„Depression - wir tun was”

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Kreis Heinsberg. „Seit vier Wochen hänge ich in einer Depression mit sehr starken körperlichen Symptomen.” Wolfgang Weiß kann über seine gegenwärtige Verfassung reden, da er weiß, dass alle, die ihm zuhören, diesen Zustand kennen.

Auch die anderen in der Runde sprechen der Reihe nach von sich und ihrer Gemütslage. Denn sie alle gehören der Gruppe „Depression - wir tun was” an. Dabei handelt es sich um ein Angebot der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch kranke Menschen des Caritasverbandes für die Region Heinsberg im Treffpunkt in Übach-Palenberg.

Die Gruppe sei vor sechs Jahren entstanden, so Traudel Reissmüller von der Kontakt- und Beratungsstelle. Und zwar als eine Reaktion auf Anfragen von außen. „Uns als Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch kranke Menschen war es wichtig, auf diesen Bedarf zu reagieren.” Bis heute sei es das einzige Angebot dieser Art in Gruppenform im Kreis Heinsberg vom Caritasverband.

„Wir verstehen es ergänzend zur ärztlichen und therapeutischen Begleitung”, betont Reissmüller. Im Wechsel wird die Gruppe von ihr oder von ihrer Kollegin Erika Radtke begleitet. Im Durchschnitt kommen zwölf Betroffene, die über ihre Verfassung reden oder Erfahrungen und Informationen austauschen. „Manchmal finden auch Veranstaltungen statt, die wir inhaltlich vorbereiten, wenn das von den Teilnehmern gewünscht ist, und moderieren”, so Reissmüller. „Wie kann ich einen Notfallplan erstellen?”, „Was hat Depression mit Angst zu tun?” und „Wie kann ich mit den Angehörigen umgehen und umgekehrt?” lauten die Themen.

Hin und wieder gestalten auch die Gruppenmitglieder Abende. Wie Wolfgang Weiß zum Beispiel, der einen Abend zu alternativen Behandlungsmethoden organisierte. Und einmal im Jahr referiert Simeon Matentzoglu, Chefarzt der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf, zum Thema „Depression”. Das Ziel der Gruppe sei, die Betroffenen dahin gehend zu unterstützen, dass sie sich nicht rein auf den Krankheitsaspekt reduzieren, sondern den Zugang zu ihren Fähigkeiten und Stärken zurückerobern oder neu gewinnen und so weit wie möglich mit ihrer Erkrankung leben, erklärt Reissmüller.

Wie gut die Gruppe für sie sei, davon berichtet Teilnehmerin Käthe Ophoven. „Die Leute, die hierhin kommen, verstehen einen. Und jeder hört zu.”

Dies bestätigt auch Paul Littges. „Als Depressionskranker stehst du allein da.” Die Depression sei ein Tabuthema in der Gesellschaft. „Das Verständnis fehlt”, bestätigt auch Wolfgang Weiß. Die Krankheit werde als solche nicht akzeptiert. Schnell gerate man in ein soziales Abseits.

Dies sei umso weniger zu verstehen vor dem Hintergrund, dass es vier Millionen Betroffene in Deutschland gebe.

Die Gruppe „Depression - wir tun was” trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat in der Zeit von 18.30 bis 20 Uhr im Treffpunkt der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch kranke Menschen in Übach-Palenberg an der Aachener Straße 86, 02451/49412. Neue Teilnehmer sind willkommen.
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