Die westlichsten Winzer Deutschlands

Von: hewi
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Noch kann man nur mit ganz, ga
Noch kann man nur mit ganz, ganz viel Fantasie erahnen, dass hier in ein paar Monaten Wein gelesen werden soll. Aber die Rebstöcke auf der Millicher Halde kann man schon Foto: Koenigs

Hückelhoven-Millich. Über Hückelhoven kann man vieles sagen, aber sicherlich nicht, dass es für seinen guten Wein bekannt sei. Das wollen Jürgen und Ines Batalia ändern. Sie haben sich aufgemacht, um Deutschlands westlichste Winzer zu werden.

Dabei hat der Anbauort durchaus schon Tradition. Denn auf der Millicher Halde wurde zu aktiven Bergbauzeiten von den 80ern bis in die frühen 90er Jahre von den Bergwerksbetreibern Wein der Sorte Müller-Thurgau angebaut. Mit dem Ende der Zeche gerieten auch die Weinstöcke auf der Abraumhalde in Vergessenheit oder rangierten unter der Rubrik „unglaubliche Geschichten”.

Dann traten Ines und Jürgen Batalia auf den Plan. Bei einem Winterspaziergang über die Halde, die ja mittlerweile der breiten Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet zugänglich ist, erinnerte sich Batalia an die Reben, die noch irgendwo auf dem Berg zwischen Gestrüpp versteckt sein mussten. Tatsächlich wurde er fündig und gleichzeitig war die Idee geboren, einen eigenen Wein herzustellen.

Ein befreundeter Winzer

Das ist nicht so abwegig, weil Ines Batalia in der Nähe der Halde einen Laden mit ausgesuchten Weinen betreibt. Da der gute Wille allein für die gute Tat nicht reicht, zogen sie einen befreundeten Winzer aus Rheinhessen zu Rat. Christian Peth kam, schaute und beschied der Idee Erfolgspotenzial, denn „der Felsgestein mit Kohleanteil schlägt sich in der Rebe nieder”, wie Batalia das fachmännische Urteil knapp zusammenfasst. „Das wird ein guter Wein”, ist er sich sicher.

Und der soll schon im nächsten Jahr geerntet werden. Bis dahin musste aber noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Nicht bei Bürgermeister Bernd Jansen, der von der Idee sehr angetan war, aber bei der Landschaftsbehörde, die nämlich den Einsatz von Pestiziden verbietet. „Das ist im Weinanbau aber nicht möglich”, weiß Batalia. „Selbst beim biologischen Anbau muss gespritzt werden.” Mit Umweg über den Kreis und Landrat Stephan Pusch konnte beim Landesamt für Natur- und Umweltschutz eine Sondergenehmigung erwirkt werden.

Die Ärmel hochgekrempelt

Dann wurden die Ärmel hochgekrempelt, denn in fast 20 Jahren waren die eben zugewuchert und für den ungeübten Betrachter kaum noch als solche zu erkennen. Mit Hilfe von Freunden und einigen Weinkunden wurde das Areal gesäubert und auf Vordermann gebracht, damit das ehrgeizige Projekt „westlichster Weinberg Deutschlands” auch gelingen kann. Dann mussten die Reben geschnitten und neue Rebdrähte gespannt werden.

Der Wein, darf alles, nur nicht schmecken wie sein Vorgänger der den Namen „Millicher Fuchsbau” trug und nach Aussage des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Franz-Josef Sonnen „wie Essig” geschmeckt haben soll.

Batalia ist zuversichtlich. Die rund 240 Rebstöcke stehen am Südhang der Halde auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern und können bis zu 450 Liter einbringen. Die Reben sind zur Hälfte Riesling und zur Hälfte Müller-Thurgau. Ihr Alter komme ihnen in Sachen Qualität des Weines zur zugute. Nun bleibt zu hoffen, dass im kommenden Jahr die Sonne ausreichend über den Südhang der Halde scheint und die Trauben viel abbekommen. Der 49-jährige IT-Spezialist ist zuversichtlich und denkt schon insgeheim über andere Anbaugebiete nach. Der Stadtteil Ratheim habe ja auch noch eine ganz interessante Halde...
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