Ein Hass-Liebe-Instrument als gleichberechtigter Partner

Von: hl
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Erkelenz. Mit der Aufführung des Monolog-Stückes „Der Kontrabass” von Patrick Süskind in der Stadthalle präsentierte die Kultur GmbH Erkelenz dem Publikum ein außergewöhnliches Theaterereignis.

Am Ende wurde die außergewöhnliche Leistung des Hauptdarstellers Klaus Wilmanns mit minutenlangem Beifall bedacht. Fünf Jahre vor seinem Welterfolg „Das Parfüm” brachte Patrick Süskind sein Monolog-Stück über einen 35-jährigen Kontrabassspieler auf die Bühne, wobei der Titel (Der Kontrabass) allerdings schon darauf hinweist, dass eigentlich zwei Theater spielen, nämlich der Musiker und sein Instrument, das in seinem Gegenüber eine Art gleichberechtigten Partner findet.

Bei den alten Griechen sollte man nach dem Theater als geläuterter Mensch nach Hause gehen, für die deutschen Klassiker war das Theater eine moralische Anstalt und eine Schule der Weisheit und Aufklärung, das die Menschen erziehen sollte.

Nichts von alledem bei Süskind. Zwar wird da auch räsoniert über Gott und die Welt, über berühmte Musiker und dass sie eigentlich ? (hier mag jeder ein ihm genehmes Schimpfwort einsetzen) waren, aber im schallisolierten Raum, Hauptmöbelstück ein Kühlschrank (zu dem es auf dem Textblatt heißt, er sei eine freundliche Dauerleihgabe des Schrottplatzes in Oldenburg), geht es weder um die Erziehung des Menschengeschlechtes noch um höhere Einsichten. Zwar werden solche Einsichten vom Protagonisten in manchmal atemberaubenden Wortkaskaden formuliert in Bezug auf Philosophie, Psychoanalyse, Musik, aber vor allem auf seinen unglücklichen Seelenzustand, sie sind aber nicht gedacht als Einladung, sich solche Ansichten zu eigen zu machen oder sie sogar als Leitlinien in die eigene Lebensführung einzubeziehen.

Sein Hass-Liebe-Instrument bearbeitet Klaus Wilmanns mit den Fingern und dem Bogen, mit Trommelstöcken und sogar mit dem Staubtuch, im Stehen und im Liegen; er unterhält sich mit ihm und beschimpft es als Waldschrat. Kurz: Sämtliche Empfindungen und Gefühlsregungen, von der Euphorie zur Melancholie, von der kritischen Analyse zum unsinnigen Geplapper teilt er mit dem tiefsten und größten aller Saiteninstrumente, das meist nur im Orchester spielen darf und dort das ist, was der Hinterbänkler im Parlament ist.

Der ausgebildete Kontrabassist Klaus Wilmanns spielt nicht den tragischen Helden, einen frustrierten Musik-Beamten, der sich zudem noch unglücklich in eine Kollegin vom Sopran verliebt hat und in seinen Dialogen mit dem Instrument seine Seelenpein manchmal geradezu herausschreit, er ist dieser Protagonist eines zutiefst unglücklichen Menschen. Und darin liegt mit die Faszination dieses zwischen Komödie und Tragödie schwankenden Theaterstückes, dass der Musiker Wilmanns und der Schauspieler Wilmanns geradezu identisch sind.

Dadurch erhielt dass Süskindschen Erfolgsstück, das seit seinem Erscheinen 1981 mehrere hundert Male gespielt wurde, eine zusätzliche Dimension und besondere Intensität.

Eingespielte Musik von Brahms, Wagner, Ditter von Dittersdorf, Mozart und Schubert gibt dem Stück obendrein noch einen besonderen Akzent, so dass ein Ge-samtkunstwerk aus Wort, Theaterspiel(en) und Musik entsteht. Und dass ein unsichtbares Augenzwinkern über und hinter dem Ganzen schwebte, lässt sich auch noch an dem Namen das aufführenden Theaters ablesen, nämlich „theater 3 hasen oben”, das seinen Namen einer zufälligen Markierung in einem Buch eines von den Gründern geschätzten russischen Autoren verdankt. Und dieses Theater wurde von Klaus Wilmanns und Silvia Pahl gegründet, die auch Regieassistentin war.
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