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Einstellungen gegenüber Behinderten verändern

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Liesel Machat (4.v.r.) und Agi
Liesel Machat (4.v.r.) und Agi Palm (r.) und Robert Roßmüller (2.v.r) überreichen die ersten Sozialführerscheine an die Schüler der Selfkantschule. Foto: Lebenshilfe

Kreis Heinsberg. „Ich war aufgeregt, als ich zum ersten Mal die Wohnstätte der Lebenshilfe Heinsberg in Höngen betrat”, erinnert sich der 15-jährige Tristan Stahnke an sein erstes Schulpraktikum in einer sozialen Einrichtung.

„Aber gleich beim Kaffee auf der Terrasse kamen wir mit den Bewohnern des Hauses ins Gespräch. Da fühlte ich mich herzlich aufgenommen!”

Neun Schülerinnen und Schüler haben im Rahmen des KURS-Projektes (Kooperation Unternehmen der Region und Schulen) im Regierungsbezirk Köln theoretische und praktische Einblicke erhalten in die Arbeit der Lebenshilfe Heinsberg.

„In einer theoretischen Unterrichtseinheit haben sich die Schüler mit dem Thema Behinderung von der geschichtlichen Entwicklung bis zu den heute inklusiven Fördermöglichkeiten für Menschen mit Behinderung auseinander gesetzt” erklärt Agi Palm, stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe Heinsberg.

Sie hat das Projekt inhaltlich konzipiert und umgesetzt. Mit ihrer fundierten theoretischen Einführung möchte Agi Palm nicht nur die Berufsmöglichkeiten in der Behindertenhilfe präsentieren, sondern vor allem den Jugendlichen Einblicke bieten in die Lebenswelten von Menschen mit Behinderung aus unserer Region: „Mit unserem Projekt, das aus dem Kooperationsvertrag der Lebenshilfe mit der Selfkantschule Höngen entstand, wollen wir Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung verändern und Vorurteile abbauen.

Einige Schüler hatten vor dem Antritt ihres Praktikums Bedenken, was sie in einer Behinderteneinrichtung erwarten wird. Die Möglichkeit, Menschen mit Behinderung kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen reicht aber schon aus, um die Einstellung der jungen Menschen zu ändern. Der Sozialführerschein ist deshalb ein niederschwelliges Angebot, das wir intensiv begleiten, damit die jungen Schüler nicht überfordert werden.”

Neben der theoretischen Einführung haben die Schüler dann einen Tag in einer Wohneinrichtung hospitiert. Die ersten Schüler, die jetzt stolz ihr Zertifikat in der Hand halten, sind um viele Erfahrungen reicher und haben genauere Vorstellungen zum Beispiel von der Arbeit eines Heilerziehungspflegers: „Man begleitet Menschen, die eine Behinderung haben, man assistiert und unterstützt sie im Alltag. Der eine braucht mehr, der andere weniger Assistenz”, erklärt die 15-jährige Verena Krenzke, die bereits vor dem Sozialführerschein drei Wochen in der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Heinsberg mit gearbeitet hat.

„Junge Leute müssen frühzeitig in berufliche Praxisfelder einblicken können, um sich mit ihren Interessen auseinander zu setzen und berufliche Perspektiven entwickeln zu können”, fordert Liesel Machat, Sozialdezernentin des Kreises Heinsberg und lobt als Schirmherrin des Initiativprojektes Sozialführerschein die enge Zusammenarbeit der Selfkantschule Höngen mit der Lebenshilfe Heinsberg. „Auch wenn nach diesem Praktikum feststeht, dass man sich nicht vorstellen kann, einmal in diesem Berufsfeld zu arbeiten, hat sich der Einsatz gelohnt, eben weil man nur durch diese Erfahrungen konkrete Berufsvorstellungen entwickeln kann!”

Mit einem klaren „das ist nichts für mich” resümierte auch eine Schülerin ihr Praktikum in der Lebenshilfe. Sie könne sich nicht vorstellen, mit Menschen zu arbeiten.

„Egal für welchen Beruf man sich später entscheidet, heute sind Belege und Nachweise über gesammelte Erfahrungen durch Praktika oder freiwilligem Engagement wichtiger denn je”, betont Robert Roßmüller, Leiter der Selfkantschule. „Das Zeugnis bietet nur allgemeine Aussagen über die Leistungen eines Schülers, aber ein Dokument wie der Sozialführerschein könnte für den potentiellen Arbeitgeber später einmal ausschlaggebend werden.”

Nach dem ersten erfolgreichen Projektabschluss öffnet die Lebenshilfe Heinsberg das Angebot des Sozialführerscheins auch für andere Schulen im Kreis, die ihren Schülern der neunten und zehnten Klasse Einblicke in die Behindertenarbeit im Kreis Heinsberg bieten wollen.

Informationen und weitere Auskunft bietet Agi Palm unter palm@lebenshilfe-heinsberg.de oder unter Telefon 02452/969700.
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