Der Traum vom Reiterparadies in Wassenberg

Von: Verena Müller
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Bessere Anschlüsse zwischen dem deutschen und dem niederländischen Reitwegenetz und weitere Routen auf deutscher Seite - das sind zwei der Forderungen, die eine grenzüberschreitende Arbeitsgruppe im Rahmen der Tourismus-Kooperation zwischen Roerdalen und Wassenberg stellt. Foto: Dettmar Fischer

Wassenberg. Vereinfacht ließe sich laut Eva-Maria Dohmen und Astrid Frohn die Situation für Reiter und Kutschfahrer in Wassenberg so darstellen: Auf dieser Seite der deutsch-niederländischen Grenze katastrophal, auf der anderen Seite paradiesisch.

Nicht nur, was die Menge und die Beschaffenheit der Wege, sondern auch, was die gesetzlichen Vorschriften anbelangt. So dürfen Reiter in der freien Landschaft alle Wege benutzen, im Wald sind sie aber auf die ausgewiesenen Reitwege beschränkt. Kutschen sind im Wald gar nicht erlaubt und dürfen nur auf normalen Straßen fahren - etwa wie Autos - und nicht wie in den Niederlanden auch auf Waldwegen.

Wenn es nach den beiden Freizeitreiterinnen aus Wassenberg ginge, könnte die deutsche Seite schon bald - vielleicht nicht niederländisches Niveau erreichen, aber deutlich attraktiver werden. Dass Wassenberg und Roerdalen gemeinsam den Tourismus beleben wollen und Reit- und Kutschwege im Konzept eine Rolle spielen, hatte den beiden und ihrem niederländischen Arbeitsgruppenpartner Thei Schmits, selbst Reiter und Kutschfahrer, Hoffnung gemacht.

Bessere Anschlüsse zwischen dem deutschen und dem niederländischen Wegenetz, Nutzungsgenehmigungen für weitere Routen auf deutscher Seite - etwa eine Rundroute durch den Ophovener Wald -, zweisprachige Broschüren und Schilder, Infos auf den Internetseiten der Touristenvereine und Kommunen - das stellt sich die Arbeitsgruppe vor.

Astrid Frohn träumt sogar von einer eigenen Gastronomie für Reiter und Pferde mit Übernachtungsmöglichkeit, wünscht sich, dass irgendwo ein großer Parkplatz angelegt wird, wo Pferdehalter mit ihren Anhängern Platz finden, die Pferde satteln und von dort aus durch die Wälder von Effeld, Ophoven, Dalheim und Birgelen reiten können.

Träume zerschlagen

Diese Träume haben sich größtenteils zerschlagen. Die beiden Frauen waren beim Kreis Heinsberg als zuständige Behörde und haben dort erfahren, dass sich vieles nicht so leicht umsetzen lässt.

Eva-Maria Dohmen und Astrid Frohn blicken also weiter neidisch über den Rothenbach, wo sich durch den Meinweg nicht nur ein sehr dichtes Netz aus Wald- und Sandwegen mit vielen Variationsmöglichkeiten zieht, sondern es auch für Pferd und Reiter Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Das Reitwegenetz zwischen Effeld, Dalheim und Wildenrath sei dagegen sehr unattraktiv, so die beiden Freizeitreiterinnen. Sie wollen sich weiter dafür einsetzen, dass sich da was tut, „weil ich noch weiß, wie früher die Reitwegesituation war”, sagt Eva-Maria Dohmen.

Früher, das heißt vor zehn Jahren. Damals wurde das Landschaftspflegegesetz geändert, seitdem müssen die Kreise in Nordrhein-Westfalen entscheiden, ob in Wäldern geritten werden darf oder nicht. „Im Kreis Heinsberg ist das Reitaufkommen gering, deshalb wurde weitestgehend auf eine Kennzeichnung von Reitwegen verzichtet”, sagt der Sprecher des Kreises, Ulrich Hollwitz.

Nur in Wassenberg, Wegberg und der Teverener Heide sei das Aufkommen erhöhter, deshalb seien dort - in Absprache mit den Reit- und Fahrvereinen, mit Forst, Jagd und Kommunen Reitwege festgelegt worden. „Alle waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden”, so Hollwitz weiter.

Was die 33-jährige Geologin und Astrid Frohn bemängeln, ist unter anderem der Belag der Wege: Viele Reitwege seien alte Waldwirtschaftswege und für die Forstfahrzeuge angelegt. Oft ist das Reiten auf diesen geschotterten oder sogar geteerten Wegen nur auf einem kleinen Seitenstreifen möglich, „da kann man nur Schritt gehen oder maximal langsam traben”, sagt Frohn. Alles andere ist nicht gut für die Hufe und die Gelenke der Tiere. Sie könne es verstehen, wenn manche Reiter sich aus Frust nicht an die ausgewiesenen Wege hielten.

Wenig Verständnis

Hollwitz hat dafür wiederum wenig Verständnis. Es käme - wie immer im Leben - auf gegenseitige Rücksichtnahme an. „Es ist wie mit den 30er-Zonen. Klar würden alle überall am liebsten hundert fahren, das geht aber nicht.” Ein Wegenetz von 40 Kilometern Länge seien in Wassenberg, Wegberg und in der Teverener Heide für Reiter bestimmt, die Brücke über den Rothenbach sei sogar in Absprache mit Reit- und Fahrvereinen angelegt worden.

Ausgewiesen ist beispielsweise eine Route an der ehemaligen Mülldeponie vorbei, „da fährt aber Schwerlastverkehr über die danebenliegende Straße und oft liegt wild entsorgter Müll auf dem Weg”, erzählt Frohn. Sei man dann im Wald angelangt, bestünde Gefahr, von Golfbällen erwischt zu werden, erzählt die 43-jährige Krankenschwester und Mutter von drei Kindern weiter.

Zu viel des Guten

Die wirklich guten Reitwege seien an einer Hand abzuzählen: ein paar Meter am Wanderweg entlang, an der Wetterschutzhütte, zwischen den Spargelfeldern und dem Wald bei Effeld und von An der Schanz Richtung Gitstapper Hof. „Das Stück parallel zur Landwehr ist eigentlich schon zu viel des Guten”, meint Dohmen. Da hätte man auf 250 Metern eine meterbreite Schneise in den Wald geschlagen. „Das brauchen wir gar nicht. Ein Trampelpfad reicht”, so Frohn.

Aus Kreissicht müsste die Menge der Ausrittmöglichkeiten eigentlich reichen. „Es ist natürlich so, dass die Förster und Jäger am liebsten gar keine Reitwege hätten und die Reiter wiederum am liebsten überall reiten wollen”, sagt Hollwitz. Aber irgendwo müsse ja ein Kompromiss gefunden werden.

Welche Ideen der Projektgruppe umsetzbar sind, wird sich noch zeigen. Astrid Frohn überlegt jedenfalls für ihr privates Vorhaben, eine Gastronomie für Reiter und Pferd, den Radius der Suche nach einem geeigneten Objekt zu erweitern.
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