Das „Trampolin“ erlebt bald seine ersten Sprünge

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Iris Wittrin, Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, und Dragan Samardzic, Mitarbeiter der Caritas-Jugendhilfe, werden das Gruppenprogramm „Trampolin“ für Kinder aus suchtbelasteten Familien leiten.

Kreis Heinsberg. Am 7. Oktober ist es so weit. Dann wird die erste Gruppe des neuen Kinderprojekts „Trampolin“ mit bis zu acht Kindern aus suchtbelasteten Familien im Alter von acht bis zwölf Jahren in Heinsberg an der Geilenkirchener Straße 3 beginnen.

Darauf hat Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen in ­Hückelhoven, hingewiesen; die Beratungsstelle steht in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich. Sie hat das Projekt gemeinschaftlich mit der Caritas-Jugendhilfe auf den Weg gebracht. Interessenten für die Gruppe können sich noch melden.

Geleitet wird die kostenlose Gruppe, die für Kinder aus suchtbelasteten Familien gedacht ist richtet und sich wöchentlich jeweils 90 Minuten an insgesamt neun Terminen trifft, von Beratungsstellenmitarbeiterin Iris Wittrin und von Dragan Samardzic, Mitarbeiter der Caritas-Jugendhilfe.

Kreislauf unterbrechen

Vorrangiges Ziel von „Trampolin“ sei es, den Kreislauf zu unterbrechen, bei dem die Suchterkrankung häufig von einer Generation auf die andere Generation weitergegeben wird, betont Marlies Trapp. In der Gruppe könnten die Kinder im geschützten Rahmen über die Sucht ihrer Eltern oder ­eines Elternteils sprechen, erhielten Informationen über Suchtmittel (Alkohol und Drogen) und Suchtentwicklung. „Kinder schützen ihre Eltern, und deshalb ist es für sie oft ein Tabu, über deren Sucht zu sprechen“, weiß Iris Wittrin. Gerade in einer Gruppe jedoch würden die Kinder erkennen, dass sie nicht alleine dastünden, es andere gebe, die dieselben Probleme hätten. Gleichzeitig gehe es bei dem Gruppenangebot darum, ihnen zu vermitteln, welche Möglichkeiten, Netzwerke und Hilfen es gebe, um selber mit schwierigen Situationen umgehen zu können. „Fragen, wo die eigenen Stärken und Ressourcen sind und wie man eine Distanz zum Suchtkranken aufbauen kann, werden von uns ebenso beantwortet“, erklärt Dragan Samardzic.

Die Kinder sollen ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse bekommen und Ideen entwickeln, wie sie das umsetzen können. „Ganz wichtig ist, dass die Kinder erkennen, dass sie nicht die Schuld beziehungsweise Verantwortung am Suchtgeschehen ihrer Eltern tragen“, unterstreicht Marlies Trapp. Es werde versucht, ihnen zu vermitteln, dass die Eltern die Eltern seien, es nicht darum gehe, sie abzuwerten, sondern vielmehr darum, einen Zugang zu ihnen zu bekommen, der nicht primär geprägt sei vom Suchtgeschehen.

Um auch einen intensiven Kontakt zu den Eltern zu bekommen, würden diese mit eingebunden, sagt Iris Wittrin. Zu Beginn und zum Ende der Gruppenarbeit findet deshalb jeweils ein Elternabend statt, bei dem sich die Eltern untereinander kennenlernen, sich über das Angebot informieren und Fragen, die sie bewegen, stellen können. Bei Bedarf können sich die Eltern beziehunsgweise Familien auch über die Elternabende hinaus an die Beratungsstelle wenden.

Botschaft an die Politik

Die Finanzierung des Kinderprojekts „Trampolin“ erfolgt derzeit über Stiftungsgelder, ergänzt Marlies Trapp. Wie es dann weitergehe, sei bisher ungewiss. Ihre Botschaft an die Politik lautet deshalb: „Trampolin muss unbedingt ein Regelangebot mit einer soliden Finanzierung werden.“ Die Politik sei in der Pflicht, mit dazu beizutragen, dass der Kreislauf des Weitergebens der Suchterkrankung von einer Generation auf die andere unterbrochen werde. Gleichzeitig gibt Trapp noch zu bedenken, dass Suchtkranke häufig eine gebrochene Erwerbsbiographie aufweisen würden. Das Kinderprojekt passe deshalb zum Ziel des Kreises, Armut zu bekämpfen.

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