Heinsberg - Elektronikhändler glauben Zahlen nicht

Elektronikhändler glauben Zahlen nicht

Von: Rainer Herwartz
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Die Vorstellung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes der BBE Handelsberatung führte nicht nur bei den Geschäftsleuten in Heinsberg zu angeregten Diskussionen. Foto: gk

Heinsberg. Mit Spannung war er erwartet worden, der Entwurf eines Einzelhandels- und Zentrenkonzepts, den die Stadt Heinsberg vor rund einem Jahr bei der BBE Handelsberatung Köln in Auftrag gegeben hatte.

Am Ende der Präsentation durch Projektleiterin Corinna Küpper bei der Vollversammlung des Gewerbe- und Verkehrsvereins reichte die Palette der Reaktionen in der Begegnungsstätte von ablehnendem Kopfschütteln über die Erkenntnis, nichts wesentlich Neues erfahren zu haben, bis hin zu überraschtem Staunen.

Insgesamt 356 Einzelhandelsbetriebe seien in der Stadt Heinsberg erfasst worden, erläuterte Küpper. 62 Betriebe hatten sich schließlich auch bereiterklärt, an einer Kundenwohnorterhebung mitzuwirken. Zudem hatte es im Juni letzten Jahres eine telefonische Haushaltsbefragung bei 500 Bürgern gegeben.

Neben den Heinsbergern selbst, hatte sich herausgestellt, dass vor allem die Bürger aus Selfkant, Waldfeucht, Gangelt und Wassenberg den Kernbereich der Kunden in der Kreisstadt bilden - mit insgesamt 87 Prozent. Grundsätzlich fließe mehr Kaufkraft aus dem Umland in die Stadt ein als umgekehrt. Was seine Verkaufsflächen angehe, stehe Heinsberg mit 2,1 Quadratmetern pro Bürger im Bundesvergleich (1,5m²) recht gut da, meinte Küpper. Allein in der Innenstadt böten die 173 Betriebe auf zusammen etwa 22.000 Quadratmetern ihre Ware an. Doch genau diese gelte es in Heinsberg zu optimieren, was sich vor allem aus der ermittelten Einkaufsorientierung der Heinsberger Bürger ableiten ließ.

Während im Lebensmittelbereich als klassischer Versorgungssparte des täglichen Lebens die Bürger zu 83 Prozent in Heinsberg einkauften, was wenig überrasche, zeigte sich schon bei der Oberbekleidung mit 54 Prozent ein deutlicher Unterschied. Hier schlagen als Konkurrenz vor allem Mönchengladbach, Hückelhoven und Aachen mit ihrem Warenangebot zu Buche. Noch - denn Küpper räumte ein, dass sich die Entwicklung durch die Ansiedlung von H&M und den Herrenmoden-Spezialisten Stamm sicher zukünftig verschieben werde. Ohnehin habe sich gezeigt, dass die Heinsberger Innenstadt hinsichtlich Angebot und Einkaufsatmosphäre eine große Akzeptanz bei den Bürgern der Stadt habe. „Die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt hat zur Aufenthaltsqualität beigetragen.”

Satte 47 Prozent

Eine Aussicht auf „Besserung” ließ sich für die studierte Diplom-Volkswirtin im Bereich der Unterhaltungselektronik derzeit jedoch nicht ausmachen. Satte 47 Prozent der Einkäufe von Heinsberger Bürgern gehen demnach im benachbarten Hückelhoven über den Ladentisch. Der dortige MediaMarkt übe eine hohe Anziehungskraft aus. Nur 27 Prozent des möglichen Gewinns fließen demnach, so lässt sich aus der Befragung der Bürger schlussfolgern, in Heinsberger Kassen.

Bei der Präsentation anwesende Elektronikhändler legten an dieser Stelle später ihr Veto ein. Nicht nur die von BBE errechnete Quadratmeterzahl der augenblicklich vorhandenen Verkaufsfläche sahen sie als zu gering an. Überdies erinnerten sie auch an in der Stadt gescheiterte Mitbewerber mit großflächigem Warenangebot von bis zu 600 Quadratmetern. Der Bedarf in dieser Größenordnung sei einfach nicht vorhanden, meinten sie.

„Im Bereich des Bau- und Handwerkerbedarfs wird Heinsberg von rund der Hälfte der Befragten(51) als wichtigster Einkaufsort genannt, gefolgt von der Stadt Hückelhoven, die unter anderem mit dem Praktiker-Baumarkt circa 29 Prozent der Nennungen auf sich zieht.” Insgesamt sei für Heinsberg in diesem Segment ein „relativ hoher Kundenabfluss” abzulesen. Wohnmöbel hingegen kauften die Heinsberger vorwiegend in Heinsberg (27) und Aachen (18). Mönchengladbach und die Niederlande spielten hier nur eine untergeordnete Rolle.

Bürgermeister Wolfgang Dieder hatte schon zu Beginn des Abends unterstrichen, dass es sich bei dem vorgestellten Konzept nur um einen Entwurf handele: „Ich betone ausdrücklich, dass alle Heinsberger, insbesondere natürlich die Unternehmen, aufgerufen sind, sich an einer öffentlichen Diskussion über den Entwurf zu beteiligen.” Aus diesem Grund werde dieser in den nächsten Tagen auf der Internetseite der Stadt für eine öffentliche Diskussion bereitgestellt.
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