Die Zukunft des Frauenhauses: Sorgen und Optimismus

Von: Anna Petra Thomas
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Trotz einer neuen Konzeption, die finanzielle Mittel beim Kreis Heinsberg einsparen soll, blickt SKFM-Geschäftsführerin Karoline Steffens optimistisch in die Zukunft des Frauenhauses. Foto: A. P. Thomas

Kreis Heinsberg. Mit einem ganz neuen finanziellen Konzept arbeitet das Frauenhaus für den Kreis Heinsberg seit Beginn dieses Jahres. Statt einer jährlichen Pauschale erhält sein Träger, der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM), künftig vom Kreis Heinsberg monatlich Geld für seine ­erbrachten Leistungen in Form von Betreuungseinheiten.

Diese grundsätzlich neue Situation bewegt derzeit nicht nur die Angestellten, sondern auch die Ehrenamtler in dieser Einrichtung. „Wir sehen sehr besorgt in die Zukunft, ob den schwer traumatisierten Frauen und Kindern die nötige und dringende psychologische Unterstützung der Fachkräfte weiter adäquat geleistet werden kann“, heißt es da in einem Brief einer Ehrenamtlerin, der die Redaktion unserer Zeitung erreichte.

„Solche Sachen machen Unruhe, und Unruhe macht Angst“, äußerte SKFM-Geschäftsführerin Karoline Steffens zwar auf der einen Seite Verständnis für die Sorgen der Ehrenamtler in der Einrichtung.

Auf der anderen Seite blickte sie jedoch positiv in die Zukunft des Frauenhauses und erkannte durch die größere Flexibilität auch neue Chancen für die Beratung von Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden. Karoline Steffens hat im Oktober vergangenen Jahres die Nachfolge von Reinhold Trzeciak angetreten, der 22 Jahre für den Sozialverband aktiv war.

Finanzierung mit drei Säulen

Im Juni vergangenen Jahres war der alte Vertrag des SKFM mit dem Kreis Heinsberg ausgelaufen. Der Landschaftsverband Rheinland trägt weiterhin die Hälfte der Personalkosten. Die Finanzierung des Kreises, die künftig ­Kosten einsparen solle, habe jetzt drei Säulen, erklärte Karoline Steffens das neue Modell: Das Frauenhaus erhalte zunächst eine Pauschale für die Kosten der Unterkunft. Zweite Säule seien die Pauschalen für die einzelnen Betreuungseinheiten, geleistet etwa für die Beratung, für die Begleitung zu Ärzten oder Behörden oder für eine sogenannte Krisenintervention. Dritte Säule seien die Pauschalen für die Betreuung von Kindern der Frauen, die im Frauenhaus Zuflucht vor Gewalt finden würden.

Um finanziell weiter über die Runden kommen zu können, habe man Einsparungen vornehmen müssen, räumte die Geschäftsführerin ein. So sei der Hauswirtschafterin mit einer halben Stelle gekündigt worden, erklärte sie. „Aber wir sind nun mal nur eine Zuflucht“, begründete sie den Schritt. Im Haus sei jedoch noch eine ergänzende Kraft tätig, die ihre Sozialstunden ableiste und sich sehr liebevoll um alles kümmere. Der Hausmeister sei in Rente gegangen. Es gebe jetzt einen neuen Hausmeister, der jedoch nur noch geringfügig beschäftigt sei.

Anlaufpunkt für Frauen

Etwa ein Drittel sei bei der Sozialarbeit im Frauenhaus eingespart worden. Drei Frauen würden sich dafür etwa zwei Vollzeitstellen teilen, mit mehr Flexibilität in einem Beschäftigungsmodell mit Arbeitszeitkonten. Im Gegenzug sei jedoch geplant, die Beratung der Frauen aus dem Frauenhaus ­herauszunehmen und schon kurzfristig im Heinsberger Stadtzentrum eine neue Beratungsstelle einzurichten. Eine Sozialarbeiterin, die zuvor mit einer halben Stelle im Frauenhaus beschäftigt worden sei, solle diese Beratung übernehmen, erklärte die SKFM-Geschäftsführerin. Die neue Stelle könne dann Anlaufpunkt sein auch für Frauen, die noch nicht Zuflucht im Frauenhaus gefunden hätten.

Für das kommende Jahr sei der Umzug des Frauenhauses an einen neuen Standort geplant, war jetzt zu erfahren.

Zu der Unruhe, die durch diese neue Konzeption schon an sich da sei, komme hinzu, dass die bisherige Leiterin des Frauenhauses, Marietta Ringering, in Ruhestand gehe. Ihre Position übernimmt ab 1. Juli Silvia Lenzen, die bereits im Frauenhaus tätig ist.

Weiterhin belastend sei der hohe Krankenstand der Beschäftigten im Frauenhaus und der Umstand, dass sich die Verweildauer der Frauen im Haus immer länger werde, weil es immer schwieriger werde, für die Frauen Wohnungen zu finden. Das neue Konzept sei keine Frage von besser oder schlechter“, resümierte Kornelia Steffens. „Es ist anders. Ob es sich trägt, werden wir zum Ende des Jahres gucken.“

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