Das Pfeifen aus dem letzten Loch

Von: syn
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Scherzhaft erklärt Kantor Stefan Emanuel Knauer, er habe schon daran gedacht, beim Orgelspiel einen Bauhelm zu tragen. Bislang aber hat er seine Drohung noch nicht wahr Foto: Wichlatz

Erkelenz. Die imposante Oberlinger-Orgel in St. Lambertus zählt mit 53 Registern und einer Höhe von rund 17 Metern zu den imposantesten Orgeln in der Region. Dabei pfeift sie aus dem letzten Loch. Davon ist Kantor Stefan Emanuel Knauer überzeugt.

Rund 750.000 Mark hatte sie gekostet, als sie 1979 eingeweiht wurde. Vor zehn Jahren musste die Orgel bereits aufwendig saniert werden. Trotzdem sehen Knauer und der Orgelbauverein Handlungsbedarf. Diesen untermauerten sie bei einer Veranstaltung eindrucksvoll.

Knauer lieferte vor Ort Bilder vom chaotischen Innenleben der Orgel, die auf den ersten Blick sehr beeindruckend erscheint. „Außen hui, innen pfui”, fasste Knauer diesen Umstand in Worte. Dass Problem fängt schon ein Stockwerk tiefer an. Der Blasebalg befindet sich in der Krypta, wo eine weitaus höhere Raumtemperatur herrscht als am Altar. Die warme Luft führe zu Verstimmungen der Pfeifen.

Im Inneren der Orgel herrscht teilweise Chaos, die Pfeifen sind oftmals eng aneinander gequetscht, aufgrund fehlender Materialstärke deformiert und notdürftig geflickt. Die Trakturen im hinteren Ende der Orgel sind von Schimmel befallen, was auf die Luftfeuchtigkeit in der Kirche und die schlechte Verarbeitung der Rückwand aus Sperrholz zurückzuführen ist.

Das Stimmen der Orgel, für das man sich in das Instrument hinein begeben muss, sei ein durchaus akrobatischer Akt in rund 15 Metern Höhe. „Ich betrete die Orgel nicht”, beteuerte er den rund 40 Zuhörern, die nach der Abendmesse zu dieser kritischen Orgelführung erschienen waren. Gefährlich könne es aber auch werden, die Orgel zu spielen. Scherzhaft erklärte Knauer, er habe schon daran gedacht, beim Orgelspiel einen Bauhelm zu tragen.

Denn die so genannten Spanischen Pfeifen, die waagerecht vorne aus der Orgel herausragen, sind teilweise mit Kabelbindern befestigt, weil sie sich gefährlich nach unten neigten. Auch musikalisch waren die Probleme schnell klar. In Kostproben spielte Knauer den Zuhörern die mangelhaften Übergänge und ungleichen Lautstärken oder das zeitliche Ansetzen der angeschlagenen Töne vor. „Auch das Betätigen der Pedalwerke und der Registerzüge sei eine Kunst für sich”, wie er hervorhob. Von vielen Gastmusikern habe er schon Kritik an der Orgel zu hören bekommen.

Immerhin: Das Gehäuse ist in gutem Zustand. Man darf eben nur nicht hinter die Kulissen blicken. Gemeinsam mit dem Orgelbauverein will er Fakten schaffen. Dafür werden in den nächsten Wochen verschiedene Orgelbauer das Sorgenkind in Augenschein nehmen und Vorschläge machen, wie sie saniert werden kann. Dabei wird mit rund 500.000 Euro an Kosten gerechnet. „Genaueres werden wir im Herbst wissen”, erklärte der Kantor.
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