Geilenkirchen-Teveren - Dem Geheimnis des Moores auf der Spur

Dem Geheimnis des Moores auf der Spur

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
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Ein faszinierender Ausblick über das „Wiggelewak” : Lars Delling verlässt nur ausnahmsweise den vorgeschriebenen Pfad. Foto: S. Sillius

Geilenkirchen-Teveren. Sie lebt von ihren Kontrasten: die Teverener Heide. Feuchte und trockene Gebiete, geschlossene und offene Landschaften fügen sich auf dem 450 Hektar großen Naturschutzgebiet zu einem beeindruckenden Landschaftsmosaik zusammen.

Besonders im Heidemonat August lädt die Teverener Heide zum Spaziergang auf einem der Wanderwege ein. In drei Teilen stellen wir Ihnen die Besonderheiten der Flora und Fauna vor und erklären, warum ein verantwortungsvoller Umgang des Menschen mit der unberührten Natur so wichtig ist.

Lars Delling, Diplom-Landespfleger, ist Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde Kreis Heinsberg und weiß vieles rund um die Pflanzen- und Tierwelt der Heide zu erzählen.

Wackeliger Untergrund

Langsam geht die Sonne auf über der malerischen Landschaft, die sich rund um das „Wiggelewak” erschließt. Es stellt den größten Moorkomplex in der gesamten Teverener Heide dar. Seinen lautmalerischen Namen verdankt es dem wackeligen, torfigen Untergrund des Schwingrasens. Nur ausnahmsweise verlässt Lars Delling an diesem Morgen den vorgeschriebenen Pfad, um den herum sich das Naturschutzgebiet erschließt - um die Leser dieser Zeitung in die Geheimnisse der Moorwelt und der übrigen Landschaft einzuweihen. „Das Heidemoor ist eines der bedrohten Biotoptypen”, erklärt er.

So wurde die Teverener Heide mit ihrer Moorlandschaft 1977 unter Naturschutz gestellt und fällt unter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Mit dieser setzte die EU rund 300 Lebensraumtypen fest, die zum Erhalt des Naturerbes beitragen. Zusammen mit den Vogelschutzgebieten bilden sie das Netzwerk „Natura 2000”.

Die Moore gehören zu den wenigen Gebieten der Teverener Heide, die sich natürlich, also weitgehend unbeeinflusst vom Menschen, entwickelt haben. Besonders typisch für diesen Lebensraum ist der aromatisch duftende Gagel. Wegen seiner Würze galt er früher als Zauberpflanze und wurde sogar zum Bierbrauen verwendet.

„Die Übergänge von Trocken zu Nass sind hier sehr deutlich zu sehen”, zeigt Delling auf den Boden, während er vorsichtig über ihn spaziert. Und tatsächlich: In den feuchten Gebieten wächst das Torfmoos auf seinen eigenen abgestorbenen Resten, auf den trockenen Flächen sind die blühende Glockenheide mit ihren rosafarbenen Kelchblüten und der Enzian zu bewundern. „Im Mai ist vom Wegrand aus das Wollgras zu sehen”, kündigt Delling das anstehende Frühjahres-Panorama an.

Plötzlich bleibt der Landschaftspfleger stehen und lauscht aufmerksam in den angrenzenden Wald hinein. Er überlegt kurz, und identifiziert dann das markante Vogelgeräusch: „Das muss ein Schwarzspecht sein.” Delling erklärt dessen Besonderheit: „Er legt große, dunkle Höhlen in Baumstämmen frei, um sich sein Nest zu bauen.” Dies sei lebensnotwendig für zahlreiche andere Tierarten wie Eulen oder Käuze. Ihnen dient der Schwarzspecht als wichtiger Höhlenlieferant.

Apropos Wald, hier und da lassen sich kleine Nadelbäumchen entdecken - Pflanzen, die Delling nicht gerne sieht. „Biotope müssen gepflegt werden”, sagt er. Moore und Gewässer brauchen Pufferzonen, die verhindern, dass zu viele Nährstoffe eindringen. Deshalb dürfen sie nicht überwuchern. Dreimal im Jahr schneiden Mitarbeiter des NABU die störenden Pflanzen weg, außerdem sind bald wieder Moorschnucken auf der Fläche zu Gast und dürfen sich getrost den Bauch vollschlagen. Die Tiere weiden besonders gern auf feuchten Flächen und fressen die ungewünschten Sprösslinge ab. Ein weiterer Vorteil: Sie hinterlassen kaum Trittschäden. Denn solche sind die größte Gefahr für die Moorlandschaft, sie heilen sogar innerhalb von Jahrzehnten nicht, sagt Delling: „Der feuchte Boden ist sehr empfindlich, deshalb sollten Hunde immer angeleint werden, Herrchen und Tier nie den vorgeschriebenen Weg verlassen.” Nicht nur dem Boden schaden die freilaufenden Hunde, ebenso stören sie das Brutgeschäft der Vögel, die fluchtartig ihre Nester verlassen.

Der Landschaftspfleger sucht als weitere Station ein feuchtes Heidegebiet auf. Dort ist der Sonnentau zuhause, der zur Gattung der fleischfressenden Pflanzen zählt und ebenso auf Moor- wie auf Heideflächen beheimatet ist. „Von der Biostation wurden hier Dauer-Quadrate zur Beobachtung errichtet”, erklärt Delling, was es mit den Gewächsen auf sich hat. Aufgrund des nährstoffarmen Bodens muss sich der Sonnentau seine Nahrung selbst beschaffen: An seinen klebrigen Pflanzenteilen bleiben Insekten hängen und werden im Wasser blitzschnell aufgesaugt. Man glaubt es kaum, „die unsichtbarsten Flächen sind meist die wertvollsten der Teverener Heide”, sagt Delling.

Im nächsten Teil geht der Spaziergang weiter. Wir stellen das Offenland mit seinem Sand-Magerrasen, typische Pflanzen und besondere Lebewesen vor.
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