Die Lebenshilfe fordert richtige Inklusion

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Wiedergewählt wurde das Führungsteam des Vereins Lebenshilfe Heinsberg: Die Mitglieder des Vereinsvorstandes sind (von links nach rechts) Vorsitzender Klaus Meier, Jakob Lieck als stellvertretender Vorsitzender, Peter Katscher, Monika Kohnen, Heinz-Willi Jansen, Agi Palm und Jakob Winkels.

Kreis Heinsberg. Ganz im Zeichen des Themas Inklusion stand die Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Heinsberg. „Wir unterstützen den gesellschaftlichen Inklusionsprozess“, erklärte Klaus Meier, Vorsitzender des Vereins, zur Eröffnung.

„Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese für die Menschen mit Behinderung so tolle und wichtige Errungenschaft unbedingt mit der Brechstange umgesetzt werden muss.“ Man dürfe weder die betroffenen Menschen noch die verantwortlichen Systeme überfordern. Am Beispiel Schule sehe man Anzeichen, dass Schüler mit und ohne Behinderung ebenso wie Lehrer und Eltern überfordert seien. Klaus Meier verwies auf den Besuch besorgter Eltern der Lebenshilfe-Kitas im Landtag. Ihre Botschaft gegenüber der Politik hätten sie klar formuliert: Eine bestmögliche, individuelle Förderung ihrer Kinder mit Behinderung sei ihnen wichtiger als die inklusive Beschulung.

Zudem zeigte sich Klaus Meier besorgt wegen einer zunehmenden Ökonomisierung der Inklusionsdebatte. Der Lebenshilfe-Vorsitzende im Kreis Heinsberg zitierte den Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Lebenshilfe in Nordrhein-Westfalen, Uwe Schummer: Selbst die Abgeordneten im Bundestag, die bislang sehr euphorisch die Debatte um die Inklusion geführt hätten, würden plötzlich feststellen, dass die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sensationell viel Geld koste.

Forderungen im Positionspapier

Die Lebenshilfe fördere die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und habe die wichtigsten Grundgedanken in einem Positionspapier zusammengefasst, so Klaus Meier. „Inklusion kann nur gelingen, wenn wir den Erfolg unseres gesellschaftlichen Engagements an der Teilhabe des Menschen mit dem höchsten Unterstützungsbedarf messen“ – so laute daher eine wesentliche Forderung im Positionspapier. Teilhabe und Selbstbestimmung könnten sich dauerhaft nur weiterentwickeln, wenn auch die Weiterentwicklung der Qualitätsstandards in der ­pädagogischen, therapeutischen und pflegerischen Begleitung vorangetrieben werde und den individuellen Bedürfnissen der betroffenen Menschen auch in Zukunft Beachtung geschenkt werde, so Meier. „Daher fordern wir Inklusion – aber richtig!“

Im Geschäftsbericht stellten die Vorstandsmitglieder aus den Lebenshilfe-Schwerpunkten Kinder, Wohnen Arbeit und mehr die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre vor. Aus der interdisziplinären Frühförder- und Beratungsstelle heraus entwickelte sich das Kompetenzzentrum für Autismus-Spektrum-Störungen, kurz Kompass. Das Austismuszentrum fördert Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus gezielt und bindet Angehörige sowie das häusliche Umfeld intensiv in die Therapie ein. Die Wohnangebote der Lebenshilfe stellen sich zunehmend auf älter werdende Menschen mit Behinderung und einer entsprechend sich ändernden Bedürfnislage ein: Der neu ent­wickelte mobile Pflegedienst mit geschultem Fachpersonal versorgt kreisweit Menschen mit und ohne Behinderung mit Pflegebedarf in ihrem häuslichen Umfeld.

Auf den demografischen Wandel reagiert auch die Werkstatt für behinderte Menschen mit gezielten Betreuungsangeboten für ältere Mitarbeiter, die nur stundenweise am Arbeitsleben in der Werkstatt teilnehmen können, jedoch auf das gesellschaftliche Miteinander in der Werkstatt nicht verzichten möchten. Neue Arbeitsplätze wie in den Cafés der Lebenshilfe bieten berufliche Förderung im gastronomischen Bereich und schaffen Begegnung und Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung mit dem langfristigen Ziel ­einer Vermittlung von Servicekräften mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Realisierung des Neubauprojekts in ­Oberbruch an der Richard-Wagner-Straße. Bereits im Spätsommer soll das Lebenshilfe-Center, das mit Mitteln der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Aktion Mensch realisiert werden konnte, bezugsfertig sein. Das Center soll die ambulanten Angebote des Familien unterstützenden Dienstes, die heilpädagogischen Hilfen, das Kompetenzzentrum für Autismus-Spektrum-Störungen und weitere Dienste unter einem Dach vereinen. Daneben entstehen ein neuer Speisesaal und die Küche der Werkstatt für behinderte Menschen, welche zukünftig mehr als 2000 Essen – auch für Kindertagesstätten und Schulen im Kreisgebiet –produzieren wird.

Vorstand wiedergewählt

Ein großes Lob für die vielfältigen Anstrengungen des Vereins bekräftigte Heinz Schmitz, langjähriges Vorstands- und Ehrenmitglied der Lebenshilfe. „Es ist bemerkenswert, in welchem Umfang und auf welchen Ebenen sich die sieben ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder jeden Tag für die Lebenshilfe einsetzen.“ Schließlich wurden alle sieben Vorstandsmitglieder mit dem Vorsitzenden Klaus Meier an der Spitze wiedergewählt. Sein Stellvertreter ist Jakob Lieck. Weiterhin gehören Peter Katscher, Monika Kohnen, Heinz-Willi Jansen, Agi Palm und Jakob Winkels dem Vorstand an.

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