Kreis Heinsberg - Ein Plädoyer für eine europäische Agrarpolitik

Ein Plädoyer für eine europäische Agrarpolitik

Von: anna
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In der Heinsberger Filialdirektion der Kreissparkasse: Europaparlamentarier Albert Deß (3. v. r.) wurde begrüßt von RLV-Präsident Bernhard Conzen (2. v. r.), Thomas Pennartz (3. v. l.), Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, Katharina Schmitz (2. v. l.), Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft, sowie den beiden Agrarkundenberatern der Kreissparkasse, Mike Lausberg (l.) und Georg Schlipper (r.). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Um die Zukunft der Landwirtschaft in der EU ging es beim zweiten Landwirtschaftsabend der Kreissparkasse Heinsberg. Dazu konnten Vorstandsvorsitzender Thomas Pennartz und Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) und Vorsitzender der Kreisbauernschaft, als Referenten den Europaparlamentarier Albert Deß (CSU) in der Kreisstadt begrüßen.

Der Politiker aus Bayern ist zugleich agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Die Landwirtschaft habe im Kreis Heinsberg einen großen Stellenwert, erklärte Pennartz in seiner Begrüßungsrede. Wie die Landwirtschaft schon seit langem, habe sich auch die Kreissparkasse inzwischen mit zahlreichen Regularien in einer immer komplexer werdenden Marktklage zu beschäftigen. Conzen bescheinigte dem Referenten als Berufskollegen eine hohe Reputation.

„Er weiß, wovon er spricht“, sagte Conzen und beklagte sodann, dass die Landwirtschaft aktuell sehr stark diskreditiert werde und schlichtweg der Prellbock für alle auftretenden Probleme sei. Kein Landwirt wolle einen Umweltschaden verursachen, betonte er mit Blick auf die Nitrat-Diskussion. „Wir haben unseren Job gut gemacht, aber es gibt Dinge, die hat man eben vor 30, 40 Jahren noch nicht erkannt.“

Wie später auch Deß forderte Conzen die Landwirte auf, sich an der aktuell laufenden, öffentlichen Konsultation für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zu beteiligen.

Mit eindrucksvollen Zahlen belegte Deß die Bedeutung der Landwirtschaft in der EU. Mehr als acht Prozent der Gesamtbevölkerung in der EU seien von der Landwirtschaft abhängig. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken, was die Landwirtschaft anbelangt“, betonte der 69-Jährige, bevor er mit einigen Vorurteilen aufräumte. So sei die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) keinesfalls das immer wieder zitierte Fass ohne Boden.

Würden alle Politikbereiche wie Verteidigung und Soziales, die nicht über Brüssel abgerechnet würden, einbezogen, dann flössen gerade mal 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Europa in die Landwirtschaft. Er fügte hinzu, dass die Gelder weit unter dem liegen würden, was die Landwirtschaft gesellschaftspolitisch leiste. 150 Euro pro Hektar hielt er für verantwortbar.

Auch gebe es keine Exportsubventionen mehr. „Nicht die europäische Agrarpolitik ist schuld am Elend der Dritten Welt.“ Schließlich sei nicht die GAP ungerecht, sondern deren nationale Umsetzung.

Wenn die Agrarpolitik nationalisiert würde, käme es nach seiner Ansicht zu Wettbewerbsverzerrungen – „Riesenfehler“! Damit untermauerte Deß sein Plädoyer für eine europäische Agrarpolitik. Dabei müsse die GAP jedoch praxisgerecht und unbürokratisch sein, forderte er.

Immer wieder neue Vorschriften in der EU würden die Agrarproduktion immer weiter in andere Regionen der Welt verlagern. So sei beispielsweise die Produktion von Getreide von 1976 bis 2008 in Europa um ein Prozent gesteigert worden, in Asien dagegen um 97 Prozent.; bei Fleisch seien es in Europa sechs Prozent, in Asien 387 Prozent gewesen.

Applaus aus dem Publikum erntete Deß für seine Aussage zum Klima: „Der Klimawandel ist für mich die größte Volksverdummung seit Jahrzehnten“, erklärte er und belegte seine Meinung mit „Wetterberichten“ aus dem Hochmittelalter.

Was die Sicherung der Ernährung in der Welt betreffe, werde sich die Nahrungslücke der armen Länder nur dann schließen lassen, wenn auch die reichen Länder mehr produzieren und exportieren würden, so Deß weiter. Die Knappheit von Wasser, die wachsende Produktion von Nicht-Nahrungsgütern und steigende Energiepreise würden die Weltmarktpreise für Agrargüter jedoch erhöhen. Zugleich würde sich die Anbaufläche verringern und die Weltbevölkerung wachsen.

Zu einer modernen, hochproduktiven und innovativen Landwirtschaft gebe es keine Alternative, lautete das Fazit von Deß. Gleichzeitig müsse die Landwirtschaft aber auch mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die ihr Tun wieder ins rechte Licht rücke und die Herzen der Verbraucher erreiche.

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