Ein halbes Jahrhundert auf dem Feld

Von: g.p.
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Der Golkrather Landwirt Heinrich Sevens feiert sein goldenes Berufsjubiläum. Foto: Günter Passage

Kreis Heinsberg. In diesen Tagen und Wochen, oftmals bis in die späte Nacht hinein, sind sie zu sehen, die gewaltigen Mähdrescher, die auf den Feldern das Korn mähen und die Ernte einfahren. Einer der Herren über diese Ungetüme ist der Golkrather Landwirt Heinrich Sevens, der in diesem Jahr seit 50 Jahren als landwirtschaftlicher Lohnunternehmer tätig ist.

Von den Eltern einen kleinen Bauernhof übernommen, erhielt Sevens Ende der 50er Jahre von einem Molkereiunternehmen den Auftrag, diverse Äcker mit Kalk zu bestreuen. Weitere Aufträge kamen hinzu, und somit spezialisierte sich der Golkrather Landwirt darauf, im Lohnbetrieb Tätigkeiten für landwirtschaftliche Betriebe zu übernehmen.

Mit dem Unternehmen wuchsen die Anforderungen. Mähdrescher und Roder wurden angeschafft und im Auftrag von landwirtschaftlichen Unternehmen deren Ernte eingefahren. Nebenher bearbeitete Heinrich Sevens zusammen mit seinem Sohn Lorenz, der als gelernter Landmaschinenschlosser heute unter anderem für die Reparaturen und die Wartung des fast unüberschaubaren Maschinenparks zuständig ist, rund einhundert Hektar eigene Anbaufläche.

Ähnlich wie in vielen anderen landwirtschaftlichen Betrieben entwickelte sich auch inzwischen für das Golkrather Unternehmen die berufliche Tätigkeit zu einer Gratwanderung.

Immer wieder neue Auflagen von den EU-Kommissionen aus Brüssel, die von den erfahrenen Landwirten oftmals mit Unverständnis aufgenommen werden, wie auch steuerliche Belastungen, machen den heutigen Betrieben ein Überleben nicht leicht. „Die landwirtschaftlichen Produkte werden doch in der heutigen Zeit in den Supermarktketten günstiger angeboten, als wir in der Lage sind, diese Produkte zu erzeugen,” ereifert sich Heinrich Sevens über die aktuellen Milch- und Schweinefleischpreise.

Ständige Belüftung des Getreides

Zudem würden seitens der Bundesregierung ständig höhere Getreidemengen aus dem Ausland zugelassen. „Wissen wir wie der Zustand dieser Produkte ist?”, stellt sich der 73 Jahre alte Landwirt die Frage nach einer ausreichenden Qualität. „Sobald die Frucht in die Silos gelangt, muss sie, um den Qualitätsstandard zu gewährleisten, ständig belüftet und umgewälzt werden.” Ob dies allerdings bei den aus dem Ausland eingeführten Produkten der Fall ist, sei oftmals zu bezweifeln,” wagt Sevens hier eine riskante Prognose.

„Was wir in Deutschland produzieren wissen wir”, ereifert sich der Landwirt. Was aber aus den osteuropäischen Ländern kommt, bleibe oftmals im Verborgenen. „Selbstverständlich müssen auch wir spritzen. Was die aber in Polen und der Ukraine auf die Felder schmeißen, weiß doch kein Mensch,” gibt der Golkrather Auskunft über die Verwendung der eigenen Spritz- und Düngemittel.

Sehr häufig machen sich Pilzkrankheiten im Getreide bemerkbar, wobei es hier unerlässlich sei, diese mit chemischen Mitteln zu bekämpfen. „Wir in Deutschland haben aber die beste und sauberste Chemie auf der ganzen Welt. Die Produktion dieser Mittel wird nicht nur durch höhere Instanzen ständig überwacht, zudem halten diese Produkte den höchsten Ansprüchen Stand. Dass aber diese Mittel auch Geld kosten, was sich gleichfalls auf die gesamten Produktionskosten niederschlägt, kann sich der Endverbraucher doch ausrechnen. Entsprechend der von uns Landwirten gelieferten Qualität, berechnen sich letztlich auch die Produktionskosten”, bricht Heinrich Sevens eine Lanze für seine Kollegen aus der Landwirtschaft.

Insgesamt sechs Mitarbeiter sowie weitere Helfer, die stundenweise zur Verfügung stehen, befinden sich auf den Lohnlisten des Golkrather Unternehmens. Alleine fünf Mähdrescher, wobei der Anschaffungspreis für eines dieser modernen Geräte bei rund 250.000 Euro liegt, sind fester Bestandteil eines schier unüberschaubaren Maschinenparks.

Arbeitszeiten bis zu 14 Stunden täglich, sind während der Erntezeit für Heinrich Sevens und dessen Team keine Seltenheit. Auch wenn das Unternehmen bereits vor Jahren an Sohn Lorenz übergeben wurde, wird der Altbauer von allen immer noch als der „Patron” angesehen ohne dessen Wort nichts geht. So bekennt der Golkrather Landwirt mit einem ironischen Unterton, dass er und Ehefrau Elisabeth das Gelübde der „lebenslänglichen Arbeit” abgelegt haben und an einen Rückzug aufs Altenteil noch lange nicht zu denken sei.
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