Heinsberg - Ehemalige Notunterkunft für Flüchtlinge: Turnhallen werden renoviert

Ehemalige Notunterkunft für Flüchtlinge: Turnhallen werden renoviert

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Im Juni sollen die beiden Turnhallen an der Westpromenade wieder für den Sport genutzt werden können. Jupp Nießen (l.) und Nuri Fazli erledigen derzeit nötige Malerarbeiten in einer der Hallen.

Heinsberg. „Das war ein großes Stück Heinsberger Geschichte.“ Nachdenklich wird Wolfgang Paulus nach diesem Satz, den er in einer der beiden Turnhallen an der Heinsberger Westpromenade ausspricht.

Beide haben in den vergangenen mehr als sieben Monaten als Notunterkunft für Flüchtlinge gedient.

Nur ein Zettel in roter, arabischer Schrift an der Eingangstür erinnert noch daran.

Die Maler sind derzeit dabei, den Wänden wieder ihr ursprüngliches Weiß zurückzugeben. Dies seien ganz normale Abnutzungsspuren, so Wolfgang Paulus, der Leiter des Sozial- und Ordnungsamtes in der Heinsberger Verwaltung, der zugleich als Integrationsbeauftragter der Stadt intensiv mit der Flüchtlingsthematik befasst ist.

„Anders als befürchtet“ hätten beide Hallen durch die Unterbringung von bis zu 180 Flüchtlingen zugleich gar keine Schäden davongetragen. Guter Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sei das zu verdanken, sagt Paulus. Zwei Wochen nach Öffnung der Notunterkunft Mitte August vergangenen Jahres hatte das DRK die Verwaltung des sogenannten Camps mitten in der Stadt übernommen.

Sehr menschlich habe das DRK das Camp geführt, sagt Paulus. Zugleich geht sein Dank aber auch an die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Sie hatten vor Antritt ihrer Arbeit alle einen Kodex unterschrieben, den Paulus selbst entwickelt hatte. Und dann natürlich noch ein Blick zurück auf die vielen Ehrenamtler, die sich im Camp engagiert haben.

Mehr als 120 Flüchtlingshelfer-Ausweise habe er ausgestellt. Paulus spricht von einer Mentalität der Heinsberger, die er so nicht erwartet hätte, von einer regelrechten Welle der Hilfsbereitschaft. Hunderte Anrufe von hilfsbereiten Menschen hätten die Verwaltung erreicht. „Das war für uns eine ganz tolle Erfahrung“, sagt er. „Das Camp war ein Spiegel Heinsberger Solidarität und Menschlichkeit. Das tut gut. Das behält man in schöner Erinnerung.“

Gerne denkt Paulus auch an die vielen von Ehrenamtlern initiierten Aktionen für das Camp zurück, angefangen von der Kleidersammlung bis hin zu einem Fußballspiel von Flüchtlingen gegen eine Mannschaft des 1. FC Heinsberg-Lieck oder der Aktion am Martinstag mit Selbstgestricktem und einem Weckmann für alle Flüchtlinge. An Silvester engagierten sich die Bewohner der Notunterkunft selbst und zauberten ein internationales Buffet.

Ebenso wie die Einrichtung und den Betrieb des Camps übernimmt die Bezirksregierung jetzt die Kosten für die Renovierung der beiden Hallen, zwischen 15.000 und 20.000 Euro, schätzt Paulus. Die Halle bleibe bis Mitte oder Ende Juni geschlossen, damit auch weitere sowieso anstehende Renovierungsarbeiten erledigt werden könnten. Es soll zum Beispiel ein Hallenboden erneuert werden.

Vor der jetzt laufenden Renovierung mussten in den beiden Hallen Schutzböden, Betten und die zusätzlich montierten Rauchmelder wieder entfernt werden. Im Sanitärbereich demontierten die Handwerker vier Waschmaschinen. Im Außenbereich sind die mobilen Toiletten und der Container für die Security bereits verschwunden. Essenszelt und Küche auf dem Schulhof werden noch abgebaut, ebenso wie im Gebäude der künftigen Sonnenscheinschule Büros und Untersuchungszimmer sowie der Spielbereich für die Kinder.

Nach der Auflösung der Unterkunft, die bis zu 225 Flüchtlinge aufnehmen sollte, rechnet Paulus jetzt mit der gleichen Zahl, die sukzessive der Stadt Heinsberg zugewiesen wird, zusätzlich zu den 546 Flüchtlingen, die bereits in Heinsberg leben. Weiterer Wohnraum für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge sei vorhanden, so Paulus. Sicherlich sei es nicht immer möglich, auf ethnische Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. „Allerdings verlange ich hier eine soziale Disziplin auch von den Flüchtlingen“, sagt er.

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