Erkelenz-Immerath - Der Zyklus „Immerather Apokalypse”: 56 präzise Druckplatten

Der Zyklus „Immerather Apokalypse”: 56 präzise Druckplatten

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Nach 35 Jahren präsentierte der Grafiker Boris Fröhlich (l.) den vollendeten Zyklus der „Offenbarung”. Der Theologe Professor Manfred Becker-Huberti (r.) interpretierte zu den Farbradierungen Bibelauszüge. Foto: Dahmen

Erkelenz-Immerath. Boris Fröhlich kann zufrieden sein. Denn mit dem 56 Werke umfassenden Zyklus „Immerather Apokalypse” hat er ein Stück Lebenswerk abgeschlossen, das ihn seit über drei Jahrzehnten beschäftigt. „Ich bin froh, dass ich das geschafft habe”, betonte der Künstler bei der Vorstellung des Zyklus in seinem Wohn- und Arbeitsumfeld, dem ehemaligen Kloster in Immerath.

Eine ganzheitliche Herangehensweise an die Apokalypse des Johannes habe es seit rund 700 Jahren nicht mehr gegeben, erklärte er. Selbst bekannte Künstler wie Albrecht Dürer hätten sich stets „die Rosinen herausgepickt”. Die 56 Radierungen verbinden eine moderne Bildsprache mit der jüdischen Zahlenmystik der Kabalah, um den Betrachter zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den immer noch zeitgerechten Themen zu bewegen.

Wichtige Unterstützung fand Fröhlich bei Franz Richter, der die Blätter druckte. Dabei mussten bis zu vier präzise gesetzte Druckplatten verwendet werden, um die Radierung so umzusetzen, wie der Künstler sie wollte. Jede der Radierungen wurde ebenfalls textlich dargestellt und interpretiert. Zuerst mit den entsprechenden Stellen aus der Bibel, dann mit erklärenden Texturen aus der Feder des katholischen Theologen Professor manfred Becker-Huberti und des evangelischen Superintendeten Hermann Schenk.

So konnte Fröhlich, der selbst russisch-orthodoxen Glaubens ist, im wahrsten Sinne von einem „ökumenischen Werk” sprechen, das er an seinem 65. Geburtstag Freunden und Kunstinteressierten in den Räumen des ehemaligen Klosters vorstellte.

„Die Texte fordern auf, das Leben zu ändern”, erklärte Becker-Huberti. „Sie stellen den Blick auf das eigene Leben vom Ende her dar: Wie man rückblickend gehandelt haben möchte, so sollte man leben.” Der Text der Apokalypse sei nicht mehr zeitgemäß, betonte der Theologe, denn er fordere die Menschen auf, sich zu verantworten und zu ihrer Haltung zu stehen. Daher seien die Texturen als Bindeglied zwischen Bibeltext und Gestaltung von Bedeutung. Die Bibel und die Themen, die in ihr behandelt werden, hätten ihn schon immer fasziniert, erklärte der Künstler bei der Vorstellung.

Vor zehn Jahren zog Fröhlich nach Immerath, wo er im ehemaligen Kloster ausreichend Platz und Muße für seine Arbeit fand. Die dem Untergang geweihte Umgebung des Ortes gab der Präsentation des Werkes einen würdigen Rahmen. Denn der sterbende Ort Immerath hat für den Betrachter an sich schon etwas apokalyptisches.

Und die paradiesischen Zeiten auf Fröhlichs abgeschiedener Kunstinsel nähern sich auch dem Ende. Denn spätestens 2015 wird der Ort bergbaulich in Anspruch genommen und für immer von den Landkarten verschwinden. Doch daran möchte der aus Lohr am Main stammende Künstler noch nicht denken.

Bis zum 26. August kann der vollständige Werkzyklus „Immerather Apokalypse” im Atelier des Künstlers besichtigt werden: Lützerather Straße 11, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Am kommenden Sonntag, 5. August, wird einer der Verfasser der Texturen, der evangelische Theologe Hermann Schenk, ab 19 Uhr ebenfalls in Fröhlichs Atelier über das Gesamtwerk und seine Bedeutung sprechen.

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