Ein ganz besonderer „Russenabend”

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Wassenberg. Ein russischer Abend ist nicht nur gefühlsbeladene Folklore. So unsterblich auch „Kalinka” und ihre „Geschwister” sind, das ist nur ein Teilaspekt russischer Musik.

Die evangelische Kirche unternahm in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule den Versuch, den Begriff auszuweiten und mit neuen Aspekten zu versehen. Verantwortlich war Dr. Irina Fuchs von der Kreismusikschule Heinsberg in Erkelenz, die als Moskauer Musikdozentin am ersten in der Lage ist, den Blick sowohl in die Vergangenheit wie in die Zukunft zu richten.

Ihr zu Gebote standen Nachwuchskräfte, die es weder an Können noch an Flair fehlen ließen, vor allem auch, weil sie „sprachmächtig” genug waren. Die aus Dremmen stammende Gesangs-lehrerin Natalie Diart tat ein Übriges, gesanglich die Beiträge vorzubereiten.

Des besseren Verständnisses wegen waren die Lieder ins Deutsche übersetzt und wurden vor der Darbietung rezitiert, so dass man ein „Bild” davon bekam. Der Abend war unterteilt in vier Abschnitte: unverzichtbare Folklore mit Troika, Schneetreiben und anderen Naturschilderungen, dann Michail Glinka, Begründer der russischen Musik, Peter Tschaikowski, dem viele Landsleute nie seine Verwestlichungen verziehen und Verrat an der russischen Musik vorwarfen, was ihn wiederum den Westeuropäern so nahe brachte, und schließlich Dimitri Schostakowitsch und Co., die bei uns nahezu unbekannt sind.

Dr. Fuchs kennt einige zeitgenössische Komponisten persönlich, arbeitete mit ihnen zusammen und hatte privaten Kontakt, was der Authentizität der Interpretationen zugute kam. Sie selbst spielte Solo, begleitete und bildete die Zweitstimme am Klavier.

Es wäre nicht dienlich, die Unterschiede zwischen ihrer Spielkunst und der ihrer älteren und kleineren Elevinnen aufzuzeigen. Andererseits ließ Irina Fuchs nie die Lehrerin „heraushängen” und ordnete sich homogen dem Geschehen ein. Ausnahmslos erstklassige Vorzeigekräfte kamen zum Zuge, von dem kleinen Jonathan Henning bis zu den Sängerinnen Lisa Solovyova und Christina Hennig, die mit Klavierbegleitung ein beeindruckendes Duett aus „Pique Dame” vortrugen. Aber auch ihre Lieder, ein- und zweistimmig, waren nicht weniger wertvoll, weil sie Können mit Sprache und Ausdruck vereinten. Unter den Klavierspielerinnen ragten Lydia Bechthold und Isabelle Schmidt heraus. Sie haben das „Zeug” für mehr. Gleichzeitig vertraten sie „ihre” Schule exzellent. Vitalij Korobkov, Saxophon, bereicherte als Instrumentalpartner die Variabilität.

Es war wohl niemand in der voll besetzten Kreuzkirche, der nicht von diesem außergewöhnlichen Russenabend beeindruckt war. Um die Eindrücke noch zu vertiefen, kamen die Besucher beim Borschtsch danach auch auf echt russischen Geschmack. Dann hatte der Abend noch einen gemeinnützigen Nebeneffekt, da der Reinerlös dem Hilfsprojekt Pskow diente.
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