Die Hilfe der Schuldner- und Insolvenzberatung bleibt gefragt

Von: disch
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Wolfgang Meier leitet die Schuldner- und Insolvenzberatung in ­Hückelhoven an der Haagstraße 10.

Kreis Heinsberg. Die Hilfe der Schuldner- und Insolvenzberatung bleibt gefragt: Die Zahl der Beratungsfälle lag im vergangenen Jahr – wie in den Vorjahren – „auf unverändert hohem Niveau“. Dies stellten Wolfgang Meier, der Leiter der Beratungsstelle in Hückelhoven, und sein Team im Jahresbericht fest, der am Freitag bei einem Pressegespräch vorgestellt wurde.

Wichtig bleibt aus Sicht der Beratungsstelle ein möglichst rascher Zugang zur Beratung für die Ratsuchenden: Deshalb erhielten auch im Jahr 2014 alle Personen, die sich erstmals an die Beratungsstelle gewendet haben, innerhalb von höchstens drei Wochen einen Termin für die Erstberatung.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1553 Haushalte beraten; davon waren 873 Neuaufnahmen. Die Vergleichszahlen der Vorjahre: 2013: 1519 Haushalte (896 Neuaufnahmen); 2012: 1625 Haushalte (960 Neuaufnahmen). Bei den 1553 Haushalten ging es in 822 Fällen um Schuldnerberatung und in 731 Fällen um Insolvenzberatung. Im vergangenen Jahr haben 337 Personen mit Hilfe der Beratungsstelle einen Antrag auf Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens mit Restschuldbefreiung gestellt. Diese Zahl lag 2012 noch bei 420 und 2013 bei 365. Der Hintergrund dieses Rückgangs sei die Tatsache, dass Ratsuchende häufig mit vielfältigen Problemlagen konfrontiert seien wie niedriges Einkommen, Trennung, ungeklärter Unterhalt oder eine defizitäre Haushaltssituation mit Miet- und Stromschulden, so Meier.

Im Vordergrund stünden daher zunächst Beratungsinhalte wie Klärung der Problemsituation, Krisenbewältigung, Schuldnerschutz und Existenzsicherung, bevor an die Einleitung eines Insolvenzantrags gedacht werden könne. Und nicht selten seien Betroffene aus verschiedenen Gründen schon mit grundlegenden Anforderungen in einem amtlichen Verfahren – wie Beschaffung von Unterlagen oder Schriftverkehr – überfordert. Die Vorbereitung des Insolvenzantrags, die Antragstellung selbst und der weitere Ablauf bei den Insolvenzgerichten würden sich letztlich in der Praxis aber zumeist ohne größere Probleme gestalten. Zu einer Einigung mit den Gläubigern im Vorfeld eines Insolvenzantrags sei es nur in 29 Fällen gekommen. Die Erklärung: Die Einkünfte der großen Mehrheit der Ratsuchenden lägen unterhalb der gesetzlichen Pfändungsgrenze, daher seien Erfolg versprechende Angebote nur in Ausnahmefällen möglich. Andererseits seien auch Gläubiger nur selten zu Teilverzichten bereit.

Die Beratung zum Pfändungsschutzkonto (P-Konto) und das Ausstellen einer Bescheinigung über den geschützten Freibetrag sind laut Meier mittlerweile ein fester Bestandteil der Beratungs­tätigkeit geworden. So seien 2014 440 Bescheinigungen (inklusive Folgebescheinigungen) ausgestellt worden – nach 380 in 2012 und 412 in 2013. Das P-Konto habe durchaus eine effektive Schutzwirkung entfaltet, stellte er fest.

Die Auslöser von Überschuldung bleiben vielfältig. In der Masse der Fälle – fast 38 Prozent – seien es mehrere Faktoren, die zusammenkommen würden, so Meier. Dazu würden neben individuellen Schwierigkeiten im Umgang mit Finanzen auch strukturelle Ursachen wie der Anstieg der unsicheren Beschäftigungsverhältnisse, gezählt. In 16 Prozent der Fälle sei eine gescheiterte Selbstständigkeit der Auslöser gewesen und in 14 Prozent Trennung oder Scheidung. Danach würden Immobilienfinanzierung (8,1 Prozent), Arbeitslosigkeit (7,2 Prozent) und Krankheit (6,4 Prozent) als Auslöser folgen.

Beim Blick auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II unter den Ratsuchenden ist aufgefallen, dass unter ihnen besonders viele Personen zu finden sind, die jünger als 30 Jahre sind. Meier: „Hier scheint ein besonders hohes Überschuldungsrisiko zu bestehen.“

Die Schuldner- und Insolvenzberatung – eine Einrichtung vom Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich in Kooperation mit dem Kreisverband Heinsberg der Arbeiterwohlfahrt – ist in Hückelhoven an der Haagstraße 10 zu finden. Eine Kontaktaufnahme zur Vereinbarung eines Termins sollte unter  02433/90560 erfolgen.

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