Ein Trommler und ein Flötist machen Furore

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Da kommt Musik mit dem Spielmannszug Wehr - nicht nur auf den Straßen des Selfkantlandes. Foto: agsb

Selfkant-Wehr. Im Jahr 1920 sorgten Trommler Matthias Dreißen und Flötist Franz Pelzer in Selfkant-Wehr für Aufsehen: Beide marschierten mit der St.-Severinus-Schützenbruderschaft Wehr bei ihren Aufzügen mit klingendem Spiel vor der Bruderschaft.

Begeistert von diesem Spiel, entschlossen sich die Schützen Josef Goyen, Lambert Goyen, Wilhelm Dreissen, Johann Dreissen, Matthias Dreissen, Martin Heynen, Josef Krebs, Paul Cremers, Johann Jansen, Heinrich Robertz, Christian Robertz, Willi Goyen, Lorenz Dreissen, Bernhard Moll und Theo Hankmann die beiden zu unterstützen - ein Trommlercorps war gegründet.

Aufgrund seiner handwerklichen Geschicklichkeit war es Lambert Goyen, der für die Ausbildung der Trommler acht Holzständer anfertigte. Diese Ständer wurden dann mit jeweils einem Hartholzbrett versehen, das als Ersatz für die Trommel diente. Auch die runden Trommelstöcke wurden durch Lambert Goyen in Eigenregie mittels einer mit dem Fuß betriebenen Drechselbank angefertigt.

Er selbst war schon im frühen Kindesalter fasziniert von der Trommel und erlernte das Trommeln bei einem in Wehr stationierten Soldaten. Schon sehr bald stellte sich heraus, dass weitere musikalisch begabte Spielmannsleute heranwuchsen. Die zuerst einstudierten Märsche waren der „Lockmarsch” und der „Deutschmeister”. Beim ersten Schützenfest im Jahre 1929 des neu gegründeten Dekanatsverbandes Gangelt-Selfkant marschierten das Trommler-und Pfeiferkorps mit weißer Hose, weißem Hemd mit Achselklappen sowie weiß-schwarzer Krawatte mit. Später erhielt das Korps noch schwarze Mützen.

Das damalige Trommler- und Pfeiferkorps löste nicht nur im Selfkantland einen Boom aus, auch im benachbarten Limburg gab es bis dahin wenig Spielmannszüge. Das Trommler- und Pfeiferkorps Wehr wurde auch hinter der Grenze zu einem Vorreiter. Nach dem zweiten Weltkriege wurde 1947 ein neuer Anfang gemacht. Die ersten Instrumente wurden ausgeliehen oder im Tauschhandel erworben. 1949 wurde bekanntlich die Gemeinde Selfkant unter niederländische Auftragsverwaltung (bis 1963) gestellt. Hier sorgten die Spielmannsleute gleich für Schlagzeilen: In Munstergeleen errang das Korps drei Ehrenpreise.

Als im Jahre 1971 in Selfkant-Süsterseel zum ersten Mal die „Selfkant-Wanderplakette” ausgespielt wurde, erreichte das Trommler- und Pfeiferkorps Wehr den zweiten Platz.

Im Jahre 1977 zählte das Trommler- und Pfeiferkorps Wehr 42 Mitglieder mit 19 jugendlichen Aktiven. Erstmals spielten auch weibliche Mitglieder im Verein. Die Wehrer Spielmannsdamen sorgten fortan für Schlagzeilen, die Paraden bei den Festzügen und Vorbeimärschen begeisterten.

Anfang der 1980er-Jahre kam es dann zu einem gewaltigen Bruch und zu einem großen Aderlass im Verein: Zusammen mit dem Ausbilder und dem Stabsführer traten viele Mitglieder aus dem Korps aus. Dennoch meisterte das Korps auch diese schwere Zeit. Unter neuer Leitung gelang der Wieder-Aufschwung.

Im Jahre 1994 wurde das Trommler- und Pfeiferkorps Wehr ein eigenständiger Verein und fungiert seit dem 1. Juni 1994 unter „Spielmannszug Wehr” mit eigenem Vorstand. Es boomte plötzlich wieder im Verein, 1995 konnten 18 neue Nachwuchskräfte (zehn Flötisten und acht Trommler) für den Verein gewonnen werden. Der Spielmannzug Wehr feierte in den folgenden Jahren bei Wettwerben und auch in Solistenwettbewerbe große Erfolge.

Am 9. Juni 2002 gelang dann bei der Ausspielung der „Selfkant-Wanderplakette” in Schalbruch der ganz große Wurf: Der Spielmannszug Wehr errang zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die „Selfkant-Wanderplakette”. Im Heimspiel bei der Austragung legte das Korps nach und gewann 2006 erneut die Plakette.

Und wie bestellt trumpfte die Aktiven beim Wettbewerb 2010 auf und sicherte sich erneut die Selfkantplakette, die wichtigste Auszeichnung im Selfkantland.

Während der Kirmesfeierlichkeit in Wehr am ersten Septemberwochenende gehört der Sonntag den Spielmannsleuten: Ein großer Festzug mit anschließendem Bühnenspiel der Selfkantvereine sowie anschließenden Ehrungen im Festzelt laden ein.
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