Einsatz für die Handwerker: Was in den Ferien in der Schule passiert

Von: Verena Müller
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Die Hausmeister Rudolf Jütten
Die Hausmeister Rudolf Jütten (l.) und Dieter Barten beim Umräumen einer Schulklasse. Auch in den Ferien fallen jede Menge Arbeiten an - und Schüler sind auch öfter auf dem Gelände als man denkt. Foto: V. Müller

Wassenberg. Auf dem Schulhof in Orsbeck ist etwas Ruhe eingekehrt - vergleichsweise jedenfalls. Die Kinder, die an den Ferienspielen der ersten drei Sommerferienwochen teilnehmen und eben noch unter dem Vordach tobten, werden gerade mit einem Bus zum Aquazoo in Düsseldorf gefahren. Nur das Hämmern der Handwerker ist jetzt noch aus dem Schulgebäude zu hören.

Die sanitären Anlagen werden erneuert, später soll noch der Maler kommen.

Rudolf Jütten und Dieter Barten, zwei der fünf Hausmeister der Wassenberger Schulen, gehen in einen der Klassenräume im Erdgeschoss. Die erste und die zweite Klasse ziehen um, nach den Ferien sollen hier Viertklässler sitzen, also muss das Mobiliar ausgetauscht werden. Weil die Grundreinigung ansteht, stellen Jütten und Barten die Zweiertische erst mal auf den Flur. Grauer PVC-Boden, gelbe Wände, ein paar Regale - ziemlich kahl sieht es jetzt aus.

Ab Montag hat Jütten das Ganze, die anderen Hausmeister haben turnusgemäß frei. Vier Grundschulen, die zwei Turnhallen an der Betty-Reis-Gesamtschule, Begegnungsstätte, Jugendcafé und das Sportlerheim am Wingertsberg muss Jütten täglich abfahren, kontrollieren, ob alles in Ordnung ist, schauen, ob geputzt ist und dass die Handwerker ihre Arbeit machen können.

Am Samstagmorgen hat Jütten um 7 Uhr angefangen, an „seiner” Grundschule in Myhl. So macht er das immer. Als er gerade den Müll rausgebracht hatte, rückte schon der Baubetriebshof der Stadt an. Mit einem Bagger wird ein Beet ausgehoben, hier soll ein Sandkasten hin, daneben neue Spielgeräte. Jütten hält sich nicht bei den Kollegen auf, sondern marschiert strammen Schrittes seine Route ab: Der untere Teil der Glastür im Eingang ist gesprungen, Jüttens Blick bleibt beim Aufschließen kurz daran hängen. „Das war ein Stein. Wie Kinder eben so sind”, sagt er nur, zuckt mit den Achseln und lächelt. Über so etwas regt er sich schon lange nicht mehr auf und Ersatz ist schon bestellt.

Der Schlüssel klappert in Jüttens rechter Hand, während er in kurzärmeligem karierten Hemd, Fleeceweste, Jeans und weißen Socken in Trekkingsandalen durch die Flure geht. Er kennt die Macken jeder Tür: hier mal drücken, dort mal leicht anheben.

Die Tomaten im Gewächshaus der Garten AG haben noch genug Wasser. Damit die Kinder die Resultate ihrer Gartenarbeit auch in angemessenem Rahmen verkaufen können, hat er ihnen aus einer ausrangierten Bühne eine Bude gebaut. Auch Bänke, Türen und Schränke baut er. „Das macht man eben, wenn man sich mit seiner Schule identifiziert”, sagt er.

Jetzt kommt der spannendste Teil, der Heizungskeller. Der Deckel der Wasseruhr ist schon hochgeklappt: „Sehr beruhigend. Da tut sich gar nichts”, sagt Jütten. Würde sie sich drehen, gebe es irgendwo ein Leck - oder sogar einen Wasserrohrbruch. Das kann Jütten heute nicht brauchen.

Seit 21 Jahren ist der 53-jährige, vierfache Familienvater im Dienst, anfangs wollte er den Job gar nicht, wegen des Lärms. Er hatte sich beim Bauhof als Schreiner beworben, dann starb plötzlich der Hausmeister an der Myhler Grundschule, so kam Jütten ins Spiel.

Türe aufschließen, Türe hinter sich zuschließen, durch die Gänge, durch die Umkleiden und Duschen, lauschen: Tropft da was? Nein. Weiter. Im Regieraum der Turnhalle der Betty-Reis-Gesamtschule schaut er kurz ins Protokollbuch: „Sonntag war noch eine Gruppe hier”, stellt er fest. Dafür brauchen die Vereine eine Sondergenehmigung. Die Turnhallen sollen in den Ferien nicht benutzt werden.

Um Energie zu sparen. Sicherungskasten auf, Schalter umlegen, dann kurz warten: Es dauert etwas, bis die Gaslampen angehen. Der Boden knarrt unter Jüttens Füßen. Keine Pfützen trotz Starkregen. Das Fenster in der Damenumkleide musste schon sechs-, siebenmal erneuert werden, immer wieder war es mit Steinen zertrümmert worden. Jütten hält kurz die Luft an, als er in den Raum blickt: „Ganz”, sagt er erleichtert. Vandalismus mache ihm am meisten Arbeit.

In der Wassenberger Gemeinschaftsgrundschule trifft er auf die Sekretärin Andrea Feemers, sie hat nicht die ganzen Ferien frei. Kurze Begrüßung, „Nimmst du noch die Briefe mit?”. „Zur Verwaltung? Klar”, das macht Jütten, liegt ja eh auf dem Weg. Das Handy klingelt, „Olaf!”, sagt Jütten. Der Maler wartet in Myhl auf Instruktionen. So geht es in einem fort.

Gegen 16 Uhr hat Jütten Feierabend. Wie viele Kilometer er am Tag gelaufen ist, weiß er nicht. Wenn er Pech hat, kommen noch ein paar hinzu, schließlich ist er abends noch mit der Bereitschaft dran.
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