Ein Liederabend voller Poesie mit starken Frauen

Von: Helen Mäurer
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Hückelhoven. „Reproduktives Genie kann dem schönen Geschlecht zugesprochen werden, wie produktives ihm unbedingt abzuerkennen ist. Eine Komponistin wird es niemals geben, nur etwa eine verdruckte Kopistin In den Tod verhasst ist mir ferner alles, was nach Frauenemanzipation schmeckt.” Wahnwitzig wirken die Worte von Hans von Bülow heute.

Doch auch Johannes Brahms, ein Verehrer Klara Schumanns Kompositionen und ihrer selbst, spricht nicht mehr als seinem Zeitgeist aus der Seele, wenn er sagt: „Eher bringt ein Mann ein Kind zur Welt, bevor eine Frau eine bedeutende Komposition zustande bringt.” So wundert es nicht, dass die Werke der Frauen, die sich trotz widriger Umstände der Tonkunst widmeten, im Schatten stehen gelassen wurden.

Dass ihre Kompositionen jedoch bis heute ein Schattendasein fristen bestürzt, zeigt wie wenig gesellschaftliche Anerkennung Frau bis heute hat und war so Anlass genug für das Konzertprogramm „Frauen im Schatten”, das der Verein „con brio” mit der Sopranistin Natalie Diart und der Pianistin Dr. Irina Fuchs in der Aula in Hückelhoven ermöglichte. Es war ein Liederabend voller Poesie von Friedrich Schiller über Eichendorff, Rilke und Goethe bis hin zu Heine und, um schließlich auch hier eine Frau zu erhellen: Mathilde Wesendonk.

Die Musik reichte von der Früh- bis zur Spätromantik. Grazil und in einem tragisch schönen Melodiegeflecht bewegte sich die Stimme der Sopranistin Natalie Diart aus Oberbruch bei Fanny Hensels „Schwanenlied” über die Wellen der gebrochenen Akkorde des Piano. Die Musikerinnen überzeugten die Zuhörer von der Qualität der Kompositionen und lösten ein Bedauern aus, um den Verlust von Jahrhunderten weiblicher Schaffenskraft, die alles andere war als Kopie. So unterschied sich die Tonsprache Alma Mahlers stark von der ihres Mannes.

Dem Titel getreu wurden die Frauen nicht ganz aus dem Schatten geholt. Vielmehr wurden die Schattenfrauen mit ihren Schattenspendern, den Männern, zusammen vorgestellt: Felix Mendelsson Bartholdy mit seiner Schwester Fanny Hensel, Robert und Klara Schumann sowie Gustav und Ehefrau Alma Mahler. Ganz bewusst wurden so nicht nur Werk, sondern auch Leben der Musikerinnen Bestandteil des Programms. Und dieses Leben war nicht immer einfach. Obwohl Gustavs und Fanny Mendelssons musikalische Begabung gleichermaßen erkannt wurde, unterbrach ihr Vater Fannys Musikausbildung.

So blieb ihr neben wenigen eigenen Kompositionen und dem Musizieren die Beeinflussung der Musik und Texte ihres Bruders: Das alte Frauenschicksal: nur in anderen aufgehen zu können. Von Alma Mahler wurde gar von ihrem wesentlich älteren Ehemann verlangt, dass sie aufhört zu komponieren.

Ein Komponist in der Familie genüge. Und selbst die Kompositionstätigkeit der verehrten Klara Schumann ging in Kindererziehung, Haushaltführung und Konzertreisen für den Lebensunterhalt unter. Mit dem letzten Stück ließen die Musiker das Programm versöhnlich enden. In weiblich erhellendem Sopran erklangen Richard Wagners „Wesendonk Lieder”, in denen er Gedichte seiner Geliebten Mathilde Wesendonk vertonte.

Doch der Star der Geschichte blieb am Ende einmal mehr der Mann. Mal sehen, ob Frauenwerke zukünftig ganz aus dem Schatten treten und nicht nur unter emanzipatorischen Fahnen Gehör finden, ob verschüttetes Kulturgut endlich ankommt.
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