Heinsberg - Endlich geht es los: Individuelle Förderung der I-Dötzchen

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Endlich geht es los: Individuelle Förderung der I-Dötzchen

Von: Anna Petra Thomas
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Sonnenscheinschule
Biber, Hund, Glühwürmchen und Giraffe (von links) sind die vier neuen Klassentiere, die in der Heinsberger Sonnenscheinschule zusammen mit den neuen Klassenlehrerinnen und ihren Kollegen sehnsüchtig auf die neuen Erstklässler warten. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Nach sechs Wochen Sommerferien fängt am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen die Schule wieder an. Für knapp 190.000 Mädchen und Jungen beginnt mit ihrem ersten Schultag ein neuer Lebensabschnitt.

96 von ihnen werden ab jetzt die Sonnenscheinschule in der Heinsberger Innenstadt besuchen, allerdings erst ab Donnerstag. Dann werden sie zum ersten Mal ihre neue Tasche schultern, ihre Schultüte unter den Arm klemmen und sich aufmachen zum „Ernst des Lebens”, wie es so schön heißt.

Seit Beginn der Woche schon bereiten sich ihre Lehrer im Team auf den ersten großen Tag mit ihren kleinen Schützlingen vor. Sogar liebevoll gebastelte Schultüten aus Papier schmücken die Glasfronten der Sonnenscheinschule, um den Neulingen einen fröhlichen Empfang zu bereiten. In vier Klassen werden sie aufgeteilt, als da wären: die Biber-, die Giraffen-, die Glühwürmchen- und die Hundeklasse - jede natürlich mit ihrer eigenen Klassenlehrerin.

Darüber hinaus werden sich an der Schule im kommenden Jahr aber noch weitere vier Fachkräfte für die neuen Kids ganz besonders engagieren. Neben einer Praktikantin und einer Referendarin sind das eine Sozialpädagogin, die für die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf da ist und ganz neu und erstmals in einer Heinsberger Grundschule mit Pawel Kemper eine sozialpädagogische Fachkraft speziell für die sogenannte Schuleingangsphase.

Nach dreijähriger Tätigkeit im Kreis Aachen wechselt er jetzt nach Heinsberg. „Hier ist genug zu tun”, schmunzelt ihm Schulleiter Thomas Heinrichs zu. „Ich werde mit den Kindern so viel Zeit wie möglich verbringen”, erklärt der neue Kollege im Team. Zuständig sieht er sich vor allem dafür, dass die „I-Dötzchen” sich wohlfühlen und keine Schwierigkeiten haben, mit anderen Kindern Kontakte zu knüpfen.

Dabei wird er sowohl im Unterricht mit den Kindern zusammen sein als sie auch in einem eigenen Raum in kleinen Gruppen betreuen können. Über die Sozialisation an sich geht es bei Kempers Arbeit aber auch um Motorik, Sprache und um Wahrnehmung ganz allgemein. Wenn ein Kind noch keinen Stift halten könne, werde sich der neue Kollege darum genauso kümmern wie um ein Kind, dass noch nicht alle Farben unterscheiden oder etwa heimische Haustiere benennen könne, so Heinrichs.

Man habe alle Kinder im Oktober und November schon einmal gesehen und jedes einzelne im Kindergarten besucht, berichtet der Schulleiter von den Vorbereitungen für die Schulneulinge. Im Dezember hätten dann alle Eltern individuelle Empfehlungen erhalten für einen problemlosen Schulstart ihres Kindes. Vorgeschlagen wurden ihnen etwa Übungen im Bereich der Motorik wie Malen oder Balancieren, im Bereich Aussprache oder in Konzentration und Merkfähigkeit.

Dass es jedoch nicht so sein wird, dass am ersten Tag alle Neulinge von der gleichen Startposition aus in den Schulalltag starten, ist im Heinsberger Kollegium allen klar. Durch die größer werdende Altersdifferenz der Erstklässler, von denen einige schon im Alter von fünf Jahren eingeschult würden und andere schon fast zwei Jahre älter seien, verbreitere sich das Spektrum der mitgebrachten Fähigkeiten immer weiter. So gebe es tatsächlich Schüler, die noch keinen Stift halten könnten bis hin zu solchen, die bereits perfekt lesen könnten.

Ziel der Sonnenscheinschule ist es, jedes Kind genau da abzuholen, wo es gerade steht, es nicht zu über-, aber auch nicht zu unterfordern. Viel mehr Material werde dazu benötigt, weniger Frontalunterricht als offenes Arbeiten, gekoppelt mit einer kontinuierlichen Überprüfung der Förderung jedes einzelnen Kindes, resümiert das Team für die Erstklässler. Mehr noch als alle Buchstaben zu kennen oder die Zahlen bis zu einer Million sei es dabei ganz am Anfang für die Kinder wichtig, einfach nur an einer Sache dranbleiben zu können, „und nicht wie im Computer oder Fernsehen einfach das wegzuzappen, was ihnen nicht gefällt”, so Kemper.

Wichtig sei vor allem zu kommunizieren, zu teilen, Rücksicht auf andere zu nehmen, ja einfach abwarten zu können. „Für viele Kinder vergeht eine ganze Weile, bis sie überhaupt merken, dass sie nicht mehr im Kindergarten, sondern in der Schule sind.”

Der Rat für die Eltern: die Kinder einfach nur positiv zu begleiten, ihnen etwas zutrauen und den Pädagogen vertrauen. „Und ihnen nicht zu komplexe Fragen stellen”, so der Tipp von Kemper. „Fragen Sie ihr Kind nicht: Was hast du gemacht? Das ist viel zu komplex. Fragen Sie besser: Hast du heute ein Bild gemalt? Wie heißt deine Lehrerin? Wer sitzt neben dir?”
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