Kreis Heinsberg - Deutsche Landwirtschaft als „Stabilitätsanker“

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Deutsche Landwirtschaft als „Stabilitätsanker“

Von: disch
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Beim ersten Landwirtschaftsabend von Kreissparkasse und Kreisbauernschaft: Gerd Sonnleitner (3. v. l.) wurde begrüßt von Georg Schlipper, Dr. Richard Nouvertné und Thomas Pennartz von der Kreissparkasse sowie Katharina Schmitz und Bernhard Conzen von der Kreisbauernschaft (v. l. n. r.). Fotos (2): Koenigs Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Als „Stabilitäts­anker“ für die sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln hat der Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, die deutsche Landwirtschaft bezeichnet. Und diese Rolle als Stabilitätsanker nehme sie nicht nur für das eigene Land, sondern auch für ­Europa und weltweit ein.

„Wir stabilisieren den Weltmarkt“, so Sonnleitner mit Blick auf die Notwendigkeit, dass Nahrungsmittel immer da sein müssten – auch in Zeiten von Notfällen, seien sie nun durch das Wetter oder durch Kriege bedingt. Sonnleitner verwies darauf, dass in Deutschland pro Tag etwa 80 Hektar fruchtbares Land aufgegeben würden, dabei gebe es eine Verantwortung, langfristig Anbau von Nahrungsmitteln, dort wo der Boden gut sei, möglich zu machen, denn die Erfüllung des Grundbedürfnisses Nahrung sei gefährdet.

Sonnleitner war Vortragender beim ersten Landwirtschaftsabend von Kreissparkasse Heinsberg und Kreisbauernschaft Heinsberg. Zunächst lobte der UN-Sonderbotschafter für das Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe 2014 die Rolle der heimischen Geldinstitute – Sparkassen wie Genossenschaftsbanken – als „Grundpfeiler“ der Finanzierung des ländlichen Raumes und des Mittelstandes.

Engagiert setzte sich Sonnleitner mit der „Kritik an unserer Professionalität“ auseinander. Gute landwirtschaftliche Praxis werde als industrialisierte Landwirtschaft bezeichnet, wobei Industrialisierung als negativer Begriff verwendet werde. Wenn der Bauer Satellitensysteme nutze oder Kühe automatisch melken lasse, dann werde gesagt, das sei zu viel Industrie.

Der Kritik an Modernität und Effizienz setzte Sonnleitner entgegen, dass so Umwelt geschützt und Ressourcen geschont würden. Angesichts eines Hangs zurück zur Romantik störe der moderne Bauer aber offenbar. Auch die Kritik am Export landwirtschaftlicher Güter wies er zurück. Wenn Autos exportiert würden, sei die Gesellschaft stolz, aber in der Landwirtschaft gelte dies nicht.

Dabei habe die deutsche Landwirtschaft hochveredelte Produkte („Da sind wir stark!“), mit denen sie im Export erfolgreich sein könne. Sie müsse so stark sein, dass sie auch nach ­außen liefern könne – um innen reagieren zu können, wenn andere kommen würden. „Das lernt man nur im Wettbewerb.“

Was Armut, Hunger und Mangelernährung angehe, gebe es – global gesehen – den Norden und den Süden. Den meisten Mangel gebe es im Südteil, während der Nordteil eher satt sei. Folglich sei die Erwartungshaltung der Landwirtschaft gegenüber unterschiedlich: Nahrungsmittel stünden im Süden ganz oben auf der Liste, während Umwelt-, Tier- oder Klimaschutz im Norden vor dem Thema Ernährung rangieren würden. Hierzulande sei es angesagt, 20 Cent beim Rindfleisch zu sparen oder kein Zucker zu essen, dafür aber ein großes Auto zu fahren.

Mit Blick auf Schwellenländer unterstrich Sonnleitner die große Bedeutung guter Regierungsführung und der Verhinderung von Korruption. „Da weiß ich, trotz allem Ärger über Gesetze, die Rechtssicherheit bei uns zu schätzen.“

Sonnleitners Appell lautete unter Verweis auf das Bevölkerungswachstum in der Welt und die notwendige Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft, auch hierzulande die Nahrungsmittelproduktion nicht runterzufahren.

Vor der UN-Klimakonferenz in Paris bezog er sich auf eine Position des Deutschen Bauernverbandes: Die Sicherung der Ernährung müsse höchste Priorität haben, der Fokus müsse auf einer effizienten Produktion liegen und auf eine Senkung der Treibhausgasemissionen pro Produktionseinheit abzielen.

Beim Blick auf die deutsche Parteienlandschaft bescheinigte der konservative Sonnleitner, die SPD habe leider kein Interesse an Landwirtschaft. Die Partei der Grünen sei „eine Spielwiese für Weltverbesserer“. Und CDU/CSU hätten immer mehr die Neigung, „obergrün“ zu sein und die Träume der Grünen umzusetzen.

Er plädierte für eine Trennung von Umwelt- und Landwirtschaftsministerien in den Bundesländern, auch wenn er mit Blick auf die Bundesregierung, wo es diese Trennung gibt, feststellte, dass Landwirtschaftsminister Christian Schmidt so friedlich sei, als komme er von der Bahnhofsmission daher. Sonnleitner lobte das Hamburger Modell, wo Landwirtschaft zur Wirtschaftsbehörde gehört.

Als in der Diskussionsrunde im Haus der Sparkasse die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Investitionen gerade in der jetzigen Niedrigzinsphase gestellt wurde, mahnte Sonnleitner gerade die junge Generation der Landwirte, wegen der Marktschwankungen „vorsichtig“ zu sein und Investitionen lieber in überschaubaren Schritten zu vollziehen, ohne gleich existenzielle Risiken einzugehen.

Sparkassendirektor Thomas Pennartz ist ein „Fan der Landwirtschaft“

Der Vortragssaal im vierten Obergeschoss der Kreissparkassen-Hauptstelle in Erkelenz erlebte eine Premiere: Zum ersten Mal veranstalteten die Kreissparkasse Heinsberg und die Kreisbauernschaft Heinsberg gemeinsam einen Landwirtschaftsabend. Rund 150 Gäste kamen.

Thomas Pennartz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, erklärte in seiner Begrüßungsrede: „Ich bin ein Fan der Landwirtschaft!“ Seine Frau würde dazu allerdings – mit Blick auf seine Statur – ­sagen: „Man sieht es!“ Pennartz brachte die starke Verbundenheit der Sparkasse zur Landwirtschaft zum Ausdruck: „Wir wissen, was die Landwirtschaft leistet.“ Und eine Gemeinsamkeit zwischen Geldinstitut und Landwirtschaft machte der Sparkassendirektor angesichts der Vielzahl von Auflagen in beiden Bereichen aus: „Wir haben mit Regulatorik zu kämpfen – genauso wie Sie.“

Bernhard Conzen, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, dankte der Kreissparkasse für die gute Zusammenarbeit und freute sich sehr über den Besuch von Gerd Sonnleitner im Kreis Heinsberg. Sonnleitner habe „hervorragende Arbeit“ geleistet als Bauernpräsident und sei auch als ­Ehrenpräsident immer noch für die Landwirtschaft greifbar. Sein Wort und sein Weitblick würden auch heute noch geschätzt, so Conzen weiter. (disch)

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