Die Malerin Sala Lieber hat ihr Handwerk gelernt

Von: defi
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Kreis Heinsberg. Peter Paul Rubens und die Maler des Barock, allen voran aber der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo zählt die Malerin Sala Lieber zu ihren Vorbildern.

Wie nah sie ihren Vorbildern manchmal kommt, um dann aber doch die rechte Distanz zu wahren, zeigt ihre Ausstellung „Im Rausch des Rokoko” beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch.

Sala Lieber wurde 1980 in Budapest geboren. Die Eltern waren Antiquitätenhändler und legten ihrer Tochter die Liebe zu den alten Meistern in die Wiege. Bis heute hat sich Sala Lieber diese Liebe bewahrt und daraus ihren eigenen Malstil entwickelt. Sie nennt ihn „Poppiges Rokoko” oder „Modernen Barock”. Schon als Zehnjährige zeichnete die heute in Neuss lebende Künstlerin Akte. Gefördert wurde sie früh von ihren Eltern.

Ihre akademische Ausbildung erhielt sie an den Kunstakademien Dresden und Düsseldorf, wurde Schülerin bei Jörg Immendorf und Meisterschülerin bei Herbert Brandl. 2008 erhielt Sala Lieber den Förderpreis vom NRW- Forum und damit eine Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf. „Höllensturz in Gold” nannte sie damals diese Präsentation.

In Unterbruch ist der „Höllensturz in Grün” aus dem Jahr 2010 zu sehen. Das Thema scheint die Künstlerin also immer noch zu beschäftigen: Nackte Menschen durcheinander fliegend oder, wenn man den Bildtitel zu Hilfe nimmt, in die Hölle hinab stürzend? Gleich um die nächste Ecke folgt die „Salome”, bei Sala Lieber eine hübsche Rothaarige mit blanken Brüsten in einer Schale den Kopf Johannes des Täufers präsentierend. Die Szene wird dargestellt vor barockem Hintergrund mit Säulen, idealer Landschaft und einem Pfau, der wie der Heilige Johannes bereits das Zeitliche gesegnet hat.

Auf Bitten von Inge Keitel, einer der beiden Künstlerischen Leiterinnen des Kunstvereins, hatte Sala Lieber den ausgestopften Vogel, der für das Bild Modell gelegen hatte, zur Eröffnung mitgebracht - ein Geschenk des Vaters, wie die Künstlerin verriet.

Entgegen der Gewohnheit vieler ihrer heutigen Künstlerkollegen, die nach Fotografien malen, arbeitet Sala Lieber, wie die Maler des Barock, nach dem Modell, ob Mensch, ob Tier. „David mit Kronleuchter” zeigt neben sechs Kristallleuchtern, die von einer Holzdecke herabhängen, Sala Liebers kleinen Sohn, auf purpurrotem Stoff stehend, nach etwas schauend. Stoffe tauchen in vielen Bildern der Malerin auf, sie besitzt eine Fülle davon und versteht es, sie zu malen, ebenso wie ihre Akte - ihr Handwerk hat Sala Lieber gelernt. Eines ihrer dominantesten und stärksten Bilder sei „Gulliver”, glaubt die Künstlerin. Ein nackter Jüngling, der durch die Decke eines Schlosssaales hängt. Eine surreal anmutende Szene, ob der ungleichen Größenverhältnisse von Raum und Person. Im Gegensatz zu ihren übrigen Bildern, hat Sala Lieber hier eine monochrome, schwarze Fläche als Hintergrund gewählt, die den Bildgegenstand betont - wieder eine Reminiszenz an die alten Meister.

Giovanni Battista Tiepolo war 1750 auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen, die berühmten Familien der venezianischen Republik rissen sich um seine Fresken und Bilder. Mit etwas Glück könnte Sala Lieber noch von der Neo-Rauch-Euphorie profitieren. Parallelen zwischen beiden Künstlern, in ihrer naturalistisch, surrealen Art zu malen, fallen auf. Dann könnte schon bald Sala Liebers „Höllensturz” neben Rauchs „Etappe” über Brad Pitts Sofa hängen. Also: Bevor das Bild weg ist, noch schnell zum Kunstverein!

Bis zum 4. Juli ist die Malerei der Sala Lieber beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof) zu sehen, freitags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.
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