Waldfeucht-Haaren - Erinnerungen an Erbauer der Haarener Kirche

Erinnerungen an Erbauer der Haarener Kirche

Von: WiSch
Letzte Aktualisierung:
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Ab 1821 gebaut und kurz vor dem Ersten Weltkrieg um das neugotische Querschiff erweitert: die Haarener Kirche. Pfarrer Johann Gottfried Hanrath ist ihr Erbauer. Foto: Stefan Klassen
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Vor 170 Jahren errichtet: das steinerne Kreuz hinter der Apsis der Pfarrkirche. Foto: Archiv/Wilfried Schröders
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Eine seltene Aufnahme des ersten Haarener Kirchbaus um 1900: Pfarrer Johann Gottfried Hanrath ermöglichte mit Sr. Christina Florax diesen ersten Kirchbau – allerdings noch ohne Turm. Foto: Archiv/Wilfried Schröders

Waldfeucht-Haaren. „Betet in Liebe an der Gruft des Hochehrwürdigen Herrn Joh. Gottf. Hanrath geb. zu Kirchhoven... und gest. den 7. Dec. 1846 im 45. Jahre seines Priesterstandes und im 43. seines Pfarramtes hier selbst, Friede seiner Seele“ – in diesen Tagen jährt sich die Aufrichtung des steinernen Kreuzes hinter der Apsis der Pfarrkirche zum 170. Male. Sie erinnert – wie seit 2004 eine Straßenbezeichnung im Ortsteil Haaren – an den Erbauer der Haa-rener Pfarrkirche Johann Gottfried Hanrath.

Am 19. Dezember 1773 im benachbarten Kirchhoven geboren, absolvierte er in Köln und der Abtei Reichstein seine theologischen Studien, bevor er am 18. Juli 1802 das Sakrament der Priesterweihe empfing. Bereits 1800 war Hanrath in das Prämonstratenserkloster Reichstein eingetreten, im Zuge der napoleonischen Besatzung des linksrheinischen Gebietes (1794 bis 1815) wurde im Rahmen der Säkularisierung 1803 auch dieses Kloster aufgelöst und das Vermögen durch den französischen Staat eingezogen. Aufgrund dessen war Hanrath im Anschluss hieran für kurze Zeit Primissar in Arsbeck und Saeffelen, bevor er 1804 in das gerade erst zur eigenen Pfarrei erhobene kleine Grenzörtchen Haaren kam, dessen zweiter Ortspfarrer er werden sollte.

Damit jedoch die notwendigen Mittel für die Unterhaltung des Pfarrers und eines Lehrers aufgebracht werden konnten, wurden mit der Pfarrerhebung die Ortschaften Haas und Haaserdriesch, die politisch wie kirchlich zu Kirchhoven gehörten, abgetrennt und der neuen Pfarrei Haaren zugeschlagen. Haaren bestand bis dahin lediglich aus den Ortschaften Alt-Haaren, Soperich, Driesch und ein paar kleinen Weilern.

Hanrath kannte Haaren sicher von Jugend auf und dürfte wohl vernommen haben, dass sein Vorgänger Peter Schmitz die Stelle schon nach wenigen Monaten wieder verlassen hatte. Den Kirchenbüchern zu Folge war Hanrath ab November 1804 Priester in Haaren mit damals ungefähr 700 Einwohnern. Aus der Pfarrerhebung ergab sich für Hanrath sogleich die Notwendigkeit eines Kirchenneubaus: Seit 1804 diente die St. Jans Klus als Pfarrkirche, war aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und Größe jedoch völlig ungeeignet. Außerdem fehlten die notwendigen Paramente zur würdigen Messgestaltung.

Neben den materiellen Problemen waren die Pfarrkinder auch nicht an einen regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes gewöhnt. Zudem waren die Einwohner des weitläufigen Pfarrbezirks so arm, dass die finanziellen Mittel für den Neubau der Kirche durch sie nicht aufgebracht werden konnten. Dennoch begann er ab 1816 mit dem Brennen von Steinen und der Anschaffung weiterer Baumaterialien für den Kirchbau. In den umliegenden Pfarreien Heinsberg, Kirchhoven, Waldfeucht und Braunsrath erbat er „finanzielle Belegsteine“ für den Haarener Kirchbau.

Zusätzlich steuerten er und seine Haushälterin Christina Florax, die zwischen 1791 und 1805 Ordensschwester in Köln war und im Zuge der Klosterauflösungen fliehen musste, ihre eigenen Ersparnisse zum Kirchbau bei. Diese finanzielle Vorarbeit machte es möglich, dass die Ortsbevölkerung nur die Hand- und Spanndienste sowie 500 Taler zum Kirchbau in den Jahren 1821 bis 1824 beisteuern musste.

Gerhard Tholen wusste zu berichten, dass die Geistlichen selber kräftig mit zupackten und Schwester Florax „kritisch die Fundamente und Mauern mit dem Saum ihrer Schürze“ maß. Die Bevölkerung nannte sie daher auch liebevoll „Messüer“. Die Kosten für das neuerbaute Pfarrhaus übernahmen die Geistlichen ganz.

Die neue Kirche war ein schlichter, einschiffiger Bau in klassizistischem Stil, für die Bevölkerung jedoch von unschätzbarem Wert. Aus Dankbarkeit vermachten die Pfarrangehörigen den Geistlichen die Alte Klus samt Rektoratswohnung, die nun nicht mehr genutzt wurden. Diese verkauften die Klus an den Grafen zu Well und ließen die Gelder hieraus wiederum in die Fertigstellung des Pastoralhauses fließen.

Eifrige Mitstreiterin

Es fehlte die Inneneinrichtung: Der Hochaltar wurde von Johannes Himmes gestiftet, der diesen wiederum bei der Auflösung des Heinsberger Frauenstiftes erwarb. 1835 erwarb die Pfarrei bereits ein erstes Harmonium. Durch den Kirchbau – 1913 und 1914 wurde er durch ein neugotisches Querschiff erweitert – in freiem Feld zwischen Soperich und Driesch entstand nach Fertigstellung der Kirche die neue Ortschaft Neu-Haaren, die Einwohnerzahl blieb jedoch relativ konstant.

Charakteristisch für die finanzielle Beschlagenheit in jenen Tagen ist die Beurteilung der Baulichkeiten 1825 durch eine preußische Kommission. „Hier gibt es einstweilig die schlechtesten baulosesten Häuser... Nur bei der ersten Klasse, welche aus dem neuen Pfarrhause besteht, ist alle mögliche Bequemlichkeit angebracht.“

Mehr als 40 Jahre wirkte Johann Gottfried Hanrath als Pfarrer in Haaren, bevor er am 7. Dezember 1846 starb. Seine eifrige Mitstreiterin Maria Christina Florax starb bereits 1843 im Alter von 79 Jahren; gemeinsam legten beide Geistlichen trotz immenser Probleme den Grundstock der heutigen Pfarrei.

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