Ernte der Wintergerste wegen Regen verschoben

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Schon wieder Regen. Bernhard C
Schon wieder Regen. Bernhard Conzen, der Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, erzählt auf der Fahrt zur Wintergerste vom Wetter, von Bauernregeln und Schlaglöchern auf Feldwegen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Bernhard Conzen redet vom Sonnenschein und höheren Temperaturen, während er mit seinem Traktor Richtung Feld fährt und immer wieder die Scheibenwischer anstellt. Ein starker Gewitterregen geht kurze Zeit später nieder. Damit verschiebt sich die Ernte der Wintergerste wieder um einige Tage.

Vor kurzem sah es für Bernhard Conzen, den Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Heinsberg, und seine Kollegen aus der Riege der Getreidebauern einige Tage ganz gut aus. „Ist der Mai kühl und nass, füllts dem Bauern Scheun und Fass”, zitiert der Gangelter, der rund 1150 Landwirte und deren Familien im Kreis repräsentiert, aus dem 100-jährigen Bauernkalender.

„20 Prozent der Wintergerste sind eingefahren”, sagt er. Drei Wochen gutes Wetter am Stück und die ganze Ernte wäre in hoher Qualität - und damit zu einem guten Preis - in der Scheune. Die Wetter-Wirklichkeit sieht aber anders aus. „Und das soll auch noch bis Ende nächster Woche so unbeständig bleiben”, weiß Bernhard Conzen aus dem Wetterbericht.

In unserer Region war das Wetter während der Vegetationszeit gut für die wachsenden Pflanzen. Wetter und Niederschläge sehen die Landwirte allerdings deutlich differenzierter als der Freibadbesucher oder Radfahrer. „Nach dem späten Wintereinbruch war es zunächst kurz trocken, aber dann kam der Regen im Gegensatz zum vergangenen Jahr doch noch rechtzeitig.” Bis heute sind zwar erst rund 75 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gefallen, „aber hierbei kommt es auch auf die zeitliche Verteilung und nicht nur auf die Menge an”, erklärt Bernhard Conzen.

In anderen Regionen unseres Bundeslandes hätte der späte Frost im Februar allerdings Winterschäden verursacht. Man schätzt, dass 60.000 bis 70.000 Hektar der Getreidefelder neu eingesät werden mussten - ein Schaden von rund 120 Euro pro Hektar. Um das aufzufangen, sind die Landwirte auf gute Preise für ihr Produkt angewiesen.

Bei den Erlösen erwartet der Kreisvorsitzende für die Ernte 2012 eine durchaus „freundliche Entwicklung”. Das habe mit der Entwicklung auf den Weltagrarmärkten zu tun, erläutert er. Getreide ist dort augenblicklich ein gesuchter Rohstoff. Wenn das Wetter es zulässt und auch in diesem Jahr stabile Getreideerträge gedroschen werden, kann man davon ausgehen, dass aufgrund der guten Bodenqualität im Rheinland ein entsprechend hochwertiges Produkt verkauft werden kann.

Mit Blick auf die erwarteten Produktionsausfälle in viele Regionen Deutschlands und der Europäischen Union (Auswinterung, Trockenheit, Brand oder Nässe) liegt die Ernteprognose für die diesjährige Ernte in der EU deutlich unter dem Vorjahr. Schlechtere Ernten erwarteten die Marktexperten auch für die USA, die Schwarzmeerländer und Russland. Das lässt den Preis steigen; Bernhard Conzen hofft auf 180 Euro für die Tonne (2010 waren es nur 100 Euro). Pro Hektar rechnet er mit acht bis zehn Tonnen Ertrag bei der Wintergerste.

Diese Probleme auf dem Weltmarkt nutzt Conzen auch als Argument gegen ein Vorhaben aus Brüssel. „Die weltweit knappe Versorgungslage macht es umso notwendiger, intensiv und kritisch darüber zu diskutieren, ob die Strategie der Europäischen Kommission, die Bauern im Rahmen des geplanten ,Greenings zu einer extensiven Bewirtschaftung zu drängen, oder sogar Flächen aus der Produktion herauszunehmen, sinnvoll ist.”

Hier sei es an der Politik einlenken und ein klares Bekenntnis für die landwirtschaftliche Produktion abgeben. „Wir müssen bald auf der Erde sieben Milliarden Menschen ernähren und brauchen im Rahmen der Energiewende auch entsprechendes Material für die Biogasanlagen”, erläutert er die Abwegigkeit des EU-Vorhabens aus seiner Sicht. Zudem werde der Ackerboden, der brach liegt, in seiner Qualität schlechter.

Aber wann fährt Bernhard Conzen denn nun zur Ernte? „Urlaub habe ich nicht geplant und ich fahre auch nicht weiter weg als bis nach Geilenkirchen”, sagt der Landwirt lachend und guckt wieder aus dem Fenster.

„Erzähl doch mal deine liebste Bauernweisheit”, animiert seine Frau Elisabeth ihn. Da spricht dann eine gewisse Ernüchterung und viel Lebenserfahrung aus dem Gangelter: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!”
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