Einbrecher und Raser bleiben im Fokus

Von: disch
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Der neue Leiter der Abteilung ­Polizei bei der Kreispolizeibehörde Heinsberg: Polizeidirektor Andreas Bollenbach. Foto: Archiv/Stock

Kreis Heinsberg. Polizeidirektor Andreas Bollenbach, seit November neuer Leiter der Abteilung Polizei und damit ranghöchster Polizeibeamter im Kreis, hat in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, dass Einbrecher und Raser weiter im Fokus bleiben werden.

So werde auch das Sicherheitsprogramm der Kreispolizeibehörde Heinsberg, das jetzt fortgeschrieben werde, weiter den Titel „Raser stoppen, Einbrecher erkennen“ tragen. Bollenbach kündigte zudem an, den Kontrolldruck noch weiter erhöhen zu wollen.

Nach gut zwei Monaten im neuen Amt sieht Bollenbach seine Erwartung bestätigt: In diesem Kreis würden viele Polizeibeamte arbeiten, „die ihren Dienst schon sehr lange versehen, sehr erfahren und sehr besonnen sind und zufrieden mit ihrer Funktion“. Diese Dienst- und Lebenserfahrung der Kollegen und ihre Verbundenheit mit der Behörde und der Region schätze er. „Die Kollegen verfügen über einen großen Erfahrungsschatz und ein großes Verantwortungsbewusstsein. Das macht das Arbeiten sehr angenehm.“

Bollenbach sprach in diesem Zusammenhang aber auch ein Problem offen an: Die personelle Struktur der Kreispolizeibehörde mit ihren rund 400 Mitarbeitern – davon sind circa 360 Polizeibeamte – sehe so aus, dass das Durchschnittsalter bei 49 Jahren liege. Annähernd 30 Prozent der Mitarbeiter seien über 55 Jahre alt. In den nächsten sieben Jahren würden mehr als 30 Prozent der Polizeibeamten in Pension gehen.

„Ich sehe mit großer Sorge, was uns an Erfahrung und Wissen verloren geht“, so Bollenbach. „Das wird nicht so einfach zu kompensieren sein.“ Erfreulicherweise seien die Einstellungszahlen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen: So kämen auch verstärkt junge Beamte in den Kreis Heinsberg. Und Bollenbach zeigte sich zuversichtlich, dass der personelle Umbruch zu meistern ist: „Die jungen Kollegen werden mit ihren Aufgaben wachsen.“

Als sein Vorgänger im Amt des Abteilungsleiters, Polizeidirektor Friedhelm Hinzen, im Jahr 2013 das neue Sicherheitsprogramm der Kreispolizeibehörde Heinsberg unter dem Titel „Raser stoppen, Einbrecher erkennen“ vorgestellt hatte, war diese Präsentation auch mit der Nennung konkreter Ziele verbunden: So sollte die Zahl der Wohnungseinbrüche von 830 im Jahr 2012 bis Ende 2015 auf unter 750 gesenkt werden; zugleich sollte die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich von neun auf über zwölf Prozent gesteigert werden. Und im Verkehr sollte die Zahl der Unfälle mit Personenschäden von 926 im Jahr 2012 auf 800 reduziert werden.

Auch wenn die offiziellen Zahlen für 2015 noch nicht vorliegen, konnte Bollenbach schon signalisieren, dass mit Blick auf die Einbruchskriminalität die erklärten Ziele erreicht werden dürften. Die Zahl der Einbrüche inklusive Versuche war im Jahr 2013 auf 816 (Aufklärungsquote: 12,99 Prozent) und im Jahr 2014 sogar auf 695 (Aufklärungsquote: 23,17 Prozent) gesunken. Landesweit ist die Zahl im vergangenen Jahr aber wieder angestiegen – auch im Kreis Heinsberg. Der Wert dürfte aber in etwa bei der anvisierten 750er Marke ­liegen.

Der Polizeidirektor erneuerte den Appell an die Bürger, sie sollten ihr Haus und ihr Eigentum vernünftig sichern. Es gehe nicht darum, das eigene Haus zu einer Festung zu machen, aber oft könnten schon etwas bessere Sicherungsmaßnahmen – ob nun einbruchshemmende Fensterrahmen oder ein Riegel an der Tür – eine Tat verhindern. Dazu biete das Kommissariat Vorbeugung individuelle Beratungen an. Leichtfertig sei es auch, wenn Wertsachen offen in geparkten Kraftfahrzeugen liegen gelassen würden, mahnte er angesichts der vielen Diebstähle aus Autos.

Zudem bat er um Wachsamkeit der Bürger in ihrem Umfeld: Verdächtige Beobachtungen sollten der Polizei gemeldet werden: „Lieber ein Hinweis zu viel als einer zu wenig.“ Die Kreispolizeibehörde will weiter auf hohen Kontrolldruck setzen, „um reisende Täter abzuschrecken und – mit dem nötigen Quäntchen Glück – auch zu fassen und zugleich das Sicherheitsgefühl zu erhöhen“. Bei Schwerpunktaktionen werde aber statt auf große jetzt mehr auf kleinere und wechselnde Kontrollstellen gesetzt. Zudem werde die Polizei täterorientierter vorgehen, Verdächtige aus der Region ins Visier nehmen und verstärkt verdeckt ermitteln.

Das Ziel, die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden auf 800 zu reduzieren, sei offenbar sehr ambitioniert. „Dies ist uns im Jahr 2015 weiterhin nicht gelungen“, räumte der Polizeidirektor ein. „Wir werden aber weiter daran arbeiten.“ Von 2013 zu 2014 war die Zahl von 853 auf 892 gestiegen, 2015 sei sie zwar wieder gesunken, aber nicht auf die Zielmarke. Es gehe weiter um Bekämpfung der Hauptunfallursache Geschwindigkeit.

„Dabei geht es 100-prozentig nicht um Abzocke“, betonte Bollenbach, sondern es gehe darum, ein Problembewusstsein zu wecken. Angesichts des großen Leids von Unfallopfern und ihren Angehörigen „ist das nicht nur unsere Aufgabe, sondern fast schon eine Passion“. Jede Geschwindigkeitsbegrenzung habe einen faktischen Hintergrund. „Wer sich darüber hinwegsetzt, handelt fahrlässig.“ Bollenbach will deshalb noch mehr Kontrollen, aber auch das Präventionsprogramm – zu dem beispielsweise „Crash-Kurs“ in Schulen gehört – solle intensiviert werden. Im Bereich Verkehr gehe es aber nicht nur um Tempo, sondern ebenfalls um Alkohol und Drogen sowie neuerdings verstärkt auch um Smartphone am Steuer.

Auf Karneval vorbereitet

Dann sind da natürlich die Themen, die in diesen Tagen bundesweit Schlagzeilen machen: Straftaten von Asylbewerbern sowie die Silvesternacht in Köln. „Wir haben Straftaten rund um Flüchtlingsunterkünfte“, so Bollenbach mit Verweis auf Körperverletzungen oder Diebstähle, „aber die Zahlen sind nicht höher als in vergleichbaren Wohngebieten überall im Kreisgebiet.“

Die Vorfälle von Köln seien „erschreckend“, so der Polizeidirektor weiter. „Das kann und wird die Polizei nicht tolerieren.“ An den Karnevalstagen werde die Kreispolizeibehörde Heinsberg konzeptionell und personell so aufgestellt sein, dass im Kreis jeder und insbesondere jede Frau so ausgelassen feiern könne wie in den vergangenen Jahren.

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