Die fliegenden Tellerröcke von Hückelhoven

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Boogie-Woogie mit Sexy Hexy HÀ
Boogie-Woogie mit Sexy Hexy Hückelhoven in Brachelen. Links unten ein Teil der aktiven Mitglieder (links außen Marita Hoffmann), rechts unten ein Reifrock nach originalem Schnittmuster aus den 50ern. Foto: vm

Hückelhoven-Brachelen. Ein bisschen bizarr ist das schon: Vorne in der Kneipe des Kaisersaals wird geraucht und getrunken, von nebenan schallen mit „ufftata” die Proben des Musikvereins für St. Martin rüber und im Saal werden die Petticoats und Reifröcke ausgepackt.

Ein Heizlüfter läuft, nicht, damit die Röcke besser fliegen, sondern weil es etwas kalt ist. Die Boogie-Woogie-Tanzsportgemeinschaft Sexy Hexy Hückelhoven trainiert. Also: gleich wird trainiert. Noch wird Currywurst-Pommes gegessen und es muss noch angestoßen werden. Heinz-Josef Greven, der Kassierer, ruft dreimal hintereinander „sexy”, der Rest ruft in den Pausen kurz und entschlossen „Hexy”.

Allein schon der Name wäre Grund genug, zu berichten. „Es gibt ein Lied mit dem Titel Sexy Hexy, erklärt Marita Hoffmann. Von Danny Mann. Danach hätten die Gründer den Verein 1992 benannt. „Süß, oder?”, sagt sie und zieht beim Lachen die Nase kraus. Sie ist die Vorsitzende der Tanzsportgemeinschaft, die Attribute „mütterliche Wärme” und „Herzlichkeit” sind für sie erfunden worden. Kurzes, gelocktes braunes Haar, eine randlose Brille, Perlenkette und -ohrringe. Heute trägt sie ein blasses, hellblau-weiß-kariertes Kleid.

Die 54-jährige Hausfrau fand 1995 zum Boogie Woogie. „Wir hatten zwei kleine Kinder, ich ging zum Reiten, mein Mann zum Tischtennis. Da haben wir uns gesagt: Das kann es doch nicht sein! Wir müssen auch was zusammen machen! Da kam ein Bericht im Radio über Boogie-Woogie. „Das gucken wir uns mal an”, beschlossen die Hoffmanns. „Die Musik ist toll, es ist sportlich, man kann sich so richtig auspowern”, erzählt die Vorsitzende und strahlt. „Und es ist gesellig.”

Das stimmt. Wenn Tanzpaare kurz verschnaufen, stehen sie um den Stehtisch, trinken Bier oder Limo - dann gehts weiter: Lasso, Tote Frau, Schulterfasser, Handtuch - so heißen die Figuren. Ein Handtuch brauchen die meisten nach einer halben Stunde auch, so anstrengend ist das Training auf flachen Gummisohlen. Flache Sohlen deshalb, weil man den Fuß im Vergleich zu Standardtänzen abrollt. Haltung, Körperspannung - diese Kriterien sind dagegen ebenso wichtig wie bei Foxtrott oder Walzer.

Manche Mitglieder von Sexy Hexy nähen sich ihre Kostüme selbst, nach Originalschnittmustern. So beispielsweise Kerstin Bergs. Heute trägt sie einen kanariengelben Reifrock mit Schallplatten- und Notenmotiv. Die 39-jährige selbsternannte „Technofee” war durch einen Zufall bei dem Hückelhovener Verein gelandet: Eigentlich wollte sie im Himmerich tanzen gehen, war aber zu früh dran und rauschte in eine Boogie-Woogie-Stunde. „Hier habe ich auch meinen Mann kennengelernt”, erzählt sie. Ralf. 45.

Was für die Frauen der Tellerrock und das Petticoat ist, ist für die Männer das weiße Hemd, die schwarzen Hosenträger und die bunte Krawatte. Dazu: eine schwarze Hose. So treffen sich die rund 20 aktiven Mitglieder des Vereins wöchentlich, alle 14 Tage unterwiesen durch das Profitrainerpaar Andrea und Michael Günther. Darüber hinaus feiern die Hobbytänzer gerne: Grillfeten, Boogie-Woogie-Partys befreundeter Vereine besuchen, Ausflüge machen. Zum 20-jährigen Bestehen gings in die Eifel.

„Wir haben uns Mühlen angeguckt und lecker Kaffee getrunken”, erzählt Marita Hoffmanns. Man könne schließlich zum Jubiläum nicht auch noch tanzen, das sei ja dann nichts Besonderes. Die Gründer waren nicht dabei, die sind längst nicht mehr im Verein. Der Name blieb. Und soll auch bleiben. Auch wenn das Wort „sexy” manchmal zu ... Schwierigkeiten führt. „Aufgrund der Sicherheitseinstellungen ist unsere Homepage von manchen Arbeitsplätzen aus nicht zu erreichen”, erzählt Pressewart Günter Schiller. Aber während der Arbeit soll man ja eh nicht surfen...

Die Wurzeln des Boogie-Woogie

Boogie und Boogie-Woogie sind in den 40er Jahren aus dem Swing-Tanz entstanden. Der Boogie-Woogie ist sozusagen die schnellere Variante des Boogie: in der gleichen Zeit werden acht statt vier Schritte gemacht.

Sowohl zu RocknRoll als auch zu Swing kann der Boogie-Woogie getanzt werden. An Beliebtheit unübertroffen sind nach wie vor Elvis Presley und Buddy Holly.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert