Der Rettungsdienst ist jetzt kommunalisiert

Von: disch
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Der Rettungsdienst im Kreis He
Der Rettungsdienst im Kreis Heinsberg ist kommunalisiert worden und wird jetzt in Form einer gemeinnützigen GmbH betrieben: Das Bild aus der Rettungswache in Heinsberg an der Linderner Straße zeigt Arnold Buschmann (r.), den dienstältesten Rettungsdienstler im Kreis, und Oliver Müller.

Kreis Heinsberg. Früher war der Rettungsdienst im Kreis Heinsberg jahrzehntelang vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gewährleistet worden.

In den vergangenen fünf Jahren waren dann die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und der Malteser Hilfsdienst (MHD) zuständig, nachdem sie seinerzeit das Ausschreibungsverfahren des Kreises zu ihren Gunsten entschieden und die entsprechenden Aufträge erhalten hatten. Damals hatten Protestaktionen des DRK die entscheidenden politischen Sitzungen begleitet. Jetzt aber brechen ganz neue Zeiten an: Der Rettungsdienst ist seit Jahresbeginn kommunalisiert.

Der Kreis verzichtete auf eine Ausschreibung, realisiert diese Aufgaben nunmehr komplett in eigener Regie und hat zu diesem Zweck eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet. „Der Übergang ist völlig reibungslos verlaufen”, berichtete Ralf Rademacher, der bereits seit 1. August Geschäftsführer der neuen Rettungsdienst im Kreis Heinsberg gGmbH ist.

Sieht man einmal von den Aufklebern mit dem neuen „RD HS”-Logo auf den Rettungsfahrzeugen ab, dürfte der Wechsel von Außenstehenden kaum bemerkt worden sein. Das Personal ist identisch: Alle Kräfte, die in Diensten von Maltesern und Johannitern standen, sind nach Rademachers Angaben übernommen worden. Im Bereich der Einsatzkräfte umfasst der Personalstamm der Rettungsdienst-Gesellschaft 148 Köpfe (auf 128 Vollzeitstellen); hinzu kommen zehn Mitarbeiter in der Verwaltung inklusive Geschäftsführer und Abteilungsleitern.

Alle Mitarbeiter begrüßen Schritt

„Der Tenor ist, dass ausnahmslos alle Mitarbeiter den Schritt der Kommunalisierung begrüßt haben”, berichtete Rademacher über das Stimmungsbild in der gGmbH. Kein Mitarbeiter sei schlechter gestellt als vorher. Im Gegenteil: Für die allermeisten Mitarbeiter hätten sich Verbesserungen ergeben, sei es im Gehalt, beim Arbeitszeitmodell oder in Fragen der betrieblichen Altersversorgung. Die gGmbH sei Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband. Alle Mitarbeiter würden dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst unterliegen; womit auch klar sei, dass Lohndumping ausgeschlossen sei, so Rademacher.

Die heftigen Turbulenzen um Ausschreibung, Auftragsvergabe und Betriebsübergang vor fünf Jahren hatte Rademacher hautnah erlebt: als Regionalvorstand der Johanniter. Zuletzt war er ein Jahr lang als Unternehmensberater im Bereich der Gefahrenabwehr tätig, ehe er seine neue Stelle in Heinsberg antrat.

Auch wenn er die Unzufriedenheit der Hilfsorganisationen über den Schritt des Kreises nachvollziehen kann, so ist er davon überzeugt, dass angesichts der in Nordrhein-Westfalen geltenden Rahmenbedingungen, mit der Verpflichtung die Rettungsdienstleistungen bei Vergaben alle vier, fünf Jahre europaweit ausschreiben zu müssen, die Kommunalisierung vernünftig sei. Mit Blick auf Ausschreibungen und mögliche Auftragsverluste seien langfristige Planungen weder für die Hilfsorganisationen noch für die Mitarbeiter möglich gewesen. Eine Art Nomadentum habe gedroht.

Wie wichtig die Hilfsorganisationen (neben ihrem vielfältigen Spektrum weiterer Aufgaben) auch im Bereich der Hilfeleistung bleiben, zeigt alleine die Tatsache, dass sie bei der Großschadensabwehr unverzichtbar sind. Bei ­einem Massenanfall von Verletzten, der nicht allein vom Rettungsdienst bewältigt werden kann, kommen nämlich die von DRK, JUH und MHD besetzten vier Einsatzeinheiten zum Zuge. Die Einbindung der Hilfsorganisationen mit ihrem Ehrenamt in den Rettungsdienst lag denn auch der Kreispolitik bei der Entscheidung zur Kommunalisierung sehr am Herzen.

Ehrenamt wird integriert

Die Hilfsorganisationen hätten sich in den Gesprächen sehr professionell verhalten. „Es gab da keine Grabenkämpfe.” Inzwischen gibt es laut Rademacher eine Integrations­­­verein­ba­rung, die vom Roten Kreuz und den Johannitern bereits unterzeichnet und mit den Maltesern auch ausgehandelt ist: Den Hilfsorganisationen sollen umfassend Ausbildungsplätze angeboten werden. So absolvieren jetzt bereits drei angehende Rettungssanitäter ein Praktikum auf einer Wache.

Zur Erhaltung ihrer Einsatztauglichkeit können ehrenamtliche Kräfte der Hilfsorganisationen als vollwertige Besatzungsmitglieder mitfahren im Rettungsdienst. Zehn solcher 24-Stunden-Dienste sind im Januar schon eingeplant. Auch die Mitarbeit im erweiterten Rettungsdienst soll den Organisationen mit eigenen Kräften und eigenen Fahrzeugen in Form von Rufbereitschaften ermöglicht werden. Und im Zuge ihrer Sanitätsdienste sollen die Hilfsorganisationen auch Transporte übernehmen dürfen.

Der Rettungsdienst wird teurer - voraussichtlich zum 1. Mai - um 15 Prozent. Dieser generelle Kostenrahmen sei mit den Krankenkassen ausgehandelt und von ihnen auch als wirtschaftlich anerkannt worden; Details müssten noch geregelt werden, so Rademacher. Ausschlaggebend für die Teuerung seien aber nicht alleine die gestiegenen Personalkosten, vielmehr seien auch die erfolgte Einrichtung neuer Wachen in Wassenberg und Saeffelen sowie die Bereitstellung eines zusätzlichen Rettungswagens in Erkelenz in früheren Kostenkalkulationen noch nicht enthalten gewesen.

Teurer werden dürfte auch die Bereitstellung von Notärzten, die in erster Linie von den vier Krankenhäusern im Kreis gewährleistet wird. Es zeichnet sich ein Notarztmangel ab. Die Lage sei noch nicht dramatisch und es habe auch bislang noch keine Ausfälle gegeben, sagte Rademacher, aber es werde zunehmend schwieriger, die Notarztdienste zu besetzen; der Einsatz von Ärzten auf Honorarbasis dürfte verstärkt werden. In Gesprächen bemühen sich Rettungsdienst-Gesellschaft, Krankenhäuser und Krankenkassen um eine Lösung. Ein Thema, das höchste Priorität besitzt.
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