Eine Freiwillige Feuerwehr für die Griechen

Von: Helmut Wichlatz
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Ganz realistisch und sehr mit
Ganz realistisch und sehr mit der Wirklichkeit vor Ort verbunden war die Übung, die Ralf Grzelka auf der griechischen Insel mit dort bereits geschulten ehrenamtlichen Helfern durchführte.

Kreis Heinsberg/Karpathos. Ralf Grzelka hat eine Mission: die erste freiwillige Feuerwehr auf einer griechischen Mittelmeerinsel. Genauer: auf der Insel Karpathos. Dafür hat er sich in den letzten Monaten schwer ins Zeug gelegt und einiges bewegt.

Angefangen hatte alles im vorigen November mit einem ausrangierten Rettungstransportwagen (RTW), den Grzelka wieder auf Vordermann und dann auf die Insel brachte, um das dortige Medical Center und die personell unterbesetzte Berufsfeuerwehr zu unterstützen.

In diesem Zuge brachte er auch gleich die europaweit geltende Notrufnummer 112 und die ersten Freiwilligen für den ehrenamtlichen Dienst bei der Feuerwehr und die in der Inselgeschichte ersten Rettungssanitäter auf den Weg.

Da die Insel mit 300 Quadratkilometern halb so groß ist wie der Kreis Heinsberg, besteht auch ein großer Bedarf an Helfern, die vor Ort in Aktion treten müssen, wenn Not am Mann ist. Dem Ziel der Aktion, nämlich die Eigeninitiative der Inselbevölkerung zu wecken und eine freiwillige Feuerwehr sowie Rettungssanitäter nach deutschem Vorbild aufzubauen, kam man nun noch näher.

Denn Mitte Mai machte sich Grzelka erneut mit Rettungsassistenten und Feuerwehrausbildern auf den Weg nach Karpathos, um Trainingseinheiten mit den Freiwilligen abzuhalten, die seit Februar bereits für ihren ehrenamtlichen Einsatz geschult werden. Die Ausbildung der Sanis findet im Medical-Center der Insel statt, einem Ableger des Krankenhauses der Nachbarinsel Rhodos.

Unter den mehr als 40 Freiwilligen ist auch eine Deutsche. Sandra Roentgen stammt aus Übach-Palenberg und lebt auf Karpathos, seit sie mit einem Griechen verheiratet ist.

Die Abschlussübung, die sich Grzelka und seine Mitstreiter ausgedacht hatten, hatte es in sich: Ein simulierter Unfall mit mehreren Fahrzeugen und reichlich Kunstblut sorgte für ein realistisches Szenario, bei dem jeder einmal an der Reihe war. Unterstützt wurde er von den Rettungsdienstlern Christian Lambertz, Michael Holten und Stefan sowie den beiden Feuerwehrleuten Werner Heinen und Holger Kokatis.

„Die Leute haben sich bei der patientenorientierten Rettung richtig ins Zeug gelegt und gezeigt, was sie zuvor gelernt hatten”, bestätigte Lambertz, der sich als Feuerwehrmann und Rettungsassistent mit dem Thema auskennt. Das Zusammenspiel der deutschen und griechischen Rettungskräfte funktionierte reibungslos, wie auch die örtlichen hauptamtlichen Feuerwehrleute feststellen konnten, die sich an dem Ausbildungsseminar beteiligten.

Doch mit der Ausbildung ist es noch nicht getan. Vielmehr bildet sich nun auf Karpathos ein Verein, der die Arbeit der freiwilligen Helfer vor Ort koordiniert und das Spendengeld verwaltet, das bisher eingegangen ist. Denn viele Inselbewohner, die in die USA, nach Australien oder Kanada ausgewandert sind, haben ihrerseits für die Heimat gespendet, um notwendige Ausrüstung und Gerätschaften anzuschaffen.

Nun soll in jedem Ort auf Karpathos auch eine Einsatzgruppe ins Leben gerufen werden. Es liegt also noch viel Arbeit vor dem „verrückten Deutschen” und seinen griechischen Helfern. Das nächste Training auf Karpathos ist für Oktober geplant.

Zwischenzeitlich haben sich auch schon zwei Sanitäter aus dem niederländischen Tilburg gemeldet, die das Training vor Ort auf der Insel unterstützen wollen. „Aus der Anfangsidee mit dem Rettungswagen hat sich eine Menge entwickelt”, sagt Grzelka. „Das hätte ich so nicht vermutet, es freut mich aber umso mehr”.
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