberbruch. „Dies böte den Vorteil eines insgesamt stabileren Fahrplans mit längeren Wendezeiten in Heinsberg, beim Nachteil eines zusätzlich erforderlichen Fahrzeugs und eines höheren Personalaufwands.“

„Eine attraktive Umsteigeverbindung zwischen der Kreisstadt Heinsberg und der Landeshauptstadt Düsseldorf würde zahlreiche Pkw-Fahrten ersparen und das Fahrgastpotenzial der neuen Heinsberger Bahn noch einmal deutlich heben“, ist sich Bienick sicher. Aber auch so sei jede Maßnahme für sich sinnvoll, da eine Beschleunigung die Attraktivität für die Pendler weiter steigere.

Eine Übereck-Verbindung von Heinsberg Richtung Düsseldorf sei nie Teil des Konzepts gewesen, erklärt Sedlaczek zu diesem Punkt. Selbstverständlich werde dieser Anschluss von allen Beteiligten gewünscht, heißt es auch in einer aktuellen Stellungnahme der DB Regio AG. „Derzeit lässt sich allerdings der Fahrplan aufgrund der Fahrzeiten der Fahrzeuge in Zusammenhang mit der Trassenkapazität und den damit verbundenen Fahrplankonflikten nicht dahin gehend anpassen“, schreibt Franz Welfens, Teilnetzmanager Euregio-Maas-Rhein. Wenn es den neuen Rhein-Ruhr-Express (RRX) gebe, voraussichtlich in den Jahren 2018 bis 2020, würden auch auf der Linie Aachen-Mönchengladbach neue Fahrzeuge geplant. „Dann ließe sich der sogenannte Eckverkehr in Richtung Mönchengladbach umsetzen.“ Wenn der RRX komme, seien damit auch weitere Infrastrukturverbesserungen für den Kreis Heinsberg verbunden, so Sedlaczek. Ausgebaut werden müssten dann die Haltepunkte in Geilenkirchen, Lindern und Hückelhoven-Baal, allein schon aufgrund der Zuglänge von 210 Metern. Damit sei dann natürlich auch ein barrierefreier Ausbau verbunden.

Bereits Ende vergangenen Jahres hat sich Bienick in einem offenen Brief zur Verzahnung von Bus und Bahn geäußert. So gehöre die neue Bahnstrecke zwar dem Unternehmen West, gleichzeitig lege dieses aber einen Busfahrplan vor, „der eine wirklich funktionierende Verzahnung zwischen Bus und Bahn verhindert“.

So sei ein großer Teil der Busse von West nach wie vor nicht in einen sogenannten Taktknoten am Heinsberger Bahnhof integriert. Eine solche Vernetzung „würde einerseits die Züge der Wurmtalbahn weiter mit Fahrgästen füllen, aber auch dem hiesigen Busverkehr eine klare Struktur geben und diesen für potenzielle Fahrgäste überhaupt erst attraktiv machen“.Auch in Dremmen sieht es für ihn nicht besser aus. „Wer mit der neuen Linie 402 am Bahnhof Dremmen ankommt, verpasst zu einigen Zeiten die Bahn um genau eine Minute“, schreibt der Student aus eigener Erfahrung. Daher fährt er derzeit immer noch mit dem Auto bis nach Porselen, um dann dort in die Bahn einzusteigen. „Eine Bahnstrecke ohne gut abgestimmte Zu- und Abbringerbusse ist doch wie eine Autobahn ohne ergänzendes Bundes- und Landesstraßennetz.“ Fehlplanung wie die der West seien „Tritte auf die kleinen Pflanzen der Hoffnung für den Nahverkehr“, die vor einem Jahr geschaffen worden seien.

Lob findet Bienick dagegen für die Verbindungen der RVE/DB Bahn Rheinland Bus, die am Heinsberger Bahnhof bis auf eine Ausnahme einen nahtlosen Übergang von der Wurmtalbahn auf die Linie 475 Richtung Kirchhoven und Haaren ermöglichen würde. Insgesamt, so das Fazit, „fristet der öffentliche Nahverkehr im Kreis Heinsberg ein sehr stiefmütterliches Dasein.“ Diesen Zustand habe sich der Kreis selbst vor zwei Jahren per Mobilitätsstudie bestätigen lassen. „Spürbare Verbesserungen sind seitdem jedoch weitestgehend ausgeblieben.“ Bienick rät daher dringend zur Einrichtung einer Planungsgruppe mit der Bezeichnung „Neuer Nahverkehr im Kreis Heinsberg“. Nach einer Bestandsaufnahme müsse das Nahverkehrsangebot insgesamt völlig neu gestaltet werden – „und zwar ohne Denkverbote!“

„Unser Angebot orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Schüler“, erklärt dazu Udo Winkens, Geschäftsführer von West. Aufgrund der unterschiedlichen Schulanfangs- und Endzeiten sei es da leider nicht möglich, einen durchgängigen Takt für die Busse anzubieten. „Herr Bienick favorisiert dagegen einen durchgängigen Takt. Von daher treffen hier unterschiedliche Ansichten aufeinander. Wir haben uns in dieser Angelegenheit mehrfach mit Herrn Bienick ausgetauscht. Leider ohne Erfolg!“

In Bezug auf die Linie 402 könnten alle Anschlüsse Bus/Bahn gewährleistet werden. „Lediglich bei einer Fahrt klappt das nicht!“, so Winkens weiter. Wie Bienick sieht allerdings auch NVR-Chef Sedlaczek für den Busverkehr von West insgesamt für die Zukunft noch ein „deutliches Optimierungspotenzial“.

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