Enka Tecnica geht in der Krise nicht die Düse

Von: Rainer Herwartz
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Jürgen Mahr bearbeitet die Spinndüsen über einen hochtechnisierten Arbeitsstand.

Heinsberg. Wenn der „verlorene Sohn” wieder heimkehrt, hat das im biblischen Sinne meist euphorischen Freudentaumel zur Folge. Ob dies bei Uwe Gaedike auch so war, als er die Stadt Heinsberg davon in Kenntnis setzte, mit Enka Tecnica unter Umständen wieder von Übach-Palenberg zurück in die Kreisstadt ziehen zu wollen, ist zwar nicht überliefert.

Doch fest steht, so berichtet der 46-jährige Manager zumindest, dass sich Bert Dohmen vom Amt für Wirtschaftsförderung mächtig und am Ende auch erfolgreich ins Zeug gelegt habe, um für den Spinndüsen-Hersteller ein geeignetes Gebäude zu finden. Erst vor rund drei Jahren war das Unternehmen aus dem Industriepark Oberbruch abgewandert und hatte sich bei der jetzigen Oerlikon-Schlafhorst in Übach-Palenberg eingemietet.

Beide Firmen gehörten damals zwar der Saurergruppe an, hatten aber sonst keine geschäftlichen Berührungspunkte. Heute ist Gaedike geschäftsführender Gesellschafter - neben der amerikanischen Fi-tech, Inc. aus Virginia.

„Im Jahr 2005 hat Enka Tecnica große Verluste gemacht”, erzählt der Berliner, der mit seiner Familie in Bonn lebt und aus der Automobilbranche als Firmenlenker ins Werk geholt worden war. „Da haben wir uns entschieden, uns bei der Düsenherstellung auf technische Textilien von der Windel bis zu diversen Hygieneartikeln, Filtern oder gar Teppichunterlagen zu konzentrieren.”

Bis 2005 waren es Garne für Kleidungsstücke, denen das Hauptaugenmerk des Unternehmens gehört hatte, doch die weltweite Entwicklung in dieser Branche verhieß für das Werk in Oberbruch keine guten Zukunftsaussichten. „Die Bekleidungsherstellungsindustrie hat sich in Asien konzentriert, deshalb wanderte auch die hierfür nötige Spinndüsenindustrie dorthin”, erläutert Gaedike.

Der Preisdruck sei einfach zu stark gewesen. „Eine Windel in China produziert, ist preislich kein Unterschied zu Europa. Sie werden dort hergestellt, wo sie verbraucht werden. In der Bekleidungsindustrie ist das anders.” Werde ein Hemd beispielsweise in Asien zusammengenäht, geschehe dies zu einem Bruchteil der Kosten, die hier dafür anfielen. Heute fertigt Enka Tecnica zu 80 Prozent Düsen für Textilien, die nicht einmal gewoben werden müssen. Selbst der Maleranzug gehört dazu.

Die Technik basiert dabei - vereinfacht ausgedrückt - auf sich selbst verschränkenden Fasern, die auf ein Laufband gesprüht und dort durch ein erzeugtes Vakuum festgehalten werden.

Die übrigen 20 Prozent der Düsen werden für Nischenprodukte vom Zigarettenfilter bis zur kugelsicheren Aramitschussweste benötigt. „Insgesamt”, so sagt der 46-Jährige, „sind 80 Prozent dessen, was hier heute hergestellt wird, früher bei Enka Tecnica nicht hergestellt worden.”

In Oberbruch Räume zu eng

Dass das Unternehmen 2007 den Standort Oberbruch verlassen musste, habe nur an der räumlichen Enge gelegen, sagt der Enka Tecnica-Chef. Die nun benötigten Spinndüsen von einer Länge bis zu sieben Metern hätten im Industriepark einfach nicht mehr angefertigt werden können.

Das sei in Übach-Palenberg zwar problemlos zu realisieren gewesen, doch hier stand Enka Tecnica jetzt die Kündigung ins Haus, weil Oerlikon-Schlafhorst selbst aus allen Nähten platzte und dringenden Raumbedarf anmeldete.

Jetzt schlug die Stunde des kühlen Strategen Gaedike, denn im Gegensatz zum mittlerweile neuen Eigentümer Oerlikon, war dieser von der Zukunft seiner Produkte überzeugt. „Wir haben das Unternehmen auf dem Tiefpunkt der Krise Mitte 2009 gekauft”, spricht er von seinem Coup im Schulterschluss mit den Amerikanern.

„Aber wir wissen, dass wir gut positioniert sind mit unseren Produkten, weil sie nachgefragt werden. Und das hat sich schon bewahrheitet.” 13 Millionen Euro Umsatz schlügen in diesem Jahr zu Buche, freut sich Gaedike. „Das bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber den letzten zwei Jahren und entspricht etwa dem Stand vor der Wirtschaftskrise.” 60 Prozent davon würden in Europa erwirtschaftet, jeweils 20 in Asien und Amerika.

1, 5 Millionen Euro investiert

Die 1,5 Millionen Euro, die Enka Tecnica in den Umzug von Übach-Palenberg nach Heinsberg investiert habe, seien gut angelegt, da ist sich Gaedike sicher. „Die große Masse unserer 45 Mitarbeiter am Standort kommt aus Heinsberg”, sagt er. Und das bedeute für diese weniger Kosten im Monat und weniger Zeitverlust.

Das Wohl der Mitarbeiter, zu denen auch die 80 Kollegen im ostdeutschen Mutterwerk in Gröbzig gehören, ist dem vierfachen Familienvater ohnehin sehr wichtig. „Das größte Kapital, das wir haben, sind unsere Mitarbeiter und ihr Know-how.” Nicht zuletzt aus diesem Grund sei das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter „deutlich verbessert worden, vom Büro bis zur Kantine”.

Dass dies alles so reibungslos geklappt habe, sei auch ein Verdienst des neuen Vermieters Ralf Conen. „Er war sehr kooperativ, was unsere Vorstellungen der nötigen Umgestaltung anging.” Heute wird im neuen Werk das Ende des Umzugs mit vielen Gästen gefeiert.
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