Kreis Heinsberg - Das Thema Energie in den Blickpunkt gerückt

Das Thema Energie in den Blickpunkt gerückt

Von: disch
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Im Heinsberger Kreishaus: Landrat Stephan Pusch bei seiner Rede in der letzten Kreistagssitzung des Jahres 2016.

Kreis Heinsberg. Das Thema Energie hat Landrat Stephan Pusch in seiner Rede in der letzten Kreistagssitzung in den Blickpunkt gerückt und dabei den Bogen vom Widerstand gegen das Atomkraftwerk Tihange über den verkleinerten Braunkohletagebau Garzweiler II bis zur E-Mobilität und den energiesparenden LED-Lichtquellen gespannt.

Dass der Name eines kleinen wallonischen Dorfes den Menschen in der Grenzregion einmal so flüssig über die Lippen gehen würde, wäre wohl nie geschehen, wenn dort nicht an den Ufern der Maas mehrere Blöcke eines Kernkraftwerkes existieren würden, die nach eben diesem Ort Tihange benannt seien, so der Landrat.

„Der Zustand der Reaktoren, der letztlich nur von Fachleuten objektiv beurteilt werden kann, ist aufgrund zahlreicher Aktivitäten und Veröffentlichungen zumindest diskussionswürdig“, sagte Pusch. Da es in Deutschland gesellschaftlicher Konsens sei, der Reaktortechnik nicht mehr zu vertrauen, sei es zwangsläufig, dass man als Grenzregion sozusagen in „entfernter Nachbarschaft“ mehrerer Kernkraftwerke einen kritischen Blick auf diese Reaktoren und ihre Betreiber wirft. „Unser Antrieb ist dabei, die Menschen der Grenzregion vor möglicherweise negativen Auswirkungen zu schützen“, betonte der Landrat.

Aus diesem Grund habe sich der Kreis Heinsberg dazu entschlossen, die Klage der Städteregion Aachen gegen den Betrieb der Kernkraftwerke in Tihange und Doel zu unterstützen und die Stilllegung der Reaktoren zu fordern. Darüber hinaus hätten sich die betroffenen Gebietskörperschaften – die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen sowie die Kreise Euskirchen, Düren und Heinsberg – in mehreren Arbeitsgruppen mit dem Thema befasst. Die Arbeitsgruppe „Tihange“ mit ihren Unter-Arbeitsgruppen „Jodtabletten“ und „Information“ habe mehrfach getagt und sowohl für die Verteilung der Jodtabletten sowie die Erstellung einer Informationsbroschüre für alle Bürger schlüssige Ergebnisse vorgelegt. Pusch: „Gemeinsam hoffen wir, dass diese Ergebnisse zum Beginn des neuen Jahres entsprechend umgesetzt werden können.“

Leider habe aber auch die Erfahrung gemacht werden müssen, dass bei allem Elan und Engagement aus den Kreisen und Kommunen das Land sehr wenig Interesse an dem Thema „Tihange“ zeige. „Um es einmal diplomatisch auszudrücken, nimmt das Land Nordrhein-Westfalen in Sachen Tihange eine sehr neutrale Haltung ein. Dies ist umso enttäuschender, als die Landesregierung aus politischen Kräften zusammengesetzt ist, die sich doch den Kampf gegen die Atomenergie immer gerne auf ihre Fahnen geschrieben haben.“

Er habe großes Verständnis dafür, wenn sich die Menschen in der Grenzregion um ihre Sicherheit im Hinblick auf einen möglichen Störfall in Tihange sorgen würden, sagte der Landrat. „Wir im Kreis Heinsberg nehmen diese Sorgen sehr ernst, ohne aber in Hysterie zu verfallen. Wir bleiben wachsam und werden als Region gemeinsam alles versuchen, um einen möglichen Störfall unmöglich zu machen.“

Mit Blick auf eine andere Form der Energiegewinnung habe es im Jahr 2016 zumindest eine sehr erfreuliche Nachricht gegeben. Im Juli habe die Landesregierung bekannt gegeben, dass nun erstmals in Deutschland ein Braunkohleplan verkleinert werde. Begründet werde dies mit der Veränderung energiepolitischer Grundannahmen.

Das habe für den Kreis Heinsberg die positive Folge, dass wegen der Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler II 1400 Menschen in Holzweiler und Umgebung nicht umgesiedelt werden müssten. Das letzte Umsiedlungsverfahren betreffe leider noch die 1600 Bewohner der Orte Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath. Im April habe es beim ersten Spatenstich zur Erschließung eines neuen Umsiedlungsstandortes in Erkelenz vollkommen zurecht kritische Töne gegeben, weil viele Betroffene an die mit der Umsiedlung zusammenhängenden Belastungen erinnert und darüber hinaus einen respektvolleren Umgang des Bergbaubetreibers angemahnt hätten.

„Gleichzeitig wird auch die Rolle der Braunkohle zur Energiegewinnung zunehmend kritischer gesehen. Das Klimacamp am Rand des Tagebaus im August mag als Beleg dafür dienen“, so Pusch. „Ich bin froh, dass vor dem Hintergrund der Energiewende auch die Braunkohle zum Auslaufmodell wird.“

Der Sinneswandel in Sachen Energie werde in vielen Bereichen deutlich, so der Landrat. So setze die Kreisverwaltung schon jetzt zumindest teilweise auf die Karte E-Mobilität. Die beiden elektrisch angetriebenen Dienstwagen seien in der Belegschaft außerordentlich beliebt und würden entsprechend positiv gesehen. Auch die beiden elektrisch unterstützten Dienstfahrräder würden immer häufiger genutzt.

Dank der NEW werde es künftig auch eine Ladesäule am Kreishaus geben, die auch von den Bürgern genutzt werden könne. Darüber hinaus sei die NEW dabei, über eine Studie zu ergründen, in welchen Bereichen es sinnvoll erscheine, öffentliche Ladesäulen aufzustellen.

Am Rande erwähnt sei, dass die neue LED-Beleuchtungstechnik sehr gut geeignet sei, einen bestehenden Energieaufwand deutlich zu reduzieren, sagte der Landrat und kündigte an: „Aus diesem Grund wird die komplette Beleuchtung des Kreishauses auf energiesparende LED-Lichtquellen umgestellt.“

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