Eine gute, eine schlechte Nachricht für die Imker im Kreis Heinsberg

Von: anna
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Dr. Klaus Wallner von der Universität Hohenheim in Stuttgart sprach in der Oberbrucher Festhalle zum Thema „Bienengesundheit“. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Mit einer guten und einer schlechten Nachricht wartete Leo Besta, Obmann für Bienengesundheit im Kreisimkerverband Heinsberg, zu Beginn einer Informationsveranstaltung in der Oberbrucher Festhalle auf. Der Kreisimkerverband hatte dazu alle am Thema Bienengesundheit interessierten Bürger eingeladen.

Die gute Nachricht war, dass der Sperrbezirk, der nach dem Auftreten der sogenannten Amerikanischen Faulbrut im Bereich Heinsberg-Oberbruch und Wassenberg eingerichtet worden war, inzwischen wieder aufgehoben werden konnte. Dafür habe das Veterinäramt aber inzwischen einen neuen Sperrbezirk in Wegberg einrichten müssen, weil dort ein Bienenstand von der Erkrankung betroffen sei, so Besta.

Ausgelöst wird die beim zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt anzeigepflichtige Tierseuche durch das Sporen bildende Bakterium Paenibacillus larvae larvae. Ammenbienen füttern die Larven mit den Sporen dieses Bakteriums und stecken sie so an. Das Futter haben sie zuvor in einem betroffenen Stand geraubt.

Die Amerikanische Faulbrut stelle jedoch keinerlei Gefährdung für die erwachsene Biene, den Menschen oder andere Lebewesen dar, so die Bienenexperten. Auch auf die Qualität des Honigs habe die Erkrankung keine Auswirkungen. Da die Gefahr der Verbreitung der Bienenseuche jedoch auch von leerstehenden Bienenwohnungen ausgeht, bittet das Veterinäramt des Kreises darum, ihm diese zu melden.

Die Bedeutung von Bienenwachs

Referent der Veranstaltung war Dr. Klaus Wallner, als wissenschaftlicher Mitarbeiter Leiter des Rückstandslabors in der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim in Stuttgart. Er ging zunächst auf die Bedeutung von Bienenwachs ein. Es sei Lager für Honig, Wiege oder Sitzplatz für die Bienen, zugleich aber auch eine Brutstätte für Parasiten und Speicher für Krankheitskeime oder andere Wirkstoffe, erklärte er.

Zusammen mit seinen Studenten hat Wallner die Transportwege von Spritzmitteln auf Raps und dazu die Honigblase von Bienen untersucht. Die Aufnahme von Spritzmitteln im Wachs sei abhängig von der Art des Mittels und von der Witterung, erklärte er. „Jedes Mittel hat seine eigene Dynamik.“ Das Wachs setze sich jedoch selbst immer zugunsten der Honigqualität ein. Was das Wachs anreichere und aufnehme, bleibe dabei für das menschliche Auge immer unsichtbar. „Das muss man wissen“, sagte der Referent.

Eine wichtige Position nehme in diesem Zusammenhang natürlich der Imker ein. Es habe Zeiten gegeben, da sei mit Wirkstoffen umgegangen worden, ohne diese zu hinterfragen. Diese Zeiten seien vorbei, und was die Sensibilität bei dieser Thematik betreffe, habe Deutschland die Nase vor. „Weil wir sehr wenig tun“, ergänzte Wallner. In den USA dagegen würden in vielen Völkern Antibiotika eingesetzt. „Medikamente führen immer zu Rückständen“, betonte er.

Im Wachs gespeicherte Rückstände von Behandlungsmitteln könnten ins Futter der Larven abgegeben und so die Brut geschädigt werden. Das immer wieder angesprochene Wachsrecycling sei von der Natur nicht vorgesehen. „Verlässt ein Volk seine Bruthöhle, kommt die Wachsmotte und vernichtet das Wachs“, erklärte Wallner.

Bienenwachs sei ein ideales Konservierungsmittel für alle lipophilen, also in Fett oder in Öl löslichen Verbindungen. Bei Wachsbelastungen mit Rückständen unter 0,5 Milligramm pro Kilogramm bestehe jedoch keine Gefahr, dass Schadstoffe in messbarer Menge in den Honig gelangen könnten.

Regelmäßige Wachserneuerung

Eine regelmäßige Wachserneuerung sei also unerlässlich, so das Fazit von Wallner. Dazu sollte vorrangig Erstlingswachs aus Zell­deckeln und Drohnenrähmchen verwendet werden. Das Wachs aus Alträhmchen könne dann für die Herstellung von Kerzen oder als Industriewachs eingesetzt werden. Ein weiteres Problem sei die Verfälschung des Wachses mit Stearin, Parafin oder anderen Ölen und Fetten. Daher forderte Wallner eine eindeutige Kennzeichnung von Bienenwachs.

Was das Verhältnis der Landwirtschaft zur Imkerei betreffe, böten heutige Agrarflächen kaum noch Nahrungsquellen für die Bienen. Einzige Ausnahme sei der Raps im Frühjahr. Dessen massiver Anbau fördere jedoch die Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten, was immer intensivere Behandlungsmethoden, auch während der Blühphase, erforderlich mache.

Es gebe zwar Spritzmittel, die für Insekten „schonend“ seien. In Kombination mit anderen Spritzmitteln würden sie jedoch ihre Schonfunktion verlieren. Ferner würden andere Applikationsverfahren gebraucht, um die Insekten zu schützen.

Gerne stand Wallner seinen Zuhörern nach seinem Vortrag noch für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

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