Selfkant - Er soll‘s richten: Opposition setzt auf Youngster

Er soll‘s richten: Opposition setzt auf Youngster

Von: Rainer Herwartz
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Es dürfte ein Wettstreit der Generationen werden: Der 28-jährige Jan-Frederik Kremer fordert für die Oppositionsparteien Bürgermeister Herbert Corsten bei der Wahl in Selfkant heraus. Foto: S. Horn

Selfkant. Die Reihen haben sich gelichtet. So lange, bis am Ende nur noch ein Bewerber übrig blieb, doch jetzt ist er gefunden, der Kandidat der Ratsopposition aus SPD, Pro Selfkant, FDP und Bündnis 90/Die Grünen.

Vor einigen Wochen hatten die Selfkant-Parteien per Zeitungsinserat Ausschau gehalten nach einem geeigneten Kandidaten oder einer Kandidatin, die Amtsinhaber Herbert Corsten (CDU) bei den anstehenden Bürgermeisterwahlen am 13. September Paroli bieten könnte. Und jetzt scheint aus Sicht der eingesetzten Findungskommission der Richtige gefunden. Am Mittwochabend wurde er den Parteivertretern vorgestellt. Sein Name: Jan-Frederik Kremer.

Der überwiegende Teil der Bewerber stamme aus Regionen, die zwischen 80 und 100 Kilometer von Selfkant entfernt lägen, hatte SPD-Chef Josef Werny im März gegenüber unserer Zeitung erklärt. Jan-Frederik Kremer zählt auch dazu. „Gebürtig bin ich aus dem Ruhrgebiet, aus Essen-Werden, und arbeite derzeit als Leiter des Regionalbüros NRW der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach.“ Über verschiedene Kanäle sei er darauf angesprochen worden, „ob ich mir nicht denken könnte, den Hut in den Ring zu werfen“, sagt er. Er konnte nicht nur, er Tat es denn auch. Und das mit Erfolg.

„Ich glaube, dass die Gemeinde Selfkant über eine Menge ungenutztes Potenzial verfügt“, meint Kremer. „Zum Beispiel auf der Ebene der Verwaltung in Sachen Haushalt. Es muss auch deutlich werden, dass die Verwaltung ein Dienstleister für die Bürger ist und zudem Partner der Ratsvertreter. Hier scheint einiges im Argen zu liegen, zumindest was den Bürgermeister angeht.“

Fehlendes Selbstbewusstsein gehört definitiv nicht zu den Schwächen des 28-Jährigen, der das Parteibuch der Freien Demokraten in der Tasche trägt. In seiner jetzigen Funktion verbucht er nach eigenem Bekunden unter anderem eine „75-prozentige Steigerung des Outputs bei gleichbleibendem Budgetansatz und Personalschlüssel“ auf seinem Erfolgskonto, ebenso wie „Effektivitätssteigerung, Prozessoptimierung und Kostenreduktion mit Pilotcharakter bzw. exzellenter Evaluation.“

Auch berufliche Stationen wie die des Leiters der Forschungsgruppe „Economy and Finance“ sowie die eines wissenschaftlichen Mitarbeiters am Center for Global Studies der Universität Bonn verfehlten ihre Wirkung bei der Auswahlentscheidung der Selfkant-Politiker offenbar nicht. „Ich glaube nicht, dass man als Bürgermeister unbedingt Verwaltungsfachmann sein muss, andere Qualifikationen sind mindestens genauso wichtig“, sagt Kremer. „So hatte ich mit zahlreichen Projekten zu tun. Dabei muss man stets an den richtigen Stellschrauben drehen, ein offenes Ohr und den Mut zu Veränderungen haben.“ Er sehe sich da speziell in einer moderierenden und motivierenden Rolle. Doch auch der unbedingte Wille, etwas zu gestalten, gehöre zu seinen Persönlichkeitsmerkmalen, „damit die Gemeinde in fünf Jahren besser dasteht als jetzt“. Sein Credo lautet schlicht: „Schauen, was ist und machen, was geht“.

Ob ihm das stattliche Wahlergebnis des Amtsinhabers bei der letzten Kommunalwahl von über 85 Prozent Sorgen bereite? „Nein, wenn ich Sorgen hätte, würde ich mich nicht der Herausforderung stellen.“ Das Ergebnis motiviere vielmehr, die Ärmel hochzukrempeln.

Und wie bewertet er den Umstand, nach einer eventuell gewonnenen Wahl statt der zunächst in Aussicht gestellten B3-Besoldung nur A 16 zu erhalten, wie sich nach der Ausschreibung herausgestellt hatte? „Das war für mich nicht ausschlaggebend, mich auf die Ausschreibung zu bewerben. Es ist ja kein Leidensdruck da, dass ich mich auf die Stelle bewerben musste. Es ist für mich viel wichtiger, etwas bewegen zu können. Und das macht sich nicht an dem Finanziellen fest.“ Ihn habe besonders beeindruckt, dass in der Opposition „alle an einem Strang ziehen, um etwas zu verändern. Das ist in Nordrhein Westfalen durchaus selten. Ich bin schon nach den ersten Gesprächen mit einem sehr guten Gefühl nach Hause gefahren.“

Mit Frau und Kind habe er sich übrigens den Selfkant schon genauer angesehen, sagt Kremer. Er hätte nichts dagegen, hier seine neue Heimat zu finden.

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