Die Grünröcke „auf Vordermann” gebracht

Von: Willi Erdweg
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Josef Henz mit Ehefrau Maria. Foto: W. Erdweg

Heinsberg-Dremmen/Wassenberg. Zu den wenigen Schützen im Kreis Heinsberg, die auf eine mehr als 70-jährige Zugehörigkeit zur Schützenbruderschaft zurückblicken können, zählt auch Josef Henz, 89, aus Dremmen.

Der Eintritt des gebürtigen Wassenbergers ins Schützenleben fällt in den September 1939, womit es eine besondere Bewandtnis hat, denn der Krieg hatte gerade begonnen. Der Sohn eines Landwirts und Saatguthändlers ist der Älteste von sieben Geschwistern. Als knapp 18-Jähriger nahm er für die Junggesellen-Bruderschaft am Aufzug während der Herbstkirmes teil.

Die Wassenberger Kirmes war traditionsgemäß für den ersten Sonntag nach St. Lambertus (17. September) angesetzt. Doch am 1. September begann der Krieg gegen Polen und alle Vergnügungsveranstaltungen wurden verboten. Nachdem die militärische Entscheidung rasch gefallen war, konnte die Kirmes schließlich doch noch stattfinden.

Offiziell als Schütze aufgenommen wurde Josef Henz beim Vogelschuss am 1. Mai 1949 in den Anlagen bei Tante Lucie, nachdem er kurz zuvor aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war.

Fünf Jahre später, 1954, wechselte der gelernte Landwirt nach Dremmen. Hier übernahm er auf Empfehlung eines Onkels zunächst einen ambulanten Milchhandel (mit „Tempo-Dreirad”) und begründete Ende 1959 gemeinsam mit seiner auch aus Wassenberg stammenden Frau Marianne, geborene Graab, ein Lebensmittel- und Milchgeschäft auf der Erkelenzer Straße (heute China-Imbiss), das er bis 1995 führte.

Sogleich nach seinem Umzug war der den Sebastinaus-Schützen Dremmen beigetreten. „Mir gefiel deren Paradeschritt nicht, die schlenkerten so mit den Händen”, sagt der altgediente (Pionier-)Soldat. Deshalb brachte er die Dremmener Grünröcke „auf Vordermann”: Daumen an die Hand legen, mit dem Mittelfinger die Hosennaht fühlen, Ellenbogen nach vorne, Kopf hoch, Kinn anziehen. „Seit dieser Zeit sind die Dremmener Schützen die erste Mannschaft im Kreis beim Paradeschritt”, blickt Henz auf die Früchte seiner Arbeit.

Schützenexperte Heinrich Aretz, Ehrendekanatsbundesmeister Gangelt/Selfkant, äußert sich anerkennend: „Dremmen hat eine sehr schöne Schützenbruderschaft”, wobei in Aretz Revier allerdings nicht der Paradeschritt, sondern der Vorbeimarsch üblich ist.

Josef Henz bildete mit seiner Frau Marianne 1974 das Königspaar in Dremmen. Er nimmt noch heute regen Anteil am Schützenleben und ist bei Festen und Versammlungen dabei. Nur bei Aufzügen kann er nicht mehr mit marschieren. Mit Blick auf seine lange Schützentradition hat er die Möglichkeit zum Vergleich: „Die Statuten werden nicht mehr so eingehalten wie früher.”

Das betrifft vor allem die ehedem sehr strengen Moralvorschriften. „Geschiedene” konnten in der Bruderschaft keine Vorstandsposten bekleiden. Heute wird das nicht mehr so eng gesehen. Auch „Evangelische” sind längst willkommen. In einem jedoch versteht Ehrendekanatsbundesmeister Aretz keinen Spaß: „Wer aus der Kirche ausgetreten ist, kommt nicht in Frage.”

In gewandelten Zeiten ist es für die Schützen nicht mehr so einfach, die alten Ideale „Glaube, Sitte, Heimat” hoch zu halten. „Auch die Jugendlichen machen nicht mehr so mit”, ergänzt Marianne Henz. Doch in ihrer Familie braucht sie keine Sorgen haben: Enkel Philipp hat als Schülerprinz 2008 gemeinsam mit dem Prinzen die Bruderschaft (in Ermangelung eines Königs) repräsentiert.
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