Die rechte Jugendszene ist „regelrecht explodiert“

Von: kalauz
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Kreis Heinsberg. Es kam nicht von ungefähr, dass bei der Mitgliederversammlung vom Bündnis gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg in der Ratheimer Friedenskirche ein Vortrag über Rechtsextremismus in der Jugendszene und Aktivitäten des Syndikats 52 breiten Raum einnahm.

Der Journalist Michael Klarmann, der sich seit Jahren schon intensiv mit den Aktivitäten der rechtsextremen Szene im Aachener Raum und auch im Kreis Heinsberg beschäftigt, ging eingangs seines Vortrages auf die Wahlergebnisse der diversen rechten Parteien bei den zurückliegenden Wahlen im Kreis Heinsberg ein. Auffallend sei, so Klarmann, dass Hückelhoven angesichts der Wahlergebnisse der Parteien rechts der Union im Kreisgebiet besonders hervorsteche: In der Stadt habe die AfD bei der Bundestagswahl 11,59 Prozent erreichen können.

Zudem falle auf, dass die weitgehend unbedeutend werdende NPD in Hückelhoven weit über ihrem Landesschnitt 0,63 Prozentpunkte geholt habe. Die rechte ­Jugendszene sei in Hückelhoven Ende 2016, Anfang 2017 „regelrecht explodiert“, so Klarmann.

Besonders in Erscheinung getreten sei dabei Syndikat 52 als eine der Nachfolgeorganisationen der 2012 verbotenen Kameradschaft Aachener Land (KAL): „Der Begriff Syndikat 52 kann als eine verschworene Gemeinschaft oder Gangsterorganisation interpretiert werden“, sagte Klarmann. „Die 52 steht für den Postleitbereich von Aachen und Umgebung. Im Syndikat 52 sind alte KAL-Leute aktiv, hinzugekommen sind aber auch neue und jüngere ,Kameraden‘.“

Der Kreis Heinsberg entwickelt sich laut Klarmann zu einem „Zentrum von Rechtsrock-Konzerten in der Region Aachen“: Nahezu alle großen Parties und Konzerte der rechtsextremen Szene in der Region hätten seit Mitte 2015 mit einer Ausnahme im Kreisgebiet stattgefunden.

Neonazis planen Aktionen und veranstalten Konzerte

Die Aktivitäten von Syndikat 52 würden sich mit denen der KAL in großen Teilen decken. Wie schon durch die KAL würden über Syndikat 52 junge Interessierte angesprochen und angeworben und an die neonazistische Ideologie und Szene herangeführt.

Mit Aktionen, Konzerten und Fahrten zu Aufmärschen wolle die Neonazi-Szene eine „Erlebniswelt Rechts­extremismus“ wie zu KAL-Zeiten herstellen. Dazu gehörten auch Aufkleber und Sprühaktionen wie zu Jahresbeginn sehr konzentriert in ­Hückelhoven, wo Hakenkreuze, „Nazi-Kiez“, „NS-Zone“ oder „S52 Rotfront zerschlagen“ gesprüht worden seien.

Vereinzelt seien auch fremdenfeindliche Parolen oder die Syndikat 52-Losung „Familie, Freundschaft Heimat Syndikat 52 Heinsberg NS-Zone“ gesprüht worden.

Im angemieteten Klosterkomplex Haus Hohenbusch in Erkelenz fand im April nach Angaben Klarmann in kleinerem Kreis eine „Führer-Geburtstagsfeier“ statt. Eine „Ballermann-Party“ von Syndikat 52 sei vor wenigen Wochen in Hückelhoven gefeiert worden, angemietet hätten die Neonazis den Saal unter dem Vorwand einer Familienfeier, ohne die Vermieter auf den wahren Charakter des Abends hinzuweisen.

Situation darf nicht verharmlost werden

Jugendliche, die mit Grafikprogrammen umgehen sowie qualitativ hochwertig Graffitis sprayen könnten, hätten nun „Anschluss gefunden in die sich immer moderner und cooler darstellen wollende Szene“.

Klarmann zog ein bedrückendes Fazit: „Knapp fünf Jahre nach dem Verbot der Kameradschaft Aachener Land muss man den Aufbau von Syndikat 52 als gelungen bezeichnen. Neonazis setzten den Wiederaufbau von Strukturen um und werben jetzt erneut Jugendliche im Großraum Aachen an.“

Die Ratheimer Pfarrerin Susanne Bronner als Gastgeberin der Veranstaltung vom Bündnis gegen Rechts zog aus der Vielzahl von Aufklebern mit eindeutig rechtsextremistischem Inhalt im Stadtgebiet von Hückelhoven und den Schmierereien und Graffitis mit rechtsradikalem Hintergrund an Bushaltestellen und anderen Orten, an denen sich bevorzugt Jugendliche aufhielten, den Schluss: „Es ist ganz offenbar, dass hier in der näheren Umgebung Menschen mit rechter Gesinnung leben.“ ­

Daran dürfe man sich, so die evangelische Geistliche, die auch ­Mitglied im Kreis der Sprecher des Bündnisses ist, weder gewöhnen noch dürfe man das verharmlosen: „Wenn wir handlungsfähig bleiben wollen, müssen wir Stellung beziehen“, so Bronner.

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