Erkelenzer Hospiz muss sich geänderten Anforderungen stellen

Von: hewi
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Sie bereitet das Hospiz auf die kommenden Anforderungen vor: die Leiterin Ulrike Clahsen. Foto: Koenigs

Erkelenz. Das Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz und seine Leistungen werden immer häufiger in Anspruch genommen. Seit seiner Gründung vor zwölf Jahren bot es rund 1500 Patienten ein Zuhause auf der letzten Etappe ihres Lebensweges. Meist stehen rund 20 Personen auf der Warteliste für einen Platz im Hospiz.

Die Anforderungen an die Arbeit des Hospizes haben sich geändert, wie die Leiterin Ulrike Clahsen erklärt. Deshalb stehe dieses Jahr ganz im Zeichen der Veränderung und der Erweiterung des Leistungsspektrums.

Ein Grund dafür ist, dass der Aufenthalt im Hospiz immer länger wird. Waren die Patienten früher zumeist im Endstadium einer schweren Erkrankung, handelt es sich heute auch oftmals um Demenzkranke oder ältere behinderte Menschen, die einen langfristigen Krankheitsverlauf aufweisen. „Darüber hinaus besteht ein gestiegener Beratungsbedarf bei den Angehörigen”, betont Clahsen.

Diese stehen mit ihren Sorgen und Fragen oftmals alleine da. Krankenhäuser und Altenheime können diese umfassende Betreuung oftmals nicht leisten. Zu Hause sind die Angehörigen überfordert und suchen Rat und Hilfe. „Hier mussten neue Handlungskonzepte erarbeitet werden, die dem neuen bedarf gerecht werden”, erklärt sie.

Auch andere neurologische Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) seien „deutlich auf dem Vormarsch” und würden dazu beitragen, dass sich die Arbeit im Hospiz verändert.

Eine neue Patientengruppe sind die älteren Behinderten, auf die sich die Pflege erst neu einstellen muss. Es mag zynisch klingen, doch wegen des Dritten Reiches und dem damals üblichen menschenverachtenden Umgang mit behinderten Menschen, fehlt in der praktischen Pflege eine ganze Generation von Menschen mit Behinderung, weshalb ein großer Nachholbedarf im Umgang mit diesen Patienten und deren Bedürfnissen besteht. Dazu gehören neben der palliativen Pflege auch alternative Behandlungsmethoden und Seelsorge.

Den neuen Aufgaben stellt sich das Hospiz mit einer personellen Aufstockung und einer Erweiterung des Angebotsspektrums.

Beides kostet Geld. Musste das Hospiz bisher rund 93.000 Euro pro Jahr durch Spenden zu seinem Unterhalt beitragen, werden es zukünftig um die 130.000 Euro sein, so Clahsen.

Zunächst wurde das 18-köpfige Team um neue Mitarbeiter erweitert. Björn Clahsen ist als Sozialberater und Case Manager mit an Bord. Er kümmert sich auch um die Angehörigen, hilft bei der Stellung von Anträgen und berät über die Betreuung vor Ort und leistet auch Trauerbegleitung über den Tod des angehörigen hinaus. Als Honorarkraft kümmert sich die Ergo- und Verhaltenstherapeutin Birgit Süßenbach um die Patienten und Angehörigen.



In der Seelsorge wird eng mit der katholischen Seelsorgerin der Hermann-Josef-Stiftung, Monika Fernandez, zusammengearbeitet. Für die Klangtherapie im palliativen Einsatz bei dementen Patienten konnten die Pflegemitarbeiterinnen Marianne Rappe und Gerti Cleve zusätzlich qualifiziert werden. Mit Lydia Schramm wurde eine engagierte Heilpraktikerin ins Boot geholt.

Neben neuen Arbeitsmethoden setzt das Hospiz aber auch auf Weiterbildung und Aufklärung. „Gerade die ehrenamtlichen Pfleger oder Angehörigen brauchen eine fachliche Schulung”, erklärt Clahsen. Darin lernen sie auch, welche Rechte sie im Namen ihrer Patienten wahrnehmen können. Denn mit dem Recht auf Selbstbestimmung nehme man es in den Krankenhäusern oftmals nicht so genau.

Ein Fokus der Arbeit wird auch auf den Angehörigen liegen, die „sich nicht aus den Augen verlieren dürfen”, wie Clahsen aus Erfahrung weiß.

Denn gerade bei Demenz beginne die Trauerphase der Angehörigen schon vor dem Ableben des Patienten. „Auch die Angehörigen brauchen Hilfe und jemanden, der zuhört”, beschreibt sie die Idee, die hinter dem neuen Konzept steht.

In Vorbereitung sind auch palliative Care-Kurse zur Begleitung von dementen Menschen mit Behinderung. Für das umfassende Kurs- und Beratungsangebot wird das Schulungszentrum Kühlerhof bei Doveren in diesem Sommer noch einmal erweitert.

Was die moderne Palliativpflege betrifft, sei Erkelenz bundesweit ganz vorne mit dabei, ist sich Clahsen sicher.
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