Ein entlarvender Rückblick um „4 vor 2011”

Von: hewi
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Unter dem Motto „4 vor 2011” hielt das Erkelenzer Kabarett-Ensemble „4 vor 12” in der Leonhardskapelle einen satirischen Jahresrückblick. Dabei boten Magda Sikora, Andreas Koerfer, Benjamin Koerfer und Dominik Mercks (l.) auch Ausblicke auf das kommende Jahr. Foto: Koenigs

Erkelenz. Freunde des bissigen politischen Humors kamen kurz vor Jahresende auch noch einmal in der proppenvollen Leonhardskapelle auf ihre Kosten. Mit einer geballten Ladung geistreicher Tiefschläge verabschiedete das Kabarett-Quartett „4 vor 12” das Jahr 2010.

Dabei boten Magda Sikora, Andreas Koerfer, Benjamin Koerfer und Dominik Mercks mit „4 vor 2011” neben dem entlarvenden Rückblick auch Ausblicke auf das Kommende.

Protestkultur der Wutbürger

Von der Rücktrittswelle in der Politik über die scheinbar wahllose Vergabe der Austragungsorte der Fußball-WM bis zur neuen „Protestkultur der Wutbürger” ging die satirische Achterbahnfahrt. Ganz interaktiv konnten die Zuschauer selbst entscheiden, was wann an die Reihe kam. Denn die Themen waren als symbolische Wichtelgeschenke in einer Tüte versteckt und wurden vom Publikum gezogen. So stand das Glas Senf für ebenjenen, den die so genannten Experten zu jedem Thema beizusteuern pflegen.

Dominik Mercks überzeugte als Experte und Honorarprofessor der Volkshochschule, der die Leonhardskapelle kurzerhand zur „Erwin-Mathissen-Bildungsstätte” erklärte und über den Trend zum Rücktritt dozierte. Den Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Köhler bezeichnete er dabei als perfekten ästhetischen Akt”.

Sarrazins rotrote Karte

Sehenswert war auch die Konferenzschaltungen zwischen den politischen Debatten in Berlin, Düsseldorf und Erkelenz im Stile der Fußballkommentatoren. So erhielt zum Beispiel Thilo Sarrazin die rotrote Karte für „verbales Foulspiel”, während in Erkelenz der Bürgermeister als „Schnäuzerinho” brillierte.

Ohnehin wurde die Beziehung zwischen Politik und Sport sehr prägnant dargestellt. „In der Politik fehlen Sport, Geist und Rituale. Sport bewegt Menschen, das schafft Politik nicht”, so brachte es Mercks auf den Punkt. Von der Packung Kukident, die aus der Wichteltüte gezogen wurde, kamen die vier auf die „Rentner-Armeefraktion”, die im kommenden Jahr die größten sozialen Unruhen seit 1848 anzetteln wird und sich erst auflöst, nachdem die Packung erhöht wird. Auf dem Weg dahin verändert sich die politische Landschaft grundlegend und selbst Günter Jauch erhält einen Ministerposten.

Auch die neuen „Wutbürger” mit ihrem „Besserverdiener-Protest” bekamen ihr Fett ab, nachdem die Trillerpfeife als Zeichen des neuen Bürgerbewusstseins aus dem Sack gezogen worden war.

Magda Sikora brillierte mit einem Medley „revolutionär umgedichteter Weihnachtslieder”, bei dem sie von Mercks am Klavier begleitet wurde.

Nobelpreis für Schuldenmachen

Hart zogen Andreas und Benjamin Koerfer mit dem Nobelpreis ins Gericht, denn anscheinend reiche es aus, wie der US-Präsident Obama nur genügend Schulden zu machen, um den Friedensnobelpreis zu bekommen.

Und wo sie gerade bei den Zahlen waren, führte das Quartett die Verschwendung durch aberwitzige Zahlenspiele vor. So hätte zum Beispiel der Rettungsschirm der Bundesregierung für die angeschlagenen Banken ausgereicht, um das Volk 94 Jahre lang mit der Abwrackprämie oder jahrelang jeden einzelnen Bürger mit HartzIV zu beglücken.

Nach einem Jahr voller Comedy und Schenkelklopfern auf allen Kanälen und Bühnen lieferten die vier jungen Kabarettisten in der Leonhardskapelle ein Programm ab, das nicht nur dem Zwerchfell, sondern auch den kleinen grauen Zellen durchaus gut tat.
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