Der Traum vom Heimatmuseum in der Propstei

Von: Johannes Bindels
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Einer der schönsten Orte im Selfkant ist auch der Sitz der Heimatvereinigung. Der Verein hat seinen Sitz im Obergeschoss der Propstei in Millen. Die Mitglieder hegen auch den Traum, dort ein Heimatmuseum aufzubauen.
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Zur Zeit der niederländischen Auftragsverwaltung kritisierten Wandsprüche die Abtrennung von Deutschland. Repro: Johannes Bindels /Quelle: Einmal Niederlande und zurück – Der Selfkant unter niederländischer Auftragsverwaltung 1949 – 1963
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Bisher stößt ihr Traum auf Ablehnung: Matthias Deckers (l.) und Gerd Passen würden gerne ein Selfkant-Museum aufbauen. Foto: Johannes Bindels

Selfkant. Die Heimatvereinigung Selfkant widmet sich als Verein dem Erbe der Vergangenheit, den kulturgeschichtlichen Aufgaben der Gegenwart und möchte zur Völkerverständigung beitragen. Wie der Verein diese Ziele umsetzt und welchen Weg die Repräsentanten seit der Gründung im Jahr 1949 gegangen sind, dazu äußerten sich der Vorsitzende Gerd Passen und der stellvertretende Vorsitzende Matthias Deckers jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wer die Räume der Heimatvereinigung in Millen aufsucht, fährt bis an die Grenze des Selfkants zur Provinz Limburg. Der Vereins- und Versammlungsort befindet sich im oberen Raum in der Propstei in Millen. Bei Vortragsveranstaltungen steht ebenso der darunter liegende Raum zur Verfügung, der gleichzeitig auch als Trauzimmer der Gemeinde dient. Ein in der Tat geschichtsträchtiger Ort im Gesamtensemble aus Propstei, Kirche und Zehntscheune.

„Die Gründung unseres Vereins durch den pensionierten Lehrer Johann Grein ist datiert auf den 25. April 1948. Er hatte zunächst den Namen Heimatbund des Selfkantes. Am 23. April 1949 kam es dann zur Abtrennung des Selfkants. Das war ein sonniger Samstagmorgen, als motorisierte, bewaffnete Einheiten die neue Grenze markierten. An manchen Wänden standen Sprüche, die sich dagegen aussprachen. Die Umbenennung in Heimatvereinigung Selfkant e. V. erfolgte dann am 15. November 1949, weil der Begriff ‚Bunde_SSLq negativ besetzt war bei der niederländischen Verwaltung“, erinnert sich Matthias Deckers.

Manches änderte sich in den dann folgenden vierzehn Jahren unter der neuen niederländischen Auftragsverwaltung. Treffen der Heimatvereinigung mussten die Behörden erst genehmigen. Sein Schulbesuch der weiterführenden Schule in Gangelt sei mit täglicher Grenzkontrolle verbunden gewesen und eben manchmal auch mit eindringlichen Erlebnissen, berichtet Matthias Deckers.

„Ich fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad über die Grenze. Eines Tages war es defekt und ich nahm das Dahmenfahrrad meiner Mutter. Das aber war ein belgisches Fabrikat aus der Vorkriegszeit. Bei der Kontrolle an der Grenze monierten die Zöllner dies, weil die niederländischen Produkte der Fahrradindustrie protegiert werden sollten. Andere Produkte unterlagen deshalb einem Strafzoll“, erzählt Deckers das noch immer sehr präsente Erlebnis. Mit einer Ermahnung habe er aber dennoch weiterfahren dürfen.

Trotz mancher Erschwernisse habe der Verein dennoch seine Arbeit kontinuierlich vertiefen können. Die niederländischen Stellen, an der Spitze Landdrost Hubert Dassen, hätten sich ständig entgegenkommender verhalten und geduldet, dass die Heimatvereinigung ihrer Heimatverbundenheit nachgehen konnte und die geschichtlichen Traditionen bewahren durfte.

Die Rückführung des Selfkants sei zwar am 1. August 1963 erfolgt, die Grenzöffnung mit dem Schengenvertrag habe aber noch Jahre gedauert. Heute läge das Augenmerk des Vereins auch auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit betont Gerd Passen. „Jedes Jahr führen wir mit den Heimatvereinen aus dem niederländischen und belgischen Landesteilen einen Euregionalen Kontakttag im Wechsel durch. Der nächste ist am 8. Oktober ab 13 Uhr und wird hier in Millen von der Heimatvereinigung organisiert“, belegt Passen das Anliegen des Vereins zur Völkerverständigung.

Ebenso sei der Verein im Rahmen des Schüleraustauschs mit dem limburgischen Nachbarn, den Maasketen Jan van Eyck aktiv, eine der ältesten grenzüberschreitenden Organisationen ohne engere Bezirksgrenzen. „Projekte wie den Besuch der Feuersteinminen in der Nähe von Maastricht gehören ebenso zu unseren Aktivitäten wie Scherbensuche in Tüddern, um die Spuren römischer Kultur in unserem Raum belegen zu können“, beschreibt Passen das Werben um die Jugend und neue Mitglieder für den 330 Mitglieder starken Verein.

Der Verein habe außerdem einen Traum, der trotz abschlägiger Auskunft der Gemeindespitze noch nicht ausgeträumt sei, verraten die beiden Vorstandsmitglieder. An sorgfältig vorbereiteten Planungsskizzen verdeutlichen sie, wie sie sich in den Räumen der Propstei ein Heimatmuseum mit verschiedenen inhaltlichen Abteilungen von der Frühzeit und Steinzeit über die Kelten- und Römerzeit bis heute vorstellen. Die Vision von einer touristischen Attraktion scheitert wohl an den fehlenden Finanzmitteln. Es sei denn, der politische Wille fände grenzüberschreitende Wege und Fördermittel zur Realisierung.

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