Hückelhoven-Kleingladbach - Elisabeth II. beugt sich und schickt ein Foto

Elisabeth II. beugt sich und schickt ein Foto

Von: Helmut Wichlatz
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In Kleingladbach feiern am Montag Meude und Herbert Jagusch im Familienkreis Diamantene Hochzeit. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Kleingladbach. Herbert Jagusch war zeitlebens ein streitbarer Mensch. In seiner Jugend hatte er sich schon ausgiebig mit den damaligen braunen Machthabern angelegt, was ihm einigen Ärger einbrachte.

Zum Beispiel, als er Anfang der 40er Jahre einen abgeschossenen englischen Piloten vor dem Zugriff der Nazis zu verstecken versuchte und Zwangsarbeiter eines Lagers der Zeche Sophia-Jacoba heimlich mit Nahrungsmitteln versorgte.

Auch als Kriegsgefangener hielt er sich später nicht unbedingt an die geltenden Regeln, die eine Fraternisierung mit dem besiegten Feind verboten. Und so heiratete er 1948 in Wales trotz des Verbotes seine Maud.

Die beiden sind seitdem ein unzertrennliches Paar. Sie gründeten eine Familie in Wales, wo auch die ersten beiden Kinder zur Welt kamen. Anfang der 50er Jahre zog das Paar aus England wieder nach Hückelhoven, wo Herbert seine Jugend verbracht hatte.

Er fand Arbeit als Sprengmeister auf der Zeche und wurde 1963 durch einen schweren Unfall als Bergmann berufsunfähig. Trotzdem blieb er dem Bergbau immer verbunden. Heute lebt das Ehepaar in Kleingladbach, wo sich in seiner Wohnung Erinnerungen an den Bergbau und klare Bekenntnisse zu Mauds britischer Herkunft auf engem Raum die Hand geben.

Wer die beiden besucht, glaubt sich in einem Bergbaumuseum oder einem englischen Souvenirladen. Nun gibt es in England den Brauch, dass Ehepaare zur diamantenen Hochzeit einen persönlichen Gruß der Königin bekommen.

Für die Queen war Maud jedoch nicht mehr britische Staatsbürgerin, da sie ja schon seit über einem halben Jahrhundert in Deutschland lebt und auch den deutschen Pass ihr Eigen nennt. Von daher sah man sich seitens des Königshauses nicht gemüßigt, dem Jubelpaar die Anerkennung zukommen zu lassen, die ansonsten alle Briten bekommen, die es so lange mit ihren Ehepartnern aushalten.

Nun kannte die Queen bis dahin nicht den Dickkopf, den das Ehepaar Jagusch an den Tag legen kann, wenn es darauf ankommt.

Nachdem sie auf ein Schreiben Herberts ebenfalls ablehnend reagiert hatte, schritten Herbert und Maud zur Tat und mobilisierten die britische Öffentlichkeit.

Und da hatte die Queen ihre an sich ja korrekte Rechnung ohne ihre oftmals sehr eigenwilligen Untertanen gemacht. Denn das Thema lockte während des Besuchs der Jaguschs in Mauds walisischer Heimat so viele Reporter an, dass die Zeitungen landauf, landab bald voll waren mit der Geschichte des Paares.

Grund für die Reise war im Sommer eine Einladung der Kirche, in der das Paar im August 1948 getraut worden war. Und so kam die königliche Hoheit angesichts des öffentlichen Interesses und der einhelligen Empörung ihrer Landeskinder letztendlich nicht um eine Anerkennung und eine offizielle Grußbotschaft an die beiden rüstigen Eheleute herum.

Das Foto der Monarchin und das dazugehörende Anschreiben hängen natürlich heute gerahmt an einem Ehrenplatz im Wohnzimmer der Jaguschs.

Denn trotz des königlichen Ausrutschers ist Maud weiterhin bekennende Monarchistin und würde nie ein böses Wort auf ihre Königin kommen lassen. In solchen Fällen reagiert sie nämlich auch weiterhin „not amused”.
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