Entsetzen in Heinsberg: Amt hebt Hundesteuer um bis zu 1000 Prozent

Von: defi
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Lene ist ein American Bulldog und eine echte Knutschkugel. Frauchen Bärbel Stangier möchte, dass für „Knutschkugeln” keine „Kampfhundesteuer” bezahlt werden muss. Foto: defi

Heinsberg. Bärbel Stangier, Silke Hohmann und Hubert Lennarz sind drei Hundeliebhaber, die über die neue Hundesteuer-Satzung der Stadt Heinsberg empört sind. Lene heißt die American Bulldog-Hündin von Bärbel Stangier. Bärbel Stangier ist Polizistin, und sie wohnt in Wassenberg.

Dort muss sie für ihren American Bulldog den „normalen” Hundesteuersatz zahlen; denn Wassenberg hat nur einen Steuersatz für alle Hunde, zurzeit 30,60 Euro.

Bea heißt die Rottweilerhündin, die seit zwölf Jahren bei Hubert Lennarz lebt. Der Dremmener zahlte bislang auch den „normalen” in Heinsberg üblichen Hundesteuersatz von 54 Euro pro Jahr. Anfang des Jahres flatterte ihm der neue Steuerbescheid für seine Rottweilerhündin ins Haus, zahlen sollte er nun für das Jahr 2011 eine Hundesteuer in Höhe von 552 Euro.

Liste von gefährlichen Hunden

Grund: Mit der vom Rat der Stadt Heinsberg verabschiedeten neuen Hundesteuer-Satzung steht sein Rottweiler nun auf der Liste der 14 „gefährlichen Hunde und Hunde bestimmter Rassen”, die mit der „Kampfhundesteuer”, wie sie der Volksmund nennt, belegt werden. Laut Landeshundegesetz NRW zählen Rottweiler, American Bulldog, Mastiff, Bull-Mastiff und Alano zwar schon seit einiger Zeit zu den „gefährlichen Hunden”.

Doch erst mit der Übernahme der sich auf das Landeshundegesetz beziehenden Hundesteuer-Mustersatzung des Städte- und Gemeindebundes NRW durch die Stadt Heinsberg zum 1. Januar 2011 wurde auch die Liste der „gefährlichen Hunde” in der aktuellen Fassung übernommen.

Den Haltern von Rottweilern und den vier anderen neu auf die Liste gesetzten Hunderassen beschert dies einen extremen Anstieg ihrer Hundesteuer - mehr als das Elffache als bisher wird nun fällig. Nicht nur das Geld schmerzt Hubert Lennarz, sondern wesentlich mehr schmerzt ihn die Tatsache, dass seine unbescholtene Hündin auf einmal „gefährlich” sein soll. „Bea ist das harmloseste Tier, dass man sich denken kann, ich sage immer”, so Hubert Lennarz, „Bea ist ein als Rottweiler verkleidetes Schaf.”

Sein Versuch, das Ordnungsamt der Stadt Heinsberg davon zu überzeugen, dass von seinem Rottweiler keine Gefahr ausgeht, schlug allerdings fehl. Weder die dem Ordnungsamt vorgelegte Begleithundeprüfung noch der bestandene Wesenstest, der zur Maulkorbbefreiung nach dem Landeshundegesetz vorgeschrieben ist, machten Eindruck. Stattdessen flatterte Lennarz die Rechtsmittelbelehrung der Stadt Heinsberg ins Haus.

Unterschriften gesammelt, Klagen angekündigt

Hubert Lennarz will gegen den Steuerbescheid der Stadt klagen. Auf die Straße gehen wollen zur Not Hundehalter und Tierfreunde, die sich inzwischen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, das sich über den Tierschutzverein des Kreises Heinsberg gefunden hat.

Silke Hohmann ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins, der auch das Tierheim in Kirchhoven ehrenamtlich betreibt. Sie sagt: „Wir haben inzwischen mehr als 500 Unterschriften von Tierfreunden gesammelt, die sich gegen die neue Hundesteuer-Satzung der Stadt Heinsberg aussprechen. Ich bin sicher, dass viele dieser Menschen bereit sind, für ihre Tiere auf die Straße zu gehen.”

Silke Hohmann und ihre Mitarbeiter im Tierheim hatten bereits mehrere Anfragen von Hundehaltern, die nicht wissen, wie sie die jährlich fällig werdenden 552 Euro bezahlen sollen. „Vier Hundehalter”, so Hohmann, „wollten ihre Tiere bereits bei uns abgeben. Wir können diese Hunde aber nicht aufnehmen. Hätten wir nur diese vier ins Tierheim genommen, würde dies das finanzielle Aus für das Tierheim bedeuten. Die Mehrkosten von 20.000 Euro im Jahr für allein diese Hunde hätten uns ruiniert.”

Wegen des Geldes ins Tierheim?

Bärbel Stangier engagiert sich ebenfalls für das Tierheim: „So viel Mühe sich die Mitarbeiter des Tierheims auch mit den Tieren geben, ein Hund ist doch am besten zu Hause aufgehoben. Es kann doch nicht sein, dass Hunde, die eigentlich in ihren Familien bleiben könnten, nur wegen des Geldes ins Tierheim müssen. Das würde nicht nur das Aus für das Tierheim bedeuten, auch die Hunde, die sich an ihre Familie gewöhnt haben, würden das nicht verkraften.”

Bärbel Stangier, Silke Hohmann und Bianka Mai, ebenfalls für das Tierheim engagiert, haben sich daher schriftlich an die im Rat der Stadt Heinsberg vertretenen Fraktionen gewandt, mit der Bitte die Härten der neuen Hundesteuer-Satzung zu mildern.

Folgendes möchten die Hundefreunde erreichen:

- Eine Stichtagregelung, die Hundehalter, die bereits vor dem 1. Januar 2011 einen Hund der fünf betroffenen Rassen hielten, von der Höherbesteuerung ausnimmt, um so auch zu verhindern, dass Hunde aus Geldmangel ins Tierheim müssen.

- Hundehalter, die nachweisen können, dass ihre Hunde keine Gefährdung für die Öffentlichkeit darstellen, sollen auch nur den normalen Steuersatz zahlen.

- Die Stadt Aachen etwa akzeptiert den so genannten Wesenstest bei als „gefährlich” eingestuften Rassen und reduziert die Hundesteuer dann von 720 auf dort übliche 120 Euro wie für einen „normalen” Hund.
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