Die eigene Post durch Zufall im Müll entdeckt

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
Post weggeworfen Symbolfoto Jan Mönch
Was stimmt nicht auf diesem Bild? Korrekt, Post gehört normalerweise in den Briefkasten und nicht in den Gully. In Gangelt-Hastenrath ist das offenbar nicht jedem klar. Symbolfoto: Jan Mönch

Gangelt. Vermissen Sie Weihnachtspost? Haben Sie Rechnungen, Mitteilungen der Krankenkasse, Kontoauszüge nicht erhalten und fragen sich, wieso? Oder haben Sie eine Mahnung vorliegen, ohne dass jemals die reguläre Rechnung eingetroffen wäre? Dann schauen Sie doch mal in den umliegenden Gullys und Mülleimern nach, vielleicht steckt Ihre Post dort.

In Gangelt-Hastenrath jedenfalls gibt es Leute, die an derlei Orten bereits fündig geworden sind. Zu ihnen zählt Waltraud Moermans. Es war schon im Spätsommer, sagt sie, als es auf einen Seniorenausflug gehen sollte. Also baute das gutgelaunte Grüppchen sich an der Bushaltestelle vor der Kirche in Hastenrath auf. Und aus dem dort angebrachten Müllkorb zog eine verblüffte Bekannte plötzlich einen Stapel Briefe: „Waltraud, hier ist Post für dich“, stellte die Dame fest.

In der Tat: Bei einem der Briefe handelte es sich um eine Mahnung aus Amsterdam. Für zu schnelles Fahren jenseits der Grenze sollten die Moermans 50 Euro berappen. Und weil man auf den ersten Bußgeldbescheid ja schon nicht reagiert habe, solle man doch am besten gleich noch mal weitere 50 dazulegen. Schon der erste Bescheid war jedoch nie dort angekommen, wo er der alten Idee des Postwesens nach hingehört hätte, beteuern die Moermans: in ihrem Briefkasten.

Glücklicherweise zeigte die Polizeibehörde in Sittard sich kooperativ: Als Waltraud Moermans dort als Beweis für ihre Unschuld den Stapel an Mülleimerpost auf den Tisch legte, sorgte die Sachbearbeiterin dafür, dass nur das reguläre Bußgeld gezahlt werden musste. Dann marschierte Waltraud Moermans zur Polizeidienststelle in Gangelt. Die Polizei ermittelt bis heute, was es mit der Sache auf sich hat – nicht nur in dem beschriebenen Fall.

Denn das Bündel Briefe an der Bushaltestelle blieb nicht das einzige, das in Hastenrath aufgefunden wurde. Ende November wurde eine weitere Bekannte von Waltraud Moermans fündig. Diesmal hatte der Übeltäter die Post in einen Gully geworfen. Wieder handelte es sich nicht etwa um Werbesendungen, die dem Empfänger vielleicht ohnehin eher lästig gewesen wären. Nein, „Rentenbescheide und Post vom Finanzamt“ sei beispielsweise darunter gewesen, sagt Waltraud Moermans. Auch dieses Bündel wanderte zur Polizeidienststelle in Gangelt.

Weil die Geschichte sich in Hastenrath natürlich herumgesprochen hat, fragen die Dorfbewohner sich, wie viele weitere Briefe wohl in Gullys und Papierkörben verschwunden sein mögen, ohne dass sie zufällig jemand gefunden hat. Müllabfuhr beziehungsweise Regenwetter sorgen schließlich in aller Regel rasch dafür, dass die Briefe auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Und wer sagt eigentlich, dass nur Hastenrath betroffen ist?

Sämtliche gefundenen Briefe tragen den Stempel von Postcon, einem privaten Briefdienstleister mit Sitz in Ratingen, Tochter einer niederländischen Muttergesellschaft. Ein Unternehmenssprecher weist zwar daraufhin, dass es sich um Sendungen handele, die durch einen Partner des eigenen Unternehmens hätten zugestellt werden sollen.

Gleichwohl nehme man die Vorfälle „außerordentlich ernst“: „Auch wenn es sich um einen absoluten Ausnahmefall handelt, werden wir die umfangreichen Qualitäts- und Sicherheitsmaßnahmen für unsere Zustellpartner nochmals überprüfen.“ Mehrere weitere Fragen, etwa nach den Konsequenzen für den Verantwortlichen, ließ der Sprecher mit Verweis auf „ermittlungstaktische Gründe“ unbeantwortet.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert