Erkelenz - Erkelenzer Wasserturm wird zum Einfamilienhaus

Erkelenzer Wasserturm wird zum Einfamilienhaus

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
Erkelenzer Wasserturm
Rund 200 Quadratmeter Wohnfläche mit atemberaubenden Blick entstehen im alten Erkelenzer Wasserturm. Foto: nosch

Erkelenz. Es gibt Adressen, die kann man sich leicht merken. Downing Street Nummer 10 in London zum Beispiel. Da wohnt der Premierminister der Briten. Neusser Straße 6a in Erkelenz klingt weniger einprägsam.

Wenn man aber hört, dass sich dahinter der Erkelenzer Wasserturm verbirgt, weiß jedes Kind Bescheid. Frank Wytrykus wohnt dort mit seiner Frau.

Das heißt: Noch nicht, aber bald. Denn noch ist einiges zu tun, damit aus dem ehemaligen Wasserturm der Stadt ein behagliches und wohnliches Heim für das Ehepaar Wytrykus wird. Einiges? Es ist noch eine ganze Menge zu tun bis zum Einzug. „Ja, es hat alles etwas länger gedauert als geplant”, sagt der Bauherr. Vor drei Jahren hat er das markante Objekt von der Stadt Erkelenz erworben.

Wie kommt man auf die Idee, einen Wasserturm zu kaufen, um sich darin anschließend häuslich einzurichten? „Das war eigentlich Zufall. Wir haben lange nach einem Haus gesucht und nichts Passendes gefunden”, sagt Frank Wytrykus. Dann habe er die Anzeige in der Zeitung gesehen und innerhalb kurzer Zeit war die Sache perfekt.

Aber ist das nicht ein wenig schräg, in einem runden Turm wohnen zu wollen? „Ich finde die Frage unkreativ”, sagt Wytrykus und legt den Hammer aus der Hand. „Wir haben die Immobilie geplant und dann einfach losgelegt.” So geht das also, wenn man sich einen Wasserturm als Einfamilienhaus herrichtet.

Wenn man sich den Turm wegdenkt, wähnt man sich wirklich auf einer ganz normalen Baustelle: Es stehen mit Sand gefüllte Container vor dem Haus, die Wege sind mit Brettern ausgelegt, man stolpert, natürlich nur, wenn man nicht aufpasst, über Kabel oder sonstige Fallstricke, und am Mauerwerk im Eingangsraum hängen Schutzhelme, Arbeitshemden, Wasserwaage und allerlei anderes Arbeitsgerät. „Das war alles Holz hier”, sagt der Hausherr mit ausladender Handbewegung. „Wir haben überall Betondecken eingezogen. Viel Arbeit.”

Man kann es sich vorstellen. Wir stehen im Erdgeschoss, im Flur, im zukünftigen Empfangsraum sozusagen, der Aufzug ist eingebaut, darf aber aus sicherheitstechnischen Gründen noch nicht genutzt werden. „Der macht einen Meter pro Sekunde, in 33 Sekunden steht man praktisch im Wohnzimmer.” Da klingt der Ingenieur im Turmherrn durch, Frank Wytrykus ist gar promovierter Ingenieur. „Du musst schon handwerklich einiges drauf haben, wenn du so ein Projekt in Angriff nimmst”, sagt er.

Fast alles, einschließlich der Pläne, habe er selbst oder mit Facharbeitern gemacht, die er ausgesucht hat. „Ich bin”, sagt er, „ein ganz normaler Typ”. Sicher. Aber einer, der offenbar sehr zielstrebig einen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt verfolgt, der dabei auch das Betreten von Trampelpfaden als durchaus nicht ungewöhnlich ansieht. Und wird das Gestrüpp zu dicht, schlägt er eben Schneisen. Kreativität und Unkonventionalität jedenfalls sind für den 50-jährigen Leiter eines Unternehmens mit zehn Mitarbeitern tägliches Brot.

Wir sind über die Betonstufen im ersten Stock angekommen, dort, wo in ein paar Monaten das Arbeitszimmer eingerichtet wird, in der Etage darüber werden die Gäste übernachten, und in der dritten Etage wird der Waschmaschinen- und Bügelraum eingerichtet. „Wir können nur die drei ersten Etagen im Turmschacht nutzen, danach wirds zu eng”, sagt Wytrykus. „Insgesamt werden wir rund 200 Quadratmeter Fläche bewohnen.” Vom Bügelraum aus wird man, wenn alles von den Aufsichtsbehörden abgenommen ist, mit dem Fahrstuhl in weniger als 30 Sekunden in den Turmkopf gehoben.

Wo bis vor wenigen Monaten noch der Tank als statisches Zentrum des Wasserturmes postiert war, ist das Herz des neuen „Hauses”, wie der Bauherr den Turm stets nennt, in Grundzügen schon deutlich erkennbar. Klar, es hängen noch Kabel aus den Wänden, die Möbel („Da kommen überall Einbauschränke hin, mach ich natürlich selbst”) fehlen noch genauso wie die Heizung („Natürlich Fußbodenheizung”) oder der Fußboden. Aber die Fenster, die sind schon drin. Und diese Sicht nach draußen, dieser Rundumblick, der einen hier umfängt, diese Ferne, der man in dieser Höhe in diesen Räumen so nahe zu sein scheint - genial! Einfach umwerfend.

32 Fenstersegmente („Vier Fenster haben sie uns wegen der Auflagen des Denkmalschutzes gestrichen”) geben den Blick über die Dächer von Erkelenz und raus in die Jülicher Börde auf der einen und bis rein in die Ausläufer der Ardennen auf der anderen Seite frei. „Das Bett wird natürlich zur Fensterseite hin gedreht”, sagt Wytrykus. Wie die übrigen Sitzmöbel auf den beiden 64 Quadratmeter runden Turmzimmern in luftigen 34 Metern Höhe auch, „das ist ja der Trick”. Reingucken kann eh niemand.

„Wenn ich gewusst hätte”, sagt Dr. Frank Wytrykus, nimmt die Brille ab und blickt die 35 Meter des sich nach oben hin verjüngenden Turms hinauf, „wie viel Arbeit da drin steckt - ich hätte es nicht gemacht”.

Jetzt allerdings haben er und seine Frau wohl das Gröbste hinter sich. Klappts mit dem Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, 35 Meter über den Dächern von Erkelenz? „Wir hatten es eigentlich geplant. Aber es wird wohl Ostern werden.” Eier suchen im Turm - auch das hat ja was.
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