Demenz-Clown: Rosa erreicht die Menschen mit Gefühl und Witz

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Carmen Hörter alias Rosa, ist der erste Demenz-Clown in der Region. Die junge Frau besuchte eine spezielle Theater-Akademie in Eindhoven.

Selfkant/Heinsberg. „Endlich ist es so weit, Rosa, der Demenz-Clown ist geboren!”, freut sich Geschäftsführer Marcel Ballas. Als Erste in der Region haben die Alten- und Pflegeheime St. Josef gGmbH in Selfkant-Höngen und Heinsberg-Waldenrath eine Mitarbeiterin zum Demenz-Clown ausbilden lassen.

Carmen Hörter hat eine 14-monatige, hoch qualifizierte Ausbildung an der Theaterakademie „Stichting miMakkus” in Eindhoven absolviert. Carmen Hörter ist als langjährige Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes in Höngen tätig. Dort hat sie in all den Jahren Erfahrungen in der Arbeit mit alten Menschen sammeln und in der Praxis anwenden können.

„miMakkus” ist eine Theaterakademie, die bereits 44 Demenz-Clowns von Limburg bis Amsterdam ausbilden konnte. Dabei muss der Bewerber ein sehr spezifisches Auswahlverfahren überstehen. Denn nicht jeder Mensch ist für eine solche Clownausbildung geeignet. Carmen Hörter ist die erste Deutsche, die die Ausbildung in Eindhoven beginnen durfte. In den Niederlanden ist ein Clown in einem Alten- und Pflegeheim keine Seltenheit mehr.

Sowohl die Bewohner, als auch Angehörige und Mitarbeiter der Einrichtungen belegen, dass die Arbeit der Clowns einen sehr großen Mehrwert, vor allem im Leben der demenzkranken Menschen hat. Als Clown kann man mit demenzkranken Menschen Kontakt aufnehmen, auch wenn diese nicht mehr sprechen können. Er kann sich auf die noch vorhandenen Fähigkeiten einlassen und Emotionen bei den Bewohnern hervorrufen und Spannungen lösen. Der Clown kann Freude und Leid darstellen, somit darf er lachen oder auch weinen.

„Wenn ich Clown bin, kann ich mich anders verhalten, als wenn ich die Senioren als normaler Mensch besuche”, berichtet Carmen Hörter und sagt: „Betrete ich verkleidet den Wohnbereich, versuche ich, die Normalität hinter mir zu lassen. Wenn zum Beispiel ein Mensch hinfällt, hat die Gesellschaft uns beigebracht, nicht zu lachen, denn es handelt sich um eine ernste Situation. Fällt der Clown hin oder stolpert über seine eigenen Füße, darf man seine Emotionen loslassen und darüber lachen. So bleibt der Clown in den Köpfen und Gedanken der demenzkranken Menschen erhalten, auch wenn das Gedächtnis weniger wird und vieles nicht mehr erkannt wird.”

Doch es handelt sich in den Alten- und Pflegeheimen St. Josef nicht um einen gewöhnlichen Clown. Während der Theaterausbildung wurde ein Schwerpunkt auf die Art der verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten gelegt. So kann der miMakkus-Clown seine Kommunikation auf die Person abstimmen. Manchmal erreicht man den Menschen nur noch durch Laute, Töne oder ein Lied.

Der Clown geht in diesen Momenten gemeinsam mit dem Menschen mit und lässt sich voll und ganz auf ihn ein. Beim Besuch des Clowns handelt es sich nicht um die Vorstellung vor einem Publikum, und er ist nicht immer laut bei seiner Arbeit. Bei seinem Besuch konzentriert er sich vielmehr auf die einzelne Person ihm gegenüber.

Als ausgebildeter Demenz-Clown kann Carmen Hörter nun individuell ohne Vorgabe auf die zu betreuenden Seniorinnen und Senioren zugehen, denn ihre Arbeit wird durch die Tagesform der Menschen vorgegeben. „Durch den Clown wollen wir weitere Menschen aus ihrer Isolation heraus holen”, erklärt Marcel Ballas. „Der schwerst demenzkranke Mensch lebt oftmals in seiner eigenen Welt und sieht die Dinge um sich herum nicht. Ist es nicht toll dann einen Menschen bei sich zu haben, der mich versteht und den ich verstehe?”

In der Arbeit als Clown zählt nicht die Länge des Besuchs, sondern vielmehr der glückliche Moment. Die Arbeit als Clown im Alten- und Pflegeheim kostet Kraft, denn Carmen Hörter ist nicht sie selbst, sondern der Demenz-Clown Rosa und muss als dieser sehr viel Konzentration und Energie in ihre Rolle einbringen. „Emotionen zeigen und schenken ist einfacher, wenn ich nicht ich selbst bin”, sagt Rosa.
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