Kreis Heinsberg/Bonn - Die Schöne aus Heinsberg glänzt in Bonn

Die Schöne aus Heinsberg glänzt in Bonn

Von: Heiner J. Coenen
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„Die Loreley“ aus dem Heinsberger Begas-Haus in der Bonner Bundeskunsthalle: Projektleiterin Dr. Katharina Chrubasik ist zufrieden mit dem Verlauf der Ausstellung „Der Rhein – eine europäische Flussbiografie“. Foto: Heiner J. Coenen

Kreis Heinsberg/Bonn. Plötzlich war sie weg – und damit in aller Munde: „Die Loreley“ von Carl Joseph Begas des Älteren, die sonst durch eine geschickte Hängung das wohl schönste Zimmer von Heinsberg im Torbogenhaus beherrscht. Entliehen worden war sie. Grund genug, beim Entleiher einmal vorbeizuschauen.

Zunächst war da die Anfrage der Bundeskunsthalle Bonn. Man sei interessiert an dem Heinsberger Begas-Gemälde der Loreley im Rahmen der Ausstellung „Der Rhein – eine europäische Flussbiografie“. Ob man das Bild zu dieser Ausstellung beisteuern wolle? Der erste Reflex der Leiterin des Begas-Hauses in Heinsberg, Dr. Rita Müllejans-Dickmann, war: Nein! – „Leitexponat“ hin oder her – sechs Monate ohne das „Kernwerk der Rheinromantik“ in Heinsberg? Das ginge gar nicht.

Chance für Heinsberg

Nachdem aber die Restauratorin keinen Hinderungsgrund nennen und die Bonner Kuratorin eine hochwertigen Großrepro als Ersatz anbieten konnte, willigte die Heinsberger Museumschefin doch ein. Die Bundeskunsthalle in der Bundesstadt Bonn lud praktisch zum Mitspielen in einer anderen Liga ein. Das Begas-Haus gelangte spätestens mit dieser Einladung auf museale Bundesebene; diese Chance durfte Heinsberg sich nicht entgehen lassen. Da das Ganze höchst professionell mit Fachleuten realisiert wurde, stand der Reise nach Bonn nichts mehr im Wege.

Und dann steht der Kunstfreund in der Ausstellung in Bonn und ist schon ziemlich beeindruckt. Weshalb hinterlässt diese Ausstellung eigentlich so eine enorme Wirkung? Geben die umfangreichen Ausstellungsunterlagen eine für Normalbesucher verständliche Auskunft?

Verkehrsreichste Wasserstraße

Zunächst heißt es, der Fluss erzähle „seine Biografie in historischen Querbezügen und zugleich die Geschichte der europäischen Integration.“ Schon gut, aber noch ein wenig abstrakt. Eine nüchterne technische Feststellung: „Nie zuvor wurde dem Rhein eine biografische Ausstellung gewidmet; gegliedert in 13 thematischen Kapitel, präsentiert sie anhand von 300 Exponaten seine Geschichte von der Prähistorie bis zur Gegenwart.“ Das ist schon ziemlich verständlich.

Ein weiterer Abschnitt in den Informationen zur Ausstellung bringt es dann auf den Punkt: „Der Rhein ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraße der Welt. Seit Jahrtausenden befördert er Bodenschätze, Baumaterial und Menschen, aber auch Luxusgüter und Kunstschätze, Waffen, Ideen, Märchen und Mythen durch halb Europa. Beeindruckende Städte, Klöster und Kathedralen, ebenso wie Ballungsräume und Industrieanlagen säumen den Strom.

Er war und ist Grenze und verbindendes Element gleichermaßen und prägt bis heute die Menschen, die sich an seinen Ufern niedergelassen haben. Seit römischer Zeit war der Rhein mit wechselnden Fronten zwischen Germanien und Gallien, der Schweiz und Burgund, Deutschlands und Frankreich, Belgien und Holland Pforte, Festung und Grenze, Brücke und Furt. Er wurde reguliert, begradigt, verschmutzt, umkämpft, erobert und besetzt.“ Und tatsächlich: All das erzählt diese Ausstellung, und zwar ohne erschlagend zu wirken. Am Ende ist diese Schau einfach nur wunderschön.

Wenn man das alles in den Blick nimmt, dann ist der Entleihwunsch der Bonner an die Heinsberger und der Auftritt von Carl Begas‘ Loreley in dieser Ausstellung nicht überraschend. Das Gemälde ist aber auch ein Hingucker: Über der ganzen Ausstattung der „Lureley“ – Mantel aus schwerer Brokatseide, Laute, goldener Kamm, Handspiegel und Perlenkette, – herrscht ein Gesichtsausdruck, der am Selbstbewusstsein dieser „Galionsfigur der deutschen Romantik“ (so Müllejans-Dickmann) keinen Zweifel lässt.

„Wir hoffen, dass Du im Januar 2017 wieder zu Hause in Heinsberg bist“, murmelt ein Besucher aus dem Kreis, der die Bonner Schau besucht. Bei solchen Bemerkungen soll die Mona Lisa ja – so behaupten einige Kunstkenner – dem Betrachter zuzwinkern. Nicht so die Loreley: Gnadenlos betrachtet sie weiter das Drama, das sich zu ihren Füßen abspielt – den Untergang der unrettbar in sie verguckten Rheinschiffer.

 

Dr. Katharina Chrubasik, Wie kamen Sie denn auf die Heinsberger Begas-Loreley

Chrubasik: Das Gemälde hat die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Marie-Louise von Plessen, ausgesucht. Dieses zentrale Bild zum Thema Loreley stand von Anfang an auf der Liste der gewünschten Leihgaben. In einer Ausstellung, die 2000 Jahre Kulturgeschichte präsentiert, ist eine Konzentration auf besonders herausragende Werke von zentraler Bedeutung, denn sie stehen oft stellvertretend für ganze Themenkomplexe.

Wie macht sich die Begas-Schöne aus Heinsberg im Ausstellungskontext?

Chrubasik: Im Ausstellungskontext gehört das Bild zur Abteilung „Vater Rhein“, in der unter anderem das Thema der Rheinromantik behandelt wird. Die Rheinromantik ist aber nur einer der vielen Aspekte unserer Ausstellung, und so war es sehr wichtig, ein Werk zu zeigen, das hier das gesamte Thema trägt. Zweifelsohne ist das Begas-Bild eines der Highlights der Ausstellung.

 

Bis zum 22. Januar 2017 ist die Loreley noch in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen.

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