Die Idee: Ein Selbsthilfenetzwerk für pflegebedürftige Menschen

Von: anna
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Betreuungskräfte, die zu Amos nach Oberbruch gekommen waren, freuten sich zusammen mit Johannes Eschweiler (r.) und Schwester Svitlana Matsiuk (3. v. r.) über den Besuch von Bozena Domanska vom Selbsthilfe-Netzwerk „Respekt“ (Mitte, mit Broschüre). Foto: anna

Kreis Heinsberg. „Wir kommen aus Polen, Ungarn, der Ukraine oder der Slowakei – und betreuen pflegebedürftige Menschen in deren Zuhause rund um die Uhr.“ Mit diesen Worten stieg Bozena Domanska, Mitgründerin des Selbsthilfenetzwerks „Respekt“, in ihren Vortrag ein, zu dem sie nach Oberbruch gekommen war.

Eingeladen worden war sie von Betriebsseelsorger Johannes Eschweiler und der Steyler Missionarin Schwester Svitlana Matsiuk, die seit zwei Jahren das Wanderarbeitnehmerprojekt in der Region leitet.

„Es ist nicht die Arbeit selber, die schlimm ist, sondern dass wir Frauen oft isoliert in einem Privathaushalt tätig sind, ohne soziale Kontakte, ohne Privatleben, Tag und Nacht verantwortlich für einen kranken Menschen“, so ­Bozena Domanska weiter. „Ein Leben im Rhythmus von anderen: vom Essen über das Fernsehprogramm bis hin zu den Nächten ohne Schlaf. Meist erhalten wir dafür einen tiefen oder sehr tiefen Lohn“, erklärte die Polin, die aus der Schweiz kam und selbst als Betreuungskraft arbeitet.

Die 40 polnischen Betreuungskräfte, die der Einladung in die Räume des Vereins Amos gefolgt waren, nickten oft zustimmend, wenn Bozena Domanska von ihren Erfahrungen und Erlebnissen aus der Arbeit in Deutschland und der Schweiz berichtete.

„Dazu kommt, dass die weitaus überwiegende Anzahl dieser Frauen in Deutschland nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist und damit auch keine Ansprüche, beispielsweise im Krankheitsfall, hat“, ergänzte Johannes Eschweiler.

Ähnliche Ergebnisse

Bei einer Fachtagung im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath, zu der Bozena Domanska ursprünglich eingeladen war, entstand die Idee, auch in der Region Heinsberg und im Bistum Aachen ein Selbsthilfenetzwerk zu gründen – nach dem Beispiel von ­„Respekt“ aus der Schweiz. Denn das Wanderarbeitnehmerprojekt von Schwester Svitlana Matsiuk dokumentiere ähnliche Erlebnisse wie „Respekt“.

Neben der Hilfe zur Selbsthilfe gebe es jedoch auch andere Ansätze und Möglichkeiten für die Frauen, aus dieser Grauzone herauszukommen, berichtete Johannes Eschweiler. Mit dem Projekt „Cari Fair“ des Caritasverbandes ­Paderborn, dem sich der Caritasverband Heinsberg angeschlossen habe, sei die Möglichkeit gegeben, über arbeitsvertragliche Regelungen und über die Betreuung der Frauen sowie der Familien die Bedingungen für diese Betreuungskräfte im Herkunftsland und am Arbeitsort in Deutschland zu verbessern.

Ein großes Problem sei nach wie vor der Status, der den Betreuungskräften zugeschrieben werde, so Eschweiler weiter. „Sie werden zumeist nicht als Arbeitnehmer mit Pflichten und Rechten nach dem deutschen Arbeitsrecht angesehen, sondern oft als Hausangestellte, die jederzeit und für alle Tätigkeiten und nicht nur zur Betreuung der zu pflegenden Personen, herangezogen werden“, erklärte er.

Nachdem „Respekt“ alle rechtlichen Klagen gegen Arbeitgeber, die zumeist Privatpersonen seien, gewonnen habe und damit an die Öffentlichkeit gegangen sei, werde die Problematik der Betreuungskräfte in die Öffentlichkeit wahrgenommen, sodass jetzt auch die Politik endlich Handlungsbedarf sehe, um den oft ausbeuterischen Verhältnissen entgegenzuwirken, so Eschweiler.

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